Kreisobmann warnt: „Irgendwann ist Schluss“

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Landrat Wolf-Rüdiger Michel (Zweiter von links) und Landwirtschaftsamtsleiter Hans Klaiber (rechts) zeichnen Jörg Schittenhelm (
Landrat Wolf-Rüdiger Michel (Zweiter von links) und Landwirtschaftsamtsleiter Hans Klaiber (rechts) zeichnen Jörg Schittenhelm (von links), Manfred Haas und Samuel Sauter aus. (Foto: . sbo)
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Die Lage sei besser als die Stimmung, meinte Kreisobmann Manfred Haas bei der gemeinsamen Hauptversammlung der beiden eng kooperierenden Kreisbauernverbände Rottweil und Tuttlingen.

Gut besucht war die Versammlung in der Dietinger Graf-Gerold-Halle. Neben den Berichten des Rottweiler Kreisobmanns und der Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Rottweil, Lisa Guth, hörten die Besucher einen kurzweiligen Vortrag des Buchautors Andreas Möller.

Haas kam trotz vieler Kritikpunkte am Schluss zum Ergebnis: „Insgesamt ist die Lage aber zur Zeit besser als die Stimmung.“ Dennoch: Jeden Tag werde eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Fast täglich hätten sich die Bauern mit Vorschriften und Forderungen aus Politik und Gesellschaft auseinandersetzen müssen, beklagte er. Dazu zählte er das Volksbegehren „Pro Biene“, die Importe von Fleisch aus Südamerika über das Mercosur-Abkommen, der Flächenverbrauch, überbordende Bürokratie, Kontrollverfahren sowie das „im Umweltministerium zugeschnürte Agrarpaket“. Haas warnte: „Wir Bauern sind von Haus aus leidensfähig, aber irgendwann ist Schluss.“

Gedanken und Sorgen der jüngeren Generation kamen in einem „Gespräch zwischen einer Bäuerin und ihren beiden Enkeln“ – dargestellt als Sketch von Mitgliedern der Landjugend – zum Ausdruck. „Wenn ich Landwirt lerne, will ich auch Landwirt sein – und kein Bürokrat“, lautete die Kritik. Am Ende überwog bei den Jugendlichen aber dennoch die Zuversicht. Zugleich appellierten die beiden Jungbauern an die Versammlung: „Wir müssen uns über Landkreise und Verbände hinweg zusammensetzen und uns gemeinsam positionieren.“

Dieser Forderung schloss sich Guth – sie ist seit einem Jahr im Amt – an: „Wir können nur was erreichen, wenn wir zusammenhalten. Eine Spaltung schwächt uns.“ Auch Haas hatte in diese Richtung argumentiert und Konrad Adenauer zitiert: „Die Politik muss sich vor nichts mehr fürchten, als vor den Bauern, wenn sie zusammenstehen.“ Ihn fasziniere, so der Kreisobmann, „dass vor allem unsere jungen Bauern wieder aktiv werden.“ Den Teilnehmern der Demonstrationen, die allesamt friedlich verlaufen seien, zollte er großen Respekt.

Ein Grußwort sprach Andreas Haberer, Landwirt vom Mühlbachhof aus Wittershausen, von der Bewegung „Land schafft Verbindung“. Aus der Tätigkeit der Landfrauen im Kreis berichtete die Vorsitzende Ute Haag.

Auch Landrat Wolf-Rüdiger Michel überbrachte Grüße und forderte eine nach außen sichtbare Wertschätzung für die Landwirtschaft. Sein Appell an die Versammlung: „Wir müssen bewusst machen, was hinter der Arbeit der Landwirte steckt.“

Zusammen mit Landwirtschaftsamtsleiter Hans Klaiber ehrte Michel die Landwirte Jörg Schittenhelm (Dietingen) und Samuel Sauter (Epfendorf). Beide hatten im vergangen Jahr ihre landwirtschaftlichen Betriebe im Rahmen der Aktion „Gläserne Produktion“ für die Öffentlichkeit geöffnet. Eine Auszeichnung durfte zudem Kreisobmann Haas für seine 25-jährige ehrenamtliche Tätigkeit beim Sammeln und Erfassen von landwirtschaftlichen Daten in Empfang nehmen. „Das ist ein kleiner bescheidener Beitrag für das, was wir an den Landwirten haben und was sie für uns tun“, betonte Michel beim Überreichen der Urkunden.

Der Dietinger Bürgermeister Frank Scholz sowie die beiden Landtagsabgeordneten Stefan Teufel (CDU) und Daniel Karrais (FDP) sprachen ebenfalls zu den versammelten Landwirten. Teufel nahm dabei kurz Stellung zum Eckpunktepapier der Bundesregierung zum Artenschutz. Er regte ein gemeinsames Auftreten im ländlichen Raum der Region an.

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