Klinsmanns „Bauchgefühl“ bewahrt Bayern vor Häme

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Deutsche Presse-Agentur

Als Jürgen Klinsmann den Glauben an Luca Toni verloren hatte, zahlten sich sein Bauchgefühl und sein Vertrauen in den bis dahin ebenfalls glücklosen Miroslav Klose aus und bewahrten den des FC Bayern vor einer großen Stürmer-Diskussion und Häme im ganzen Land.

„Wir haben hunderttausend Torchancen gehabt und keine reingemacht. Da kann es schon passieren, dass man Unentschieden spielt und die Konkurrenz lacht sich halb kaputt, wenn sie uns schon so eine Steilvorlage gibt. Das wäre fatal gewesen. Deshalb waren die zwei Tore von Miro extrem wichtig“, kommentierte Manager Uli Hoeneß nach dem Heimsieg, mit dem die Münchner in der Tabelle auf Rang zwei vorrückten - einen Punkt hinter Spitzenreiter 1899 Hoffenheim.

Die Dauer-Jagd auf Platz eins zehrt mehr und mehr an den Nerven der Bayern. „Wir wollen so schnell wie möglich an Hoffenheim vorbei“, verkündete Klinsmann - möglichst schon am kommenden Spieltag. „Am Samstag in Berlin ist wieder ein 'big point' zu machen, weil wir da gegen einen direkten Konkurrenten spielen. Das sind die Spiele, die man gewinnen muss, um oben wegzukommen“, erklärte Uli Hoeneß.

Bis Minute 87 war der unermüdlich rackernde und ballernde Klose ein „Chancentod“ - dann avancierte er mit seinem späten Doppelschlag (87./90.) doch noch zum umjubelten Hauptdarsteller eines packenden Sonntag-Krimis gegen den BVB, der durch Nelson Valdez (2.) früh in Führung gegangen war. Zé Roberto glich zum 1:1 aus (24.). „Das zeichnet mich aus, dass ich immer an meine Chance glaube“, sagte Klose, der die beachtliche Anzahl von zehn Torschüssen auf das von Roman Weidenfeller gut gehütete BVB-Gehäuse abgegeben hatte.

Klose hatte „die Seuche“ am Fuß, bis er sich selbst erlöste und sein unermüdlich anrennendes Team belohnte. „Es gibt manchmal so Spiele, so Tage, so Wochen, so Jahre, wo kein Ball reingeht“, philosophierte Klose über das Schicksal von Torjägern.

Ohne das Happy-End des Nationalstürmers wären die Wellen im aufgeregten München hoch geschlagen. Auch Klinsmann hatte hoch gepokert und mit dem Wechsel Donovan für Toni (72.) ein Zeichen gesetzt, das neu war und verblüffte. „Es war Gott sei Dank nicht die 18 auf der Wechsel-Tafel“, gestand Klose, dessen ausgestreckte Hand der vergrätzte Toni beim Verlassen des Rasens ausschlug. „Ich nehme Tonis Verärgerung absolut locker“, kommentierte Klinsmann. „Ich lese die Spieler. Miro war laufstark, hat totales Engagement gezeigt“, begründete Klinsmann sein „Bauchgefühl“ pro Klose. Dieses Mal habe es halt Toni getroffen, bemerkte Klinsmann: „Diskussionen über Luca sind nicht gewollt. Er ist gesetzt“, sagte der Coach.

Dass Klose traf, als Toni draußen hockte, hatte gleich eine Debatte entzündet, ob das Sturmduo sich ideal ergänzt. „Luca Toni ist der typische italienische Torjäger, der nur sich, den Ball und das Tor sieht. Darunter leidet Klose. Als Toni ausgewechselt war, hatte Klose mehr Platz“, meinte Franz Beckenbauer bei „Premiere“. Klinsmann widersprach dem Vereinspräsidenten: „Die zwei können absolut miteinander. Beide sind hungrig auf Tore. Ein gewisser Egoismus bei Stürmern ist ganz normal.“

Beckenbauer erntete auch vehementen Widerspruch von BVB-Coach Jürgen Klopp, den nicht nur die dritte Saison-Niederlage „ärgerlich“ stimmte. Ein Tritt von Kevin-Prince Boateng auf das Bein von Klose („Das war Absicht“) hatte Beckenbauer als „Schweinerei“ tituliert, was Klopp mächtig erzürnte: „Ich finde es eine Frechheit, Kevin Absicht zu unterstellen. Dass Franz eine Sperre fordert, finde ich unglaublich.“ Eine nachträgliche Bestrafung muss Boateng wohl nicht fürchten, denn Schiedsrichter Michael Kempter (Sauldorf) hatte die Szene gesehen und eine Tatsachenentscheidung getroffen: „Ich konnte keine Absicht erkennen. Sonst hätte ich ihm Rot gegeben.“

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