Kollegen halten zu THW-Manager Schwenker

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Deutsche Presse-Agentur

Die Manager-Familie hält auch in der schwersten Handball-Krise fest zusammen. Einen Tag nach dem entlastenden Bericht der Europäischen Handball-Föderation (EHF) hat Manager Uwe Schwenker vom THW Kiel auch von seinen Bundesliga-Kollegen Rückendeckung bekommen.

In einer Umfrage des Magazins „Sport-Bild“ sprachen sich 14 Erstliga-Manager für Schwenkers Verbleib bis zur Aufklärung der Vorwürfe beim deutschen Meister aus. Derweil schilderte der frühere Flensburger Trainer Erik Veje Rasmussen einen Bestechungsversuch und bemängelte die Aufklärungsarbeit der Verbände. „Bis jetzt habe ich nicht feststellen können, dass man viel unternommen hat, um es zu unterbinden“, sagte Rasmussen dem Radiosender NDR INFO.

Der Däne gab in der Zeitung Kopenhagener „Politiken“ an, er sei vor einem Spiel auf europäischer Ebene über einen Mittelsmann gefragt worden, ob sein Club die Schiedsrichter für einen Sieg „kaufen“ wolle. Er habe dies abgelehnt. Sie hätten keinen Fall daraus gemacht, da sie keinen Beweis gehabt hätten, aber „das war klipp und klar ein Versuch, Geld daraus zu ziehen“, sagte Rasmussen dem NDR. Der 49- Jährige erklärte nicht, ob der Vorfall sich in seiner fünfjährigen Flensburger Zeit oder bei seinem jetzigen Club Århus GF ereignet hat.

Rasmussen ist sicher, dass man als Referee ohne weiteres ein Spiel manipulieren kann. „Man pfeift zehn Minuten lang für die eine Mannschaft“ und in der Schlussphase, wenn das Team am Ziel sei, könne man „drei, vier rauswerfen, damit das statistisch ordentlich aussieht nachher.“ Die derzeitige Affäre sei zwar schädlich für den Handball. Andererseits freue er sich, „dass jetzt Riesenwirbel kommt“, weil es ein Zustand sei, den man seit vielen vielen Jahren gekannt habe.

Der Flensburger Fynn Holpert votierte in der Manager-Umfrage als einziger für einen Schwenker-Rücktritt. Es sei wichtig, Ermittlungen nicht zu behindern. „Man sollte mit einem vorläufigen Rücktritt von seinem Amt klar dokumentieren, dass man Schaden abwenden und nichts vertuschen will. Wenn am Ende herauskommt, dass an den Vorwürfen nichts dran ist, wird man ja eh voll rehabilitiert“, sagte Holpert der „Hamburger Morgenpost“. Zugleich fordert er im Falle einer tatsächlichen Bestechung durch Kiel „die Aberkennung des Titels“. Die sportlichen Leiter der HSG Nordhorn, Bernd Rigterink, und des VfL Gummersbach, François-Houlet, machten keine Angaben.

Rekordmeister Kiel steht unter Verdacht, Schiedsrichter bestochen und so mehrere Champions-League-Spiele gekauft zu haben, darunter auch das gewonnene Finale 2007 gegen Flensburg. Laut eines EHF- Berichts sind in diesem Spiel keine Auffälligkeiten zu registrieren gewesen. Die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen rund um den THW Kiel können aber noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick der dpa. Er ermittelt gegen Kiels Manager Uwe Schwenker wegen des Verdachts der Untreue und gegen den früheren THW-Coach Zvonimir Serdarusic wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue. Beide bestreiten die Vorwürfe. Zudem gibt es eine Affäre um die Magdeburger Referees Frank Lemme und Bernd Ullrich, die einen Bestechungsversuch bei einem Europacup-Spiel verschwiegen haben.

Unterdessen befürchten mehrere Handball-Stars einen Imageschaden für ihren Sport. „Für uns Spieler ist es ein Drama zu sehen, wie wir jetzt im Morast versinken. Alles, was in den letzten Jahren aufgebaut wurde im deutschen Handball, liegt danieder“, sagte Christian Schwarzer, Weltmeister von 2007, dem Magazin „Stern“.

Erhard Wunderlich, Weltmeister von 1978, drängt auf eine schnelle Aufklärung. „Wir bewegen uns seit Wochen in einer Sphäre des Ungefähren. Gerüchte, Verdächtigungen, Mutmaßungen - das ist Gift für den Handball. Wir brauchen schnell belastbare Fakten, sonst bleibt am deutschen Handball etwas hängen, was er gar nicht verbrochen hat“, erklärte Wunderlich. „Wir müssen retten, was noch zu retten ist.“

Andreas Rudolph, Präsident des HSV Hamburg, fordert Reformen. „Die gesamte Organisation und Struktur des Umfeldes des Handballs ist nicht mit den Erfolgen und dem größeren Zuschauer-Zuspruch gewachsen. Da muss eine ganze Menge passieren. Es ist leider fast immer so, dass die Strukturen dem Erfolg hinterherhinken. Wir müssen noch viel tun, ganz besonders in der Schiedsrichter-Ansetzung“, sagte er der Internet-Redaktion des Magazins „Stern“.

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