„Kofferbomber von Köln“ zu lebenslanger Haft verurteilt

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Deutschland habe einem islamistischen Anschlag nie näher gestanden, hieß es im Urteil. Es sei ein „Blutbad von ungeheuren Ausmaßen“ geplant gewesen. Großes Vorbild des Angeklagten sei der Terrorist Osama bin Laden gewesen.

El Hajdib hatte zugegeben, am 31. Juli 2006 mit seinem Komplizen Jihad Hamad zwei Kofferbomben im Kölner Hauptbahnhof in zwei Zügen deponiert zu haben. Die Regionalzüge fuhren nach Hamm und Koblenz. Die Zünder lösten um 14.30 Uhr aus, die Bomben detonierten aber nicht, weil in den Gasflaschen kein explosionsfähiges Gemisch war.

„Dass es nicht zu einem verheerenden Blutbad mit einer Vielzahl von Toten gekommen ist, ist allein dem Umstand zu verdanken, dass der Angeklagte und sein Mittäter einem Irrtum beim Bau der Sprengsätze unterlegen sind“, sagte der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling. Er teile die Einschätzung der Bundesanwaltschaft, dass Deutschland „einem islamistischen Anschlag nie näher gestanden habe“. In Motivation und Zielrichtung sei der geplante Anschlag eine „zutiefst terroristische Tat“, sagte der Richter. „Es war ihr ausdrückliches Ziel, eine möglichst große Anzahl von Ungläubigen zu töten.“

Auslöser sei die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in dänischen und deutschen Medien im Frühjahr 2006 gewesen. „Der Angeklagte sah in diesen einen nicht zu verzeihenden Angriff auf den Propheten Mohammed, den Islam und damit die gesamte islamische Welt, den er auf keinen Fall tatenlos hinzunehmen bereit war.“ Zu der Zeit hatte El Hajdib in Kiel gelebt, weil er auf Wunsch der Eltern ein Ingenieurstudium aufnehmen sollte. El Hajdib sei die treibende Kraft hinter den Plänen gewesen, habe Jihad Hamad überredet. Wären die Sprengsätze detoniert, hätte es laut Urteil einen 15 Meter großen Feuerball gegeben, Splitter wären durch die Abteile geflogen.

Der angeklagte Libanese hatte im Prozess behauptet, er habe die Sprengsätze bewusst sabotiert. Das Auffinden von Blindgängern habe Unruhe verbreiten und ein Zeichen setzen sollen, so der 24-Jährige. Das Gericht ging dagegen von „Schutzbehauptungen“ des Angeklagten aus. Er habe sich immer wieder in Widersprüche verwickelt. Die Bundesanwaltschaft hatte lebenslange Haft beantragt, die Verteidigung Freispruch. Das Gericht hat in dem Verfahren 60 Verhandlungstage absolviert und 76 Zeugen gehört. Der Komplize Jihad Hamad war bereits vor einem Jahr im Libanon zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Die Verteidiger wollen gegen das Urteil Revision einlegen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen