Lebenslänglich für Josef Fritzl

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Deutsche Presse-Agentur

Nach österreichischem Recht muss Fritzl mindestens 15 Jahre im Gefängnis verbringen, die Strafen für einzelne Vergehen werden nicht zusammengezählt. Anschließend könnte er in eine geschlossene Anstalt für abnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden.

Fritzl hörte dem Urteil gefasst und ruhig zu und akzeptierte den Richterspruch um 14.20 Uhr nach einem kurzen Augenkontakt mit seinem Verteidiger. „Ich nehme das Urteil an“, sagte er auf Fragen der Richterin. Auch die Staatsanwältin verzichtete auf Rechtsmittel. Damit war das Urteil sofort rechtskräftig.

Minuten zuvor hatte die Vorsitzende der acht Geschworenen die Entscheidung der Schöffen verlesen. Schon nach dem ersten Punkt war klar, dass Josef Fritzl eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten würde. „Acht Ja“, erklärte die Schöffin: Das hieß, alle acht Geschworenen hatten den Angeklagten des Mordes durch unterlassene Hilfeleistung schuldig befunden. Einstimmig waren die Schuldsprüche auch bei allen weiteren Anklagepunkten. Insgesamt beriet die Jury etwa vier Stunden über das Urteil.

Unmittelbar nach der Urteilsverkündung wurde Fritzl, abgeschirmt durch zwölf Polizisten, in eine Zweierzelle im Untersuchungsgefängnis zurückgebracht, die er mit einem anderen Gefangenen teilt. Sein Verteidiger Mayer zeigte sich von dem Urteil nicht überrascht. „Mein Mandant hat das Urteil angenommen. Er empfindet die Strafe als gerecht“, betonte Mayer. „Ab heute kommt Buße auf ihn zu im Gefängnis.“ Mayer wies aber auch auf die Selbstmordgefährdung Fritzls hin und sagte in einem TV-Interview: „Jeder Mensch, der psychisch so erschüttert wird, dass sein psychisches Selbst, dass er sich über Jahrzehnte hinweg als Fassade aufgebaut hat, in sich zusammenstürzt, ist natürlich suizidgefährdet.“

Fritzl selbst sagte in seinem letzten Wort vor Gericht, er bereue aus ganzem Herzen, was er seiner Familie angetan habe. Wörtlich sagte er: „Ich kann es leider nicht mehr gutmachen. Ich kann nur schauen, den Schaden nach Möglichkeit zu begrenzen.“

Am Dienstagnachmittag war Fritzls Tochter Elisabeth überraschend während einer nicht-öffentlichen Beratung über ihre auf Video aufgezeichneten Aussagen im Gerichtssaal aufgetaucht. Das habe seinen Mandanten so erschüttert, dass er alle Vorwürfe zugegeben habe, sagte Mayer. Ob auch einige der im Kellerverlies gezeugten Kinder in den nicht-öffentlichen Verhandlungsteilen dabei waren, wurde nicht bekannt.

Fritzl wurde für schuldig befunden, seine Tochter Elisabeth 1984 in ein von ihm gebautes Kellerverlies gesperrt und sie dort 24 Jahre lang gefangen gehalten zu haben. Dort wurde sie nach Angaben seines Verteidigers etwa 3000 Mal vergewaltigt und in der Folge mehrmals schwanger. Sechs ihrer Kinder überlebten, drei von ihnen nahm Fritzl zu sich in die eigene Wohnung. Der im April 1996 geborene Sohn Michael war 66 Stunden nach seiner Geburt gestorben, weil der Vater und Großvater sich weigerte, ihn zum Arzt zu bringen.

Den Behörden machte Fritzl weiß, dass seine Tochter einer Sekte beigetreten und deshalb „verschwunden“ sei. Im April 2008 kam das Verbrechen durch die lebensgefährliche Erkrankung einer im Keller geborenen Tochter ans Licht, weil Fritzl das Mädchen ins Krankenhaus brachte.

Am Donnerstagmorgen hatte die Anklägerin für Fritzl nach nur dreitägiger Verhandlungsdauer „die Höchststrafe“, also lebenslanges Gefängnis, wegen Mordes durch Unterlassung an einem seiner im Keller geborenen Kinder gefordert. Verteidiger Mayer wiederum beschränkte sich darauf, um Verständnis zu bitten und trotz eines Schuldbekenntnisses des Angeklagten auf die Bestrafung für Mord zu verzichten.

Am Donnerstag hatten sich Staatsanwältin Christiane Burkheiser und Verteidiger Mayer in ihren Schlussplädoyers ein letztes Mal an die Geschworenen gewandt. Die für Fritzls Tochter Elisabeth auftretende Opferanwältin, Eva Plaz, forderte ebenfalls die Höchststrafe wegen Mordes für den Inzesttäter. „Der Angeklagte hat sich zum Herrn über Leben und Tod gemacht. Dafür muss er bestraft werden.“

Nach dem Urteil sagte die Vorsitzende Richterin, Andrea Humer, das harte Urteil sei schon aus Gründen der Prävention nötig. Während es für Fritzl nur „unbedeutende Milderungsgründe“ gab, habe es für das Gericht bei der Strafbemessung „eine Vielzahl an Erschwerungsgründen“ gegeben. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Gerhard Sedlaecek, führte den „Erfolg“ der Anklage auf die „sorgfältigen Ermittlungen“ seiner Behörde zurück und meinte: „Die Anklage ist immer das Ergebnis des Ermittlungsverfahrens.“

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