Kritik an Papst Benedikt reißt nicht ab

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Deutsche Presse-Agentur

Für den Grazer Kirchenhistoriker Maximilian Liebmann waren die Rücknahme der Exkommunizierung von vier traditionalistischen Bischöfen und die Ernennung des erzkonservativen österreichischen Priesters Gerhard Maria Wagner zum Weihbischof von Linz „kein Versehen“ sondern Teil einer „wohlüberlegten Strategie“. „Dies war kein Unfall aufgrund mangelnder Kommunikation“, sagte Liebmann der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Montag. Der vor wenigen Tagen vom Papst teilweise rehabilitierte Bischof Bernard Tissier de Mallerais kündigte inzwischen an, die Traditionalisten wollten ihre Positionen nicht ändern, „sondern Rom bekehren“.

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen nannte die Aufhebung der Kirchenstrafe gegen den britischen Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson im „Hamburger Abendblatt“ (Montag) „eine schlechte Entscheidung“. Der Brite hatte in einem TV-Interview gesagt, es seien nicht sechs Millionen Juden von den Nazis getötet worden, sondern zwischen 200 000 und 300 000. Er leugnete zudem die Existenz von Gaskammern in den Vernichtungslagern.

Dass diese Äußerungen mit dem Vorgehen des Vatikans zusammenfielen, sei „furchtbar“, meinte Thissen. Das Verhältnis zu den Juden und zur Ökumene habe durch die Entscheidung des Papstes „faktisch Schaden erlitten“. „Dass in Hinblick auf Williamson nachgearbeitet werden muss, halte ich für sicher“, forderte der Erzbischof. Auch der künftige Bischof von Münster, Felix Genn, sagte in Essen, den Umgang mit Williamson sollten die Verantwortlichen in Rom noch einmal überdenken. Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner nahm den Papst in Schutz gegen den Protest nach Aufhebung der Exkommunikation des Holocaust-Leugners.

Für den Zentralrat der Juden in Deutschland ist die Teilnahme an der „Woche der Brüderlichkeit“ in Hamburg fraglich geworden. „Ich kann nicht ausschließen, dass unsere Gremien die Veranstaltungen der "Woche der Brüderlichkeit" infrage stellen“, sagte Zentralrats- Generalsekretär Stefan J. Kramer der Zeitung „Die Welt“ (Dienstag). Zwar sei der Zentralrat gegenwärtig zur Fortsetzung des Dialogs mit den Freunden in der katholischen Kirche entschlossen. Allerdings müssten die Entscheidungen von Präsidium und Direktorium abgewartet werden, sagte Kramer.

Der Leiter der konservativen Piusbruderschaft, Bernard Fellay, wies den Vorwurf des Antisemitismus zurück. In einem vorab veröffentlichten Interview der französischen Zeitschrift „Famille Chrétienne“ sagte er: „Wir weisen jede Billigung dessen zurück, was unter Hitler geschah.“ In einem Brief an den Papst hatte Fellay um Verzeihung für die Leugnung des Holocaust durch Williamson gebeten: „Die Äußerungen von Herrn Williamson spiegeln in keiner Weise die Überzeugungen unserer Priesterbruderschaft wider.“

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Prof. Hans Joachim Meyer, sieht als eigentliches Problem die zutiefst reaktionäre Einstellung der Traditionalisten. „Da frage ich mich, wie man mit diesen Leuten zu einer Einheit der Kirche kommt“, sagte Meyer der Erfurter „Thüringer Allgemeinen“ (Dienstag). Der Theologe Hans Küng sagte im Deutschlandradio Kultur, der Papst sei schon vor einiger Zeit auf einen reaktionären Kurs eingeschwenkt. Dieser ermögliche nur noch ultrakonservativen Leuten Zugang zum Bischofsamt. Küng kritisierte, dass sich Benedikt XVI. nicht klar zum Zweiten Vatikanischen Konzil bekannt habe.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) bedauerte die Entscheidungen des Papstes: „Die Rehabilitierung eines Holocaust- Leugners und die Bischofs-Ernennung eines Priesters (Red. zum Weihbischof von Linz), der den Tod von Menschen als Strafe Gottes bezeichnet, sind für die meisten Jugendlichen unverständlich“, sagte BDKJ-Bundesvorsitzender Dirk Tänzler in Düsseldorf. Das „Forum Deutscher Katholiken“ meinte dagegen, der eigentliche Grund für die "Entrüstung" liege darin, dass der Papst an der ganzen Lehre der Kirche festhalte.

Inzwischen machte der Traditionalistenbischof Bernard Tissier de Mallerais deutlich, dass er und seine Anhänger sich nicht mit der Wiederaufnahme in die Kirche Roms zufriedengeben wollen. „Wir werden unsere Positionen nicht ändern, sondern Rom bekehren“, sagte er der Turiner Tageszeitung „La Stampa“ am Sonntag. Die Bischöfe wollten „den Vatikan in ihre Richtung führen“.

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