Lästern bringt nichts - Chef konstruktiv kritisieren

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Deutsche Presse-Agentur

Über den Chef zu lästern, bringt nichts. „Im Gegenteil, man schaukelt sich damit nur gegenseitig hoch“, warnt Martin Wehrle. „Die Vorstellung, dass man seinen Unmut dabei rauslässt, und dann ist er weg, stimmt nicht“, sagte der Coach aus Jork bei Hamburg.

„Die negativen Emotionen nehmen dadurch nur zu.“ Und an dem, woran sich der Ärger inhaltlich entzündet hat, ändert sich nichts. „Die negative Stimmung führt schließlich sogar dazu, dass es gar nicht mehr möglich wäre, mit dem Chef über das Problem zu sprechen.“ Und den Mitarbeitern, die sich das nicht trauen, bleibt dann nur weiterzulästern.

Lästern führe deshalb eher in eine Sackgasse als zu einer Lösung. Eine Illusion sei auch zu glauben, die Lästerer fühlten sich hinterher wenigstens besser. „Immer wenn man etwas ausspricht, wird es dadurch in unserem Bewusstsein noch größer“, sagte Wehrle. Der Chef, über dessen Unhöflichkeit und Unfähigkeit ständig gelästert wird, wird irgendwann tatsächlich ausschließlich nur noch so wahrgenommen. „Das ist schlecht für das Betriebsklima“, erläuterte Wehrle. „Und ein schlechtes Klima führt auch zu schlechten Resultaten.“

Wichtig sei deswegen, den Blick vom Problem auf das Ziel zu lenken. „Das ist wie beim Fußball: Man muss auf das Tor gucken, nicht auf die Mauer der Gegenspieler davor.“ Ein Ziel könne zum Beispiel sein, einen Chef zu haben, der sich nicht unhöflich benimmt - oder immer wieder kurz vor Feierabend noch einen Berg Arbeit bei seinen Mitarbeitern ablädt. Um das Ziel zu erreichen, führt an einem Gespräch mit dem Chef in der Regel kein Weg vorbei: „Es nützt nichts, immer nur über jemanden zu sprechen statt mit ihm.“

Den Vorgesetzen mit Vorwürfen zu konfrontieren, bringt dann allerdings aller Erfahrung nach wenig. „Es kommt darauf an klarzumachen, welche Vorteile der Chef davon hat, wenn er sich anders verhält.“ So könne man beispielsweise argumentieren, die Arbeit nicht so gut erledigen zu können, wenn man sie erst nach dem eigentlichen Feierabend erledigen kann. Oder man weist darauf hin, dass man dann gar nicht mehr alle Ansprechpartner erreichen könne, die für bestimmte Aufgaben gebraucht werden. Vorgesetzte sind durch Argumente nach Wehrles Erfahrung durchaus zu überzeugen. „Viele Chefs begehen Führungsfehler ja nicht, weil sie böse Menschen sind.“

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