Kommentar zum Ellwanger Bürgermeister: „Ist es klug, sich bereits zu erklären?“

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Franz Graser
Franz Graser (Foto: Ina Zabel)

In der Pferdestadt Ellwangen weiß man: Beim Rennen gewinnt nicht immer jenes Pferd, das als Erstes aus dem Gatter kommt. Deshalb kann es durchaus riskant sein, bereits so kurz nach dem Kalten Markt in den OB-Wahlkampf einzusteigen. Michael Dambacher wäre ohne Zweifel ein seriöser und qualifizierter Kandidat, sofern er sich entschließt, anzutreten. Wenn ihn neben den Freien Bürgern auch die CDU mitträgt, dann verfügt er über eine formidable Ausgangsbasis.

Ist es aber klug, sich bereits jetzt zu erklären? Vor 16 Jahren wurde ebenfalls im Mai gewählt. Damals hatte sich die CDU erst Anfang April auf ihren Kandidaten festgelegt. Wer den Namen des Bühlertanner Rathauschefs schon jetzt ins Spiel bringt, verfolgt damit wohl vor allem ein Ziel: Die CDU unter Zugzwang zu setzen, damit sich auch die Christdemokraten hinter dem Favoriten der Freien Bürger versammeln. Ob sich die CDU-Granden damit abfinden werden? Und was ist aus der Idee von CDU-Fraktionschef Rolf Merz aus dem Sommer geworden, eine Frau für das Rennen um den OB-Sessel zu nominieren?

Nicht zuletzt steht der potenzielle Kandidat unter Druck. Sollte sich Michael Dambacher erst in ein paar Tagen offiziell erklären, dann könnte ihm schnell das Etikett eines Zauderers anhaften. Oder das eines Taktierers, der sich erst der Unterstützung der größten Fraktionen im Gemeinderat versichern will, bevor er seinen Hut in den viel zitierten Ring wirft. Diesen Ballast müsste er dann durch das ganze Frühjahr mitschleppen. Und im katholischen Ellwangen weiß man auch: Wer als Papst ins Konklave geht, kommt oft als Kardinal wieder heraus.

f.graser@ipf-und-jagst-zeitung.de

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