Klassiker auf der Fensterbank: Usambara-Veilchen

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Deutsche Presse-Agentur

Es war im Jahr 1892. Der Kaiserliche Bezirkshauptmann von Tanga im heutigen Tansania, Walter von Saint-Paul-Illaire, lustwandelte mit seiner Braut durch seine Plantagen am Fuße der Usambara-Berge.

Plötzlich erblickte er eine Gruppe kleiner, blauer Blümchen, die er noch nie vorher gesehen hatte: Usambara-Veilchen. Natürlich pflückte er seiner Braut ein Sträußchen. Aber er tat noch mehr. Sein Vater, Ulrich von Saint-Paul-Illaire, war ein Pflanzennarr. Ihm sandte er ein paar Samen nach Deutschland.

Noch im gleichen Jahr sprossen die Sämlinge im schlesischen Fischbach und zeigten erste Knospen. Natürlich wollte Ulrich von Saint-Paul wissen, was denn da nun eigentlich gekeimt war. Deshalb schickte er ein paar der Pflänzchen zwecks Bestimmung an die Herrenhäuser Gärten in Hannover. Das Ergebnis: Walter von Saint-Paul-Illaire hatte eine bislang unbekannte Pflanzenart entdeckt.

Saintpaulia wurden die zarten Pflanzen nach ihrem Entdecker benannt und ionanatha, also veilchenartig, nach ihrer an ein Veilchen erinnernden Blüte. Die deutsche Züchterfirma Benary nahm sich der Pflanze an, begann zu vermehren und zu züchten und schon fünf Jahre später gab es nicht nur den veilchenblauen Wildling, sondern dunkelviolette, rötliche und weißliche Exemplare.

Aber die Usambara-Veilchen gaben sich heikel. Transport nahmen sie übel und ließen die Blüten rieseln. Zwar spross die nächste Blütengeneration bald nach, aber sie fühlten sich nicht wohl in den Wohnungen. Es war ihnen zu kalt in den knapp geheizten Zimmern.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, mit der zunehmenden Verbreitung von Zentralheizungen, veränderten sich die Raumbedingungen. Die Zeit für die Afrikanerin brach an. Den kräftigsten Schwung bekam die Saintpaulien-Begeisterung durch eine neue Kulturform.

Usambara-Veilchen werden meist durch Blattstecklinge vermehrt. Bis in die 60er Jahre hinein wurde das kleine Büschelchen Pflanzen, das am Grunde des Stecklings sprießt, komplett in einen Topf gepflanzt. Die auf Usambaras spezialisierte Firma Holtkamp aus Isselburg in Nordrhein-Westfalen begann, die Pflänzchen zu vereinzeln.

Die vielen Farben und Formen traten nun ganz anders in Erscheinung. Das schöne Blau in seinen vielen Nuancen erfreute sich der größten Beliebtheit. Aber daneben gab es auch rosa Sorten, weiße, fliederfarbene, purpurne, violette oder pinkfarbene. Dazu kamen die zweifarbigen Sorten mit weißem oder farbigem Rändchen, mit weißer oder farbiger Mitte sowie gestreifte, gesprenkelte, halb gefüllte und ganz gefüllte Sorten.

Neue Begeisterung lösten Mitte der 70er Jahre die nur wenige Zentimeter hohen Mini-Usambaraveilchen aus. Danach wurde es ein wenig ruhiger um die kleinen Blütenpflanzen. Der Reiz des Neuen war vorüber. Die Modepflanze wandelte sich zum Standard, der seinen festen Platz auf der Fensterbank behauptet.

Inzwischen steht wieder mal Neues bevor. Die Züchtung arbeitet an gelben und kräftig roten Sorten, und sie hat die Blätter entdeckt, die gezackt und gerüscht, rötlich oder gelblich, weiß marmoriert, weiß gerandet oder weiß geadert sein können. Ein Ende der Formenvielfalt ist noch lange nicht in Sicht.

- Ein heller, nicht sonniger Standort bekommt den Usambara-Veilchen gut. Sonne verbrennt das Laub. Bei zu dunklem Stand entstehen nur Blätter

- Gegossen wird eher verhalten. Kurzfristige Trockenheit überstehen sie dank fleischiger Blättchen besser als Nässe

- Nur von unten und mit weichem, zimmerwarmem Wasser gießen. Überschüssige Nässe im Untersatz nach einer Stunde entfernen

- Die Blätter sollten nie benetzt werden, sie werden sonst fleckig und neigen zu Fäulnis

- Welke Blätter und Blütenstängel behutsam abzupfen oder abdrehen

- Dünger eher sparsam geben

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