Krisen-Wiesn: FC Bayern verschenkt 3:1-Vorsprung

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Deutsche Presse-Agentur

Jürgen Klinsmann spürte ein inneres „Brodeln“, aus den Fans brach es dagegen lautstark heraus. In das Pfeifkonzert nach dem Schlusspfiff mischten sich auch „Klinsmann raus“-Rufe aufgebrachter Anhänger.

Zu tief saß der Frust nach dem 3:3 (2:1) gegen den VfL Bochum, dem dritten nicht gewonnenen Liga-Spiel des deutschen Fußball-Meisters Bayern München nacheinander. „Dass eine gewisse Verärgerung da ist, wenn man so ein Spiel nach dem 3:1 nicht nach Hause bringt, ist absolut verständlich“, sagte der 44-jährige Klinsmann, den die Rufe nicht kalt ließen: „Das schmerzt natürlich.“

Schlechter stand der FC Bayern nach sieben Spieltag zuletzt vor 31 Jahren da - damals wurde Bayern am Saisonende nur Zwölfter. „In jedem von uns, ob das jetzt Trainer ist oder Spieler, da brodelt es. Der FC Bayern gehört ganz woanders in der Bundesliga-Tabelle hin“, befand Klinsmann nach knapp 100 Tagen Amtszeit. Auch dem einsilbigen Manager Uli Hoeneß und dem kurz angebundenen Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge war ein inneres Brodeln deutlich anzumerken. Obwohl das Team nur in der unteren Tabellenhälfte platziert ist, glaubt der Vorstand aber weiter fest an das Glück in der bislang doch recht schwerfälligen Beziehung Klinsmann/FC Bayern. „Wir haben totale Geduld, wir haben totales Vertrauen zu Jürgen. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen“, sagte Rummenigge nach dem neuerlich enttäuschenden Ergebnis, das DFB-Sportdirektor Matthias Sammer schlichtweg als „Katastrophe für Bayern“ bezeichnete.

Klinsmann siegt nicht, Toni trifft nicht, die Defensive hält nicht. 21 Gegentreffer kassierten die Münchner in der gesamten Vorsaison, nun sind es schon nach sieben Spieltagen 13. „Dass man so viele Gegentore bekommt, darf nicht passieren“, sagte Nationalspieler Bastian Schweinsteiger, der froh war, dem Münchner Trubel in die Länderspielpause entkommen zu können. Wenngleich zunächst nach dem Stimmungstöter Bochum mehr eine Krisen-Wiesn als ein launiger Oktoberfestbesuch am Sonntag auf dem Terminkalender stand. „Es ist nicht angenehmen mit so einem Ergebnis auf das Oktoberfest zu gehen“, sagte Klinsmann, der den von ihm zum Kapitän ernannten Mark van Bommel erneut auf die Bank verbannt hatte.

Der einzige Lichtblick im Münchner Spiel war der bereits 34-jährige Zé Roberto. Der Brasilianer schraubte nach Treffern von Daniel van Buyten (15.) und Sinan Kaloglu (29.) das Ergebnis mit seinem Doppelpack (45./68.) auf das scheinbar sichere 3:1 hoch. Dann nahm Klinsmann überraschend seinen besten Mann vom Platz und Bochum kam durch Christoph Dabrowski (84.) sowie Dennis Grote (85.) noch zum Punktgewinn. „Wir haben einige Fehler gemacht, ich selbst habe das 4:1 verpasst“, kritisierte Luca Toni nach mehreren ausgelassenen Chancen. Im Gegensatz zum Vorjahr, als alles fast wie von selbst lief, ist der Italiener zur Zeit vom Abschluss-Pech verfolgt.

Weitaus frustrierender als für den Torjäger ist die Situation für den demontierten van Bommel. „Es ist ein bisschen ungewöhnlich, wenn der Kapitän auf der Bank sitzt. Aber so ist die Entscheidung vom Trainer und die müssen alle akzeptieren“, sagte Schweinsteiger über die brisante Personalie.

Die Bochumer verließen München nicht nur als moralischer Sieger und mit einem wohl verdienten Remis, sondern auch mit viel Selbstvertrauen. „Wenn man in München einen Punkt holt, ist das sehr gut. Zwar beginnt jedes Spiel von neuem, aber die Euphorie und den Willen werden wir mitnehmen“, sagte Gäste-Trainer Marcel Koller. „Bayern hat alles hochklassige und erstklassige Spieler. Aber wenn Du als kleiner Verein Deine Hausaufgaben gut machst, dann ist ein Punkt drin oder auch mal ein Sieg.“

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