Lang noch nicht tot: Couture im jungen Gewand

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Die Pariser Couture verjüngt sich. Auch wenn das Programm der Haute Couture-Schauen für Frühjahr/Sommer 2009 mit nur 21 Defilees in drei Tagen etwas spärlich war: Tot ist die traditionsreiche Hohe Schneiderkunst noch lange nicht.

Junge kreative Designer wie Riccardo Tisci (Givenchy), Alexis Mabille oder Anne Valerie Hash sind in den vergangenen Jahren hinzugekommen, und alle zeigten sie kraftvolle, eigenständige Entwürfe.

Jean Paul Gaultier durchbrach vor zwölf Jahren als erster die verstaubten Konventionen der Couture, schickte ungewöhnliche, moderne und dennoch mit hervorragender handwerklicher Expertise gefertigte Kreationen auf den Laufsteg. Auch wenn das einstige „Enfant Terrible“ mittlerweile als Veteran gelten kann, bewies er in seiner Schau am Mittwoch (28. Januar) mit scharf geschnittenen, super sexy Entwürfen seine Aktualität. Gaultier verband lineare, spitz zulaufende Formen mit kurviger Figurbetontheit, Lingerie-Look mit klassischen Kostümen und vermied geschickt jeden Anflug von Biederkeit. Neben um den Körper gewickelten schwarzen Seidenkleidern mit tiefem Ausschnitt gab es rasante Smokings mit hohem Taillenbund und hauchzarte Kleider in Kreisformen.

Gaultiers Models traten verführerisch auf mit kurzem Bubikopf, großen Hängerohrringen, Nahtstrümpfen und spitzen Pumps. Perfekt auf diesen Runway passte das „Supermodel“ der 80er, die strahlende Inès de La Fressange, mit ihrer leicht androgynen und dennoch unglaublich femininen Anmutung. Auch die im Publikum sitzende Kylie Minogue (Gaultier hat die attraktive Sängerin in den vergangenen Jahren wiederholt ausgestattet) konnte sich sicher mit diesem körperbetonten Look identifizieren.

Der Libanese Elie Saab hat sich in den vergangenen Saisons zum Darling der Couture-Kundschaft gemausert. Seit knapp sechs Jahren zeigt der 45-Jährige in Paris und bedient dabei alle Träume von Märchen aus 1001 Nacht. Diesmal gab er sich relativ zurückhaltend mit einer Reihe von knielangen Kleidern in Pudertönen, kunstvoll drapiert, aus Spitze, mit Stoffblüten besetzt oder üppig bestickt. Große Schärpen dienten als Taillengürtel und fügten einen Hauch Fernost hinzu. Lange schulterfreie Gewänder aus Satin oder Seidentaft wirkten dank Silberglanz glamourös. Statt der rauschenden Robe triumphierte die Liebe zum Detail.

Bei Valentino geriet die Verjüngung der Couture unlängst zum Reinfall. Die Italienerin Alessandra Facchinetti, deren Debüt in dem italienischen Traditionshaus im vergangenen Jahr enorm bejubelt worden war, musste nach nur zwei Saisons den Hut nehmen. Die Leitung des Designs haben nun die ehemaligen Accessoire-Spezialisten der Marke, Maria Grazia Chiuri und Pier Paolo Piccioli, inne. Sie setzten bei ihrem Debüt auf Sicherheit. Tadellos geschnittene Kostüme mit skulptural gerundeten Jäckchen und A-förmigem Rock, zarte Plisseegewänder, teils wunderbar mit Pailletten bestickt, und rot glänzende Seidentaftkleider erinnerten an die 60er-Jahre. Für den Abend gab es schöne Drapierungen bei schulterfreien Kleidern in Türkis, Creme oder Schwarz.

Größere Experimente kann sich Valentino möglicherweise wieder in der kommenden Saison leisten. Erstmal muss Kontinuität einkehren. So war es richtig, dass die beiden Designer zunächst ganz auf das einzigartige Know-How des Modehauses in Sachen Couture setzten. Möglicherweise ist die Hohe Schneiderkunst auch der Zweig der Modebranche, der am wenigsten unter der Krise leiden wird. In einer Umfrage des Fachblattes „Women's Wear Daily“ zumindest zeigten sich die leitenden Manager der Couture-Häuser optimistisch. Ihre Kundschaft besteht nur aus wenigen Hunderten von Frauen, und die haben fast alle noch Reserven.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen