Knigge für Sauna und Fitness-Studio

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Deutsche Presse-Agentur

Bäder, Saunen und Fitness-Studios haben im Winter Hochkonjunktur - und vor allem die Wellness-Bereiche werden immer beliebter. Nicht jeder weiß sich dort allerdings zu benehmen.

Bisweilen kann es dann für die anderen Gäste mit der wohligen Entspannung jäh zu Ende sein: Beim einen liegt das an der Frau Mitte 30, die sich unter der Dusche die Beine rasiert. Oder der ältere Herr gegenüber legt sich in der Sauna kein Handtuch unter. Moralvorstellungen und Kinderstube sind dabei das eine - andere Dinge sind schon gesundheitlich bedenklich.

Piercings sollten vor dem Gang in die Sauna abgenommen werden - schon aus eigenem Interesse, denn das Metall heizt sich auf. Und das Handtuch gehört in der Sauna „unter den ganzen Körper“, rät der Deutsche Sauna-Bund in Bielefeld. Vor dem Gang ins Tauchbecken soll der Schweiß abgespült werden. Und das Fußpilz-Jucken zwischen den Zehen wird besser nicht in großer Runde unter Fremden diskutiert.

„Die Sauna ist ein Ort wie ein Bus oder ein Fahrstuhl: Man ist in einer engen, ausgelieferten Situation. Die anderen können nicht weg - und nicht weghören“, sagt Susanne Helbach-Grosser, Etikette- und Kommunikationstrainerin aus Schwäbisch Gmünd. Daher sei Small-Talk angesagt: „Sex, Geld, Körperflüssigkeiten und Politik sollten tabu sein.“

Gepflegte Fußnägel, das Benutzen von Schlappen und Handtüchern und eine gedämpfte Unterhaltung kommen besser an als das Gegenteil. Der Sauna-Bund rät zum Beispiel auch vom „Schweiß-Schaben“ im Dampf ab - auch das Rasieren, Nägel schneiden oder Haarefärben ist laut der Muster-Hausordnung des Sauna-Bundes untersagt. In Ruheräumen sollten sich Gäste „rücksichtsvoll und ruhig“ verhalten - und sie haben alles zu unterlassen, „was den guten Sitten zuwider läuft“. So seien „sexuelle Handlungen und Darstellungen“ verboten.

Pärchen - so frisch verliebt sie auch sein mögen - sollten also in der Sauna oder im Schwimmbad tunlichst an sich halten. Wer dennoch eins beim Knutschen erwischt, reagiert am besten mit Humor, rät die Expertin: „Beschwerden bringen eh nichts, da lachen die sich kaputt.“ Eine Bemerkung wie „Wenn es vielleicht noch ein Viertelstündchen warten könnte“, in humorvollem Tonfall vorgetragen, könne dagegen wirken. Denn sie zeigt zum einen, dass der Beobachter sehr wohl Anstoß nimmt und sich das Herumgeknutsche an diesem Ort nicht gefallen lassen mag - zum anderen aber auch, dass er nicht der nörgelnde Spießer ist, als den das Paar ihn sonst womöglich ansieht.

Die Muster-Hausordnung, die der Bundesfachverband Öffentliche Bäder in Essen seinen Mitgliedsbetrieben zur Verfügung stellt, geht auch auf „Tonwiedergabegeräte“ sowie „Behälter aus Glas und Porzellan“ ein. Die Benutzung ist verboten - das Weizen im Whirlpool und der Crossover-Rock aus dem MP3-fähigen Handy gehören sich also nicht.

Hausordnungen von Fitness- und Wellnesseinrichtungen sind keine Strafkataloge. Aber wer sich nicht an sie hält, muss mit Konsequenzen rechnen. Meist hängt am Eingang ein Exemplar der Verhaltensregeln aus - und der Gast unterschreibt sie stillschweigend, wenn er an der Kasse seine Eintrittskarte löst. Die Regeln des Hausherren kommen im Zweifelsfall vor Gericht zum Tragen.

„Für Mitglieder von Sauna oder Fitness-Studio ist die Hausordnung Vertragsbestandteil - und nach dem vom Betreiber gewünschten Verhalten muss ich mich richten“, erläutert der Rechtsanwalt Svend-Gunnar Kirmes aus Leipzig. Wenn sich der Betreiber und Gäste „nachhaltig“ gestört fühlen, können auch Hausverbote ausgesprochen werden. Kommt es zum Streit, müssen die Richter abwägen: „Ist es den anderen Gästen, der öffentlichen Moral zuzumuten oder nicht?“, sagt das Vorstandsmitglied im Deutschen Anwaltverein in Berlin.

In einer Sauna, in der vor allem Ältere verkehren, gelten laut Kirmes wohl andere Gesetze als im Discount-Studio, wo vor allem unter 30-Jährige zu finden sind. Was in welcher Situation als anstößig bewertet würde, lasse sich daher pauschal nicht sagen: „Das kommt auf die Einrichtung, den Vorfall und die Beteiligten an.“

Zehn „Goldene Regeln für richtiges Saunabaden“: www.saunabund-ev.de

Der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV) in Hamburg rät zu Probetraining und zwei Wochen Probezeit, bevor sich Sportler vertraglich - häufig für zwei Jahre - an ein Fitness-Studio binden. So lasse sich die Wahrscheinlichkeit von Reibereien vermeiden. Eine der Leitfragen sollte sein: „Ist das da so, wie ich mir das vorstelle? Gefallen mir Trainer und Mitarbeiter - und die anderen, die da hingehen?“, zählt Präsidentin Birgit Schwarze auf. Denn 20-Jährige sähen eben manches anders als zum Beispiel 50-Jährige.

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