Kleidung, Möbel, Elektronik: Handel lockt mit Rabatten

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Deutsche Presse-Agentur

„Sale“, „Schnäppchenjäger aufgepasst“ - überall in den Schaufenstern der Innenstädte hängen die Prozentzeichen. Die Läden nutzen wie jedes Jahr Ende Januar die mittlerweile freiwillige Aktion, um ihre Lager zu räumen.

Viele Händler hoffen angesichts der sich verschärfenden Wirtschaftskrise auf noch einmal gute Geschäfte. Gleich nach Weihnachten hatten sie bereits vielfach kräftig den Rotstift angesetzt. Startschuss für den vom Branchenverband HDE koordinierten bundesweiten WSV ist der kommende Montag. Mehr als zwei Drittel der rund 400 000 Unternehmen wollen sich daran beteiligen. Preisfüchse können sich auf Rabatte bis zu 70 Prozent freuen.

„Die meisten Häuser haben zwar schon nach Weihnachten begonnen zu reduzieren, aber viele legen jetzt noch mal eine Schüppe drauf“, heißt es beim Textileinzelhandelsverband. Für den HDE ist der zweiwöchige WSV das „große, konzertierte Finale der Rabattsaison“. Die Lager der Händler sind trotz des Wintereinbruchs in den vergangenen Wochen noch voll. „Die extreme Kälte hat zwar geholfen, aber sie kam zu spät, um alle Waren zu verkaufen“, sagt HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr.

Der Januar gilt schon seit jeher als der „Schnäppchenmonat“. Die ersten Tage im neuen Jahr hießen vor Jahrzehnten schon „weiße Wochen“ - nicht wegen der Witterung, sondern weil Haushaltswaren wie Geschirr und Tischtücher damals billig zu bekommen waren. Bei der Schnäppchenjagd ist aber Vorsicht geboten: „Man sollte immer genau auf die Auszeichnung achten“, empfiehlt Gabriele Francke von der Berliner Verbraucherzentrale. Denn wenn die Waren kleine Fehler haben oder zweite Wahl sind, wird es schwierig, sie zu reklamieren. Francke rät: „Gut überlegen, und nur kaufen, was man wirklich braucht.“ Ein Preis- und Qualitätsvergleich lohne sich immer.

Zwar wird der WSV von den meisten als Winterausverkauf des Modehandels wahrgenommen, mit massiven Rabatten locken aber ebenfalls Möbelhäuser, Parfümerien, Elektronikketten und sogar der Buchhandel. So bietet beispielsweise Hugendubel „coole Winterpreise“ mit Angeboten ab fünf Euro. Schnäppchen gibt es zudem im Internet. „Die Online-Händler müssen ebenso ihre Lager räumen“, sagt Maurice Shahd vom Hightechverband Bitkom. Vielfach werde dort der Rotstift quasi parallel zum stationären Einzelhandel angesetzt.

Nach einem noch glimpflich verlaufenen Weihnachtsgeschäft bekommen nun die Einzelhändler mit ihren gut 2,7 Millionen Beschäftigten die Rezession langsam zu spüren. „Ab dem zweiten Halbjahr wird voraussichtlich auch der Handel stärker von der Wirtschaftskrise erfasst“, sagt Branchensprecher Pellengahr. Denn spätestens dann spüren die Verbraucher die Wirtschaftsflaute im eigenen Geldbeutel - und die Händler in der Kasse. Schon jetzt seien die Kunden deutlich preisbewusster geworden und griffen immer öfter zu günstigen Produkten. Davon profitieren vor allem die Discounter. Auch in den anderen Geschäften gilt: Rabattaktionen dürfte es angesichts der Rezession noch nach dem WSV geben.

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