Leichte Mädchen, harte Kerle: Wüstentrip in Süd-Arizona

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Deutsche Presse-Agentur

Sunny hat mehr als 30 Jahre lang in den Kupferminen des Bergdorfs Bisbee im Süden Arizonas gearbeitet. Noch immer fährt er fast täglich mit seinem Helm, der Steigerlampe und der Regenhaut in den Berg. Hammer und Meißel braucht er aber nicht mehr.

Denn Sunny führt Besucher durch die Copper-Queen-Mine, in der von 1881 bis 1975 Tonnen von Gold, Silber, Kupfer und Zink aus dem Fels geschlagen wurden. Sie ist eine von vielen Attraktionen, die in der Wüste Süd-Arizonas auf Touristen warten.

In Copper-Queen führen die Stollen horizontal in den Fels hinein. Mehr als 200 Kilometer Wege gibt es in dieser Mine - die meisten wurden einst Stück für Stück in mühseliger Kleinarbeit geschlagen und gesprengt. Für die Arbeiter war das eine beschwerliche Aufgabe. Aber sie war auch sehr begehrt, denn sie ermöglichte ein gutes Auskommen.

Die Copper-Queen-Mine war eine von 34 , in denen zu Bisbees besten Zeiten junge Männer Arbeit fanden. Auf rund 25 000 Einwohner brachte es das kleine Städtchen damals, und es galt in der Zeit um 1900 als größter Ort zwischen dem Mississippi und dem Pazifik. Heute ist Bisbee, gut zehn Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernt, nur noch ein Schatten der damaligen Zeit - aber ein schöner Schatten.

Mittelpunkt des Ortes ist das „Copper Queen Hotel“. Um für das riesige Gebäude ein ebenes Stück Land zu finden, musste einst sogar ein Felsklotz aus dem Berg gesprengt werden. Die Fliesen wurden aus Europa herangeschafft, an den Deckenleuchtern stand der Name „Tiffany“. Die Wände, erzählt Manager Adam Lamb, sind fast zwei Fuß dick, also mehr als einen halben Meter. „So hat man es geschafft, auch im heißen Sommer angenehm kühle Räume zu haben.“ Was früher luxuriös war, weicht heute immer mehr einer Wild-West-Romantik. Und es gibt unerklärbare Phänomene in dem alten Kasten: „Das Hotel hat drei Hausgeister, da ist für jeden Geschmack etwas dabei“, sagt Lamb. Neben einem älteren Gentleman spukten eine Dame Anfang 30 und ein Junge, der im San Pedro River ertrunken ist, durch das Hotel.

Auch im Nachbarort Tombstone werden spannende Geschichten erzählt über Leute, die verschwunden sind aus der Einöde der Wüste oder die von den schweren Klimabedingungen dahin gerafft wurden. Tombstone hat seinen Namen nicht von ungefähr: „Grabstein“ heißt der Ort, der heute aus vielen alten Fassaden besteht. Hier werfen sich viele Menschen gern in Wildwest-Kostüme und schießen mit Platzpatronen um sich.

Der Ort bestand aus leichten Mädchen und harten Kerlen - Männer, die nach Silber suchten und fündig wurden. Eines der interessantesten Ziele für Besucher in Tombstone ist heute der Friedhof der Stadt. Steinhaufen liegen dort zwischen Kakteen und dornigen Büschen. Und einfache Holzkreuze mit krakeliger Schrift verkünden, wer dort begraben ist und welchen schlimmen Tod er starb.

Im äußersten Südosten Arizonas, nahe der Grenze zum US-Bundesstaat New Mexico, lebte einst der Apachen-Stamm der Chricahua. Als die Weißen aber kamen und sie aus ihren angestammten Gebieten zu vertreiben drohten, leisteten sie erbitterten Widerstand. Verträge wurden geschlossen und gebrochen, schließlich lebten die Indianer im Exil in den weit entfernten Staaten Florida, Alabama und Oklahoma - oder eben in den Bergen des heutigen Chiricahua National Monuments.

„In diesem Land haben sich immer nur die Apachen zurecht gefunden“, erzählt die Rangerin Suzanne Moody. Extrem schwierig sei es, inmitten der kargen Felsen zu überleben. Die Steinformationen entstanden nach den Ausbrüchen des Turkey-Creek-Vulkans vor mehr als 27 Millionen Jahren.

Doch nicht alles ist Wüste im Süden Arizonas. Im Sommer wird Tucson immer wieder von Monsun-Regen überschwemmt. In kürzester Zeit füllen sich die breiten Flussbetten, die den größten Teil des Jahres über ausgetrocknet sind. Und immer wieder stranden Autos in den Wassermassen - in den Kuhlen und unter Brücken. „Wir haben hier in Tuscon das 'Blöde-Autofahrer-Gesetz'“, sagt die Einwohnerin Jessica Fish. Es besagt, dass Menschen, die bei diesen Sommerregen aus den Kuhlen gerettet werden müssen, selbst den Feuerwehreinsatz bezahlen.

Im Desert Museum am Rande der Stadt wird gezeigt, wie das Leben sich auch in dieser trockenen, heißen Ödnis entwickelt hat - und wie vielfältig die Wüste sein kann. Denn je weiter nach Süden man von Tucson aus fährt, desto höher geht es hinaus, und immer weniger Kakteen stehen an den Straßenrändern und in der Ebene. Die Wüste wird zum Grasland, gelb wird die Landschaft in der Hochebene.

Fremdenverkehrsbüro Arizona: www.arizonaguide.com

Anmeldung einer USA-Reise: https://esta.cbp.dhs.gov

Reiseziel: Tucson ist die zweitgrößte Stadt in Arizona. Sie liegt unweit der Grenze zu Mexiko im Südwesten der USA.

Anreise und Formalitäten: Nonstopflüge von Deutschland nach Tucson gibt es nicht. Umsteigeverbindungen bestehen mit mehreren Airlines zum Beispiel über Denver, Chicago, Los Angeles, Houston oder Atlanta. Von Arizonas Hauptstadt Phoenix aus dauert eine Autofahrt nach Tucson etwa drei Stunden. Für Deutsche besteht keine Visumspflicht, wenn sie maximal 90 Tage im Land bleiben. Benötigt wird ein maschinenlesbarer Reisepass. Außerdem müssen sich deutsche USA-Touristen rechtzeitig vor ihrem Abflug online unter „esta.cbp.dhs.gov“ anmelden.

Klima und Reisezeit: In Süd-Arizona wird es im Sommer sehr warm. Die besten Reisezeiten sind das frühe Frühjahr und der späte Herbst, wenn die Wüste in der Nacht abkühlt und die Tage angenehm warm sind.

Informationen: Tourismusamt Arizona, c/o Kaus Media, Luisenstraße 4, 30159 Hannover; Telefon: 0511/899 89 00, E-Mail: arizona@kaus.net

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