Lachen bis die Tränen kommen

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Chris Boettcher bringt sein Publikum zweieinhalb Stunden lang zum Lachen.
Chris Boettcher bringt sein Publikum zweieinhalb Stunden lang zum Lachen. (Foto: Christiane Link-Raule)
Christiane Link-Raule

Wer lachen und einen außerordentlich amüsanten Abend genießen wollte, der war in der Lindauer „Freiluftarena“ der Hochbucher Maibäumler am richtigen Platz. Als „Sommer Spezial“-Programm gelang es dem Verein, den witzigen und charmanten „Freischwimmer“ Chris Boettcher auf die Open-Air Bühne beim Achrain Stüble zu locken. Der machte gleich von Anfang an Volldampf mit einem Kracher-Medley über die verlorene Fußball-WM. Da grinsten selbst die Kühe auf der Wiese.

Mit Texten und Gesang, mit Gedichten und spontanen Bemerkungen brachte der Klavier spielende Kabarettist die gut 200 Gäste zweieinhalb Stunden zum Lachen. Er parodierte Politikerinnen und Politiker ebenso wie Musiker. Das Publikum erlebte „Live“-Auftritte von Peter Maffay, Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer – zum vom Stuhl fallen witzig. Er „merkelte“, dass es eine reine Freude war, die „Trump’schen“ Kommentare trieften vor Sarkasmus. Bei der Suche nach Donalds Hirn stellte sich nämlich leider heraus, dass es nie eines gegeben hatte.

Bekannte Lieder dichtete Boettcher so um, dass die politisierende Männerdomäne ihr Fett abbekam: „Sextrump“ (Sexbomb) mit seiner Frau als Trumpolin, Erdogan reitet (Dschingis-Khan) als Egomane, Orban freut sich über „einen Zaun, der meinen Namen trägt“, während Beckenbauer trillert: „Gute Freunde kann man kaufen“. Die FIFA Funktionäre skandieren dazu „Viva Korruptia“ und die „Dubaitaler“ besingen ihre Angst vor dem Alpenmuezzin.

Doch auch die Welt der Reichen und Schönen verschonte Boettcher nicht. Wenn auf dem Wiener Opernball sich eine Mischung aus „Boheme und Botox“ trifft, dann ist die Freude des Publikums hörbar. Überhaupt seine Wortschöpfungen! Herbert Grönemeyers fortgeschrittenes „Poesie-Tourette“-Syndrom ist genauso erheiternd wie Peter Maffay als Mix aus Alf und Yoda oder die „Silikonendlager“, die am Strand für endlose Verseuchung sorgen – eine kritische Analyse des Fernsehprogramms, Modelserien und Kochshows mitsamt Shopping-Monarchen inklusive.

Die scheinheilige Welt der bajuwarischen Dorfidylle zerpflückt er mit großer Begeisterung und Sprachwitz; die Stereotypen über Mann und Frau dergleichen. Dennoch: Am genialsten sind die Gesangsimitationen, wenn Udo ohne Hut auf Peter, den Rumänen unter einem Meter trifft, während Gröni im Sternendunkel der Himmelspforte nach dem trefflichen Sein sucht.

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