Lehmanns Fehltritt bleibt ohne Folgen

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Deutsche Presse-Agentur

Fehltritt ohne Folgen: Torwart Jens Lehmann vom Bundesligisten VfB Stuttgart kommt nach seinem Schienbein-Kick gegen den Kölner Roda Antar ohne Strafe davon.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) werde kein Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Nationalkeeper einleiten, teilte DFB-Mediendirektor Harald Stenger mit. Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer habe die strittige Szene gesehen und im Spielbericht vermerkt. „Damit ist es eine Tatsachenentscheidung“, sagte Stenger. Den wachsenden sportlichen Frust Lehmanns aber kann wohl nur Joachim Löw lindern. In den kommenden Tagen will der Bundestrainer entscheiden, ob er dem dann 39-Jährigen am 19. November in Berlin ein Abschiedsspiel gegen England gewährt.

„Ich würde gern gegen England spielen, der Gegner ist nach meinen Jahren in London ja naheliegend“, verriet der 61-malige Nationalspieler unlängst. Löw ließ sich bislang aber nicht in die Karten blicken, obwohl sich auch DFB-Präsident Theo Zwanziger für eine „angemessene Verabschiedung“ aussprach. „Lehmann ist eine starke Persönlichkeit und hat Spuren hinterlassen. Wenn er mit Löw übereinkommt, spielt er“, sagte Zwanziger. Sportlich indes würde eine Berufung Lehmanns kaum passen, da René Adler als vorläufige Nummer 1 nach der Verletzung von Robert Enke Spielpraxis im Tor der Nationalmannschaft benötigt.

Ein finaler Einsatz in der Nationalelf wäre nicht nur eine ungewöhnliche Good-Will-Aktion von Löw, sondern für den zunehmend missgelaunten Lehmann eine willkommene Abwechslung. Die Talfahrt der Stuttgarter ins Bundesliga-Mittelmaß hat den überaus ehrgeizigen Schlussmann desillusioniert und seine Stimmung auf den Nullpunkt sinken lassen. „Er hat sich auch nicht entschuldigt. Das ist kein gutes Beispiel“, klagte Lehmann-„Opfer“ Antar. TV-Bilder hatten gezeigt, wie der Torwart dem Libanesen bei der 1:3-Heimpleite der Schwaben gegen Aufsteiger 1. FC Köln kurz vor Ende der Partie einen Tritt gegen das linke Schienbein versetzte. „Eine Dummheit“, urteilte Antar.

Drei Monate nach seiner Rückkehr in die Bundesliga liegen bei dem vom FC Arsenal ausgemusterten Lehmann auf dem Platz die Nerven immer öfter blank. Außerhalb des Rasens sorgte er mit Hubschrauber-Flügen von seinem Wohnsitz nach München zum VfB-Training für zusätzlichen Wirbel. Die VfB-Verantwortlichen aber lassen auf ihren Neuzugang nichts kommen. „Jens ist eine absolute Verstärkung“, betont Sportdirektor Horst Heldt immer wieder.

Fast wöchentlich werben die Schwaben öffentlich um eine Vertragsverlängerung mit dem Routinier, der bislang nur bis zum Saisonende an den Verein gebunden ist. Trainer Armin Veh machte sich zudem für einen Lehmann-Abschied im DFB-Trikot stark. „Die letzten Jahre waren Kahn und Lehmann die führenden Torhüter. Wenn der eine ein Abschiedsspiel bekommt, dann steht das auch dem anderen zu“, sagte Veh jüngst der Zeitung „Sonntag Aktuell“.

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