Korrosionsgefahr - Auch moderne Autos können rosten

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Deutsche Presse-Agentur

Rost war lange Zeit das Schreckgespenst der Autobesitzer. Weil der Korrosionsschutz in früheren Jahrzehnten noch nicht sonderlich ausgereift war, rottete manchem Fahrer der Wagen regelrecht unterm Gesäß weg.

Jeder Prüftermin geriet zur Zitterpartie, wenn der Sachverständige plötzlich anfing, mit dem Hammer am Auto herumzuklopfen. Zwar haben die Hersteller den Korrosionsschutz inzwischen erheblich verbessert. Doch auch moderne Autos fallen mitunter noch mit unerwartetem Rostbefall auf.

Es gebe heute deutlich weniger Autos mit Rostproblematik als noch vor 10 bis 20 Jahren, sagt Hermann Schenk von der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) in Stuttgart. Grund sei die verbesserte Rostprävention der Hersteller. Neben verzinkten Karosserieblechen kommen hier nach Angaben des Stahl-Informations-Zentrums in Düsseldorf auch spezielle Oberflächenveredelungskonzepte zum Einsatz, die etwa bei stark beanspruchten Bauteilen besonderen Rostschutz gewähren sollen. Bei neuen Fahrzeugmodellen betrage der durchschnittliche Anteil verzinkter Stahlbleche mehr als 70 Prozent.

Dennoch tauche Rost immer mal wieder auf, sagt GTÜ-Experte Schenk. Es gebe regelmäßig Fälle, in denen die Sachverständigen feststellten, dass die Hersteller zum Schutz vor Korrosion nicht alles unternommen haben, was sie hätten tun können. Diese Einschätzung teilen auch die Experten beim ADAC. „Rost ist leider immer mal wieder ein Thema“, sagt Arnulf Thiemel vom ADAC-Technikzentrum im bayerischen Landsberg. Grund seien häufig Schlampereien der Hersteller sowie Pannen bei der Konstruktion und der Fahrzeugfertigung. Thiemel will auch nicht ausschließen, dass es mancher Hersteller aufgrund falsch verstandener Sparzwänge mit der Rostschutzvorsorge nicht immer so ernst nimmt.

Zwar hat der ADAC keine konkreten Zahlen zu aktuellen Rostsündern. Allerdings hat der Club laut Thiemel aufgrund der Meldungen von Mitgliedern Schadenshäufungen registriert. „Es waren Fahrzeuge dabei, von denen man es eigentlich nicht erwarten würde.“ Demnach fiel der Ford Mondeo vor einigen Jahren mit Rostbildung an den Türkanten auf. Beim Mazda 6 war es Rost an den Radläufen. Auch die Mercedes E-Klasse geriet wegen unerwarteter Korrosion in die Schlagzeilen, wie vor kurzem auch die A- und B-Klasse des Herstellers. Hier war laut Thiemel aufgrund eines Verarbeitungsfehlers an bestimmten Stellen der Karosserie kein Korrosionsschutz aufgebracht worden.

Mit steigendem Alter sei Rost auch heute noch eine wahrnehmbare Größe in der Mängelstatistik, sagt Hermann Schenk von der GTÜ. So wurden bei 3,6 Prozent der von der GTÜ untersuchten Autos im Alter von drei bis fünf Jahren Mängel am Fahrgestell, Rahmen oder Aufbau festgestellt - darunter waren 2,5 Prozent Korrosionsmängel. In der Altersklasse fünf bis sieben Jahre waren 4,1 Prozent mit Mängeln unterwegs - darunter 3,1 Prozent mit Rostmängeln. In der Klasse sieben bis neun Jahre waren es 5,2 und davon 4,2 Prozent mit Rostmängeln, in der Klasse über neun Jahre entsprechend sogar 13,6 und 11,6 Prozent.

Allerdings werde Korrosion bei den Hauptuntersuchungen (HU) heute nicht mehr so leicht entdeckt wie früher, sagt Schenk. Die meisten Durchrostungen geschehen von innen nach außen. Irgendwo am Auto - zum Beispiel an den Achsträgern - sammele sich Wasser, das nicht abfließen kann, und der Rostfraß nehme seinen Lauf. Viele Fahrzeuge seien zudem rundum mit Kunststoffteilen verkleidet. Roststellen an der Karosserie fielen den Prüfern daher nicht sofort auf. Um auf Nummer sicher zu gehen, müssten die Kunststoffverkleidungen entfernt werden. „Die HU ist aber eine montagefreie Prüfung“, sagt Schenk.

Auch auf die „Klangprobe“ mit dem Hammer werde heute weitgehend verzichtet. „Wir würden Kunden verlieren, wenn wir mit dem Hammer irgendwo am Auto herumdreschen. Das sieht kein Autofahrer gerne.“ Nicht zuletzt seien junge Prüfingenieure heute „nicht mehr so darauf gedrillt, Rost im Auge zu haben“, sagt Schenk. „Die achten auf andere Dinge.“ Das alles bewirke, dass Rost schwieriger zu entdecken sei.

Neben Versäumnissen der Hersteller bei der Rostvorsorge setzen Arnulf Thiemel zufolge aber auch unsachgemäßer Umgang der Halter mit ihrem Fahrzeug oder Wartungs- und Reparaturfehler den Rostfraß in Gang. Wer etwa beim Aussteigen die Fahrertür irgendwo anstößt und den abgeplatzten Lack nicht ausbessert, müsse sich nicht wundern, wenn sich an der Stelle mit der Zeit eine Rostblüte entwickelt.

Auch bei einem rostgeschützten Fahrzeug sei daher ein pfleglicher Umgang zur Korrosionsvorsorge ratsam. Thiemel empfiehlt eine regelmäßige Wagenwäsche - insbesondere in den Wintermonaten, um rostfördernde Streusalzreste zu entfernen. Lackschäden sowie kleine Roststellen seien immer umgehend auszubessern. „Wer nichts macht, nimmt Rost in Kauf. Da hilft auch eine Vollverzinkung nichts.“

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