Kriterien für Glück: Ökonom forscht in Bhutan

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Deutsche Presse-Agentur

Von Schornsteinfegern, Hufeisen und vierblättrigen Kleeblättern hält Tobias Pfaff nichts. Die Suche nach dem Glück geht der Doktorand an der Universität Münster wissenschaftlicher an.

Sechs Monate lang hat der 27-Jährige in Bhutan Kriterien für Glück erforscht und zusammen mit seinen Kollegen 951 Einwohner des Himalaya-Hochlandes dazu befragt. Mit den Ergebnissen werde das Bruttoglücksprodukt das Landes gemessen. Diese Herangehensweise könne auch Deutschland Anstöße geben, sagt Pfaff.

Das Resultat soll demnächst vorliegen. Doch der Forscher betont: „Es geht nicht darum eine Zahl zu haben, weil das natürlich nur eine sehr oberflächliche Information wäre.“ Wichtiger sei, herauszufinden, wie man die Lebensbedingungen von Menschen verbessern könne.

Die Regierung des buddhistisch geprägten Königreichs Bhutan arbeite darauf hin, eine Umgebung zu schaffen, in der Menschen innere Ruhe finden, so Pfaff. Es sei zu einseitig, die Lebenszufriedenheit mit dem Bruttoinlandsprodukt zu messen, sagt der Wirtschaftswissenschaftler, der am Institut für Ökonomische Bildung forscht. „Ich würde befürworten, dass man sich ähnlich wie in Bhutan Gedanken über eine Ergänzung zum Bruttoinlandsprodukt macht.“

Während die Regierung den Menschen im Himalaya-Gebirge das Streben nach innerem Glück ermöglichen möchte, werde die Zufriedenheit der Deutschen häufig durch äußere Faktoren wie einem schicken Auto oder einem großen Haus bestimmt. „Es ist hier vielfach so, dass Glück dadurch definiert wird, bei Günther Jauch zu sitzen und die Million zu gewinnen“, sagte der Wissenschaftler. Das bedeute jedoch nicht, dass sich nicht auch in Bhutan viele Menschen nach Geld und äußerem Glück sehnen. „Ich finde es wichtig, dass man sich nicht nur mit Menschen vergleicht, die mehr haben als man selbst, sondern auch mit solchen, die weniger haben“, sagte Pfaff. Gerade in der Relation werde oft deutlich, dass die eigene Situation gar nicht so negativ sei.

Der erste Schritt zum Glück sei häufig, darüber nachzudenken, was einen wirklich glücklich macht. Der Bauernweisheit „Jeder ist seines Glückes Schmied“ steht der 27-Jährige dennoch zwiegespalten gegenüber. „Zu einem gewissen Grad bin ich schon der Ansicht, dass man sein Leben bewusst so gestalten kann, dass es einem gut geht, aber man kann nicht alles beeinflussen.“ Dinge wie Krankheiten oder etwa die aktuelle globale Wirtschaftskrise könne der Einzelne nicht verhindern.

Jedoch biete auch die Krise eine Chance, sagt Pfaff. Häufig werde Menschen durch Rückschläge erst wieder klar, was Glück eigentlich bedeute. Zunächst einmal führe die Wirtschaftskrise aber dazu, dass Arbeitsplätze verloren gingen. „Arbeitslosigkeit führt zu geringerem Glück, weil der Beruf für viele sehr zur Lebenszufriedenheit beträgt.“

Neben dem Beruf würden etwa Faktoren wie Gesundheit, Bildung oder soziale Bindungen zum Glück eines Menschen beitragen. Nur die Wirtschaft voranzutreiben, reicht nach Ansicht des Forschers daher nicht. Darüber, was Glück für ihn selbst bedeutet, denkt Tobias Pfaff schon lange nach. „Es könnte sein, dass ich noch bis an mein Lebensende überlegen werde, was Glück wirklich bedeutet.“

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