Knaben- und Männerstimmen harmonieren

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Die St.-Martins-Chorknaben beeindrucken unter der Leitung von Johannes Striegel mit ihren Stimmen
Die St.-Martins-Chorknaben beeindrucken unter der Leitung von Johannes Striegel mit ihren Stimmen (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Biberach - Die St.-Martins-Chorknaben hörte man unter Johannes Striegel bei ihrem Jahreskonzert in der Stadtpfarrkirche St. Martin. Sie begannen mit dem hochbarocken Antonio Lotti und dessen „Regina coeli“, der Himmelskönigin, einem flotten Allegretto im Strahlton.

Stadtpfarrer Stefan Ruf hielt eine kurze Begrüßungsansprache, sprach über die wunderbaren Texte der Liturgie, die von den Chorknaben gesungen werden.

Von der zeitgenössischen Komponistin Emily Crocker folgte ein flottes marschartiges Allegro „Sing A Joyful Song“, und genauso freudevoll klang es auch.

Vom großen Altmeister Johann Sebastian Bach dann aus einer seiner Kantaten der Choral „Jesus bleibet meine Freude“ mit einer dreiertaktigen Melodie, die, aufgefangen von Achteltriolen des Klaviers, vollendet den festlichen Überschwang barocker Religiösität ausdrückt.

Vom frühbarocken Melchior Vulpius dann die Kantate „Erstanden ist der heilig Christ“ nach Psalm 145, in der von Christus als Tröster gesprochen wird. Ein Teil des Chors sang aus dem hinteren Kirchenteil, gleichsam als Resonanz der größeren Gruppe vor dem Altar.

Auch Wolfgang Amadeus Mozart hat ein „Ave Maria“ geschrieben, das aber bei Weitem nicht die Popularität des Schubert’schen oder desjenigen von Bach-Gounod erreicht hat. Johannes Striegel stellte den Chor an vier Stellen im Kirchenraum auf, interpretierte als Kanon, erzeugte einen sehr schönen Raumklang. Und noch mal Mozart mit dem Ohrwurm des „Laudate Dominum“: „Lobet den Herrn alle Nationen, lobt ihn, alle Völker“ aus den „Vesperae solennes de Confessore“, KV 339 von 1780 nach Psalm 117.

Johannes Striegel ist auch ein virtuoser Organist, spielte von César Franck dessen Choral III in a-Moll (CFF 107). Neben gregorianischen Assoziationen erschuf der Komponist impressionistische Klangstrukturen mit schönen melodischen Einfällen und satztechnischer Eleganz, mit der ganzen Breite orgelspezifischer Klangarchitektur mit mächtiger Klangfülle.

Josquin Desprez war im späten 15. Jahrhundert ein franko-flämischer Komponist und Sänger, der alle kompositorischen Techniken der Frührenaissance meisterhaft beherrschte. Eine kleine Chorbesetzung sang mit fein gegeneinander gesetzter Stimmführung „O Jesu fili David miserere mei“, „O Jesus, Sohn Davids, erbarme Dich mir.“

Die „Quatre petite prières de Saint Francois d’Assise“ (Vier kleine Gebete des Franz von Assisi) „Salut, Dame sainte“, „Tout puissant“, „Seigneur, je vous en prie“, „O mes très chers frères“ sind ein geistliches Chorwerk von Francis Poulenc für Männerchor von 1948.

Der Komponist verschmilzt hier archaische Elemente des mittelalterlichen Klostergesangs, Anklänge an den gregorianischen Choral mit progressiver Harmonik. Die Melodien weisen große Vielfalt an Stilen und Formen auf.

Noch einmal Francis Poulenc mit „Salve Regina“, gefolgt von der Motette „Ubi caritas et amor, Deus ibi est“ (Wo Güte ist und Liebe, da ist Gott) von Maurice Duruflé, anschließend dessen „Notre Père“, das Vaterunser. Duruflé schrieb vor allem geistliche Vokal- und Orgelmusik, beeinflusst von der Spätromantik, dem Impressionismus, auch vom Gregorianischen Choral.

Zum Schluss drei englischsprachige moderne Stücke. Zuerst den Spiritual „I’m Going Sing“, sehr rhythmisch in mitreißendem Viervierteltakt.

Der bedeutende Londoner Komponist John Rutter schrieb 2011 im Auftrag vom Dekan der Westminster Abbey die Hymne „This is the day“ für die Hochzeit von Prinz William und Catherine Middleton auf Text der Psalmen 118 und 121: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat.“ Von David Orr schließlich „Before The Ending of The Day“

Ein großartiges Konzert mit einem exzellent studierten Chor, der alle dynamischen Abstufungen klangschön beherrschte, mit einem intensiven Dirigenten Johannes Striegel, dem der Rhythmus aus den Fingerspitzen strömte und mit dem Pianisten Frank Bossler.

Das traditionelle Konzert endete stilvoll mit einem irischen Segenslied.

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