Kurz und klug: Harald Martenstein

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Deutsche Presse-Agentur

Harald Martenstein klagt oft über das harte Los, sich als Kolumnist kurzfassen zu müssen. Aber wenn es einer schafft, mit seinen Pointen treffsicher auf denkbar kleinem Raum zu landen, dann er.

„Der Titel ist die halbe Miete“ ist der jüngste Beweis dafür. Das neue Buch des Autors versammelt knapp 60 seiner kurzen, klugen, unterhaltsamen Betrachtungen über Themen, die viele seiner Leser sonst womöglich ignoriert hätten. Das kann das schwierige Verhältnis von Vätern zu ihren pubertierenden Söhnen sein oder die Praxis von „Poptitan“ Dieter Bohlen, seinen Partnerinnen regelmäßig einen neuen Namen aufzunötigen.

Martenstein ist bei der Themenwahl schmerzfrei: Er widmet sich auch der mittelalterlichen Theologie und deren Vorstellungen über die Vorhölle, dem Zustand der Sozialdemokratie oder den hohen Preisen für einen Toilettenbesuch im Spreewald. Nichts ist vor ihm sicher, alles kann Anlass für Martensteins kolumnistische Machenschaften werden und sei es, dass der Autor in der Sauna eine fremde Badehose mitgehen lässt. Und noch etwas zeichnet diese Texte aus: Der Leser weiß am Anfang nie, wo Martenstein ihn hinführt.

Es kann mit den Geranien auf dem Fensterbrett des Autors losgehen und bei der Frage enden, warum die Uefa selbst bei strittigen Schiedsrichterentscheidungen den Videobeweis immer noch ablehnt. Langweilig wird das nie. Oft sind die Einfälle kurios, zum Beispiel, wenn Martenstein googelt, ob Oliver Kahn oder Jens Lehmann, Verona Feldbusch oder Alice Schwarzer, Gott oder Batman mehr Treffer im Internet ergeben. Der Autor hat für seine Glossen 2008 den Henri Nannen Preis in der Kategorie „Herausragende humorvolle Berichterstattung“ bekommen. Das wundert einen nicht. Verdient hat er ihn allemal. Sein neues Buch belegt das einmal mehr.

Harald Martenstein

Der Titel ist die halbe Miete

C. Bertelsmann Verlag, München

175 S., Euro 16,00

ISBN 978-3-570-01017-4

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