Kinder gehen auf Wallfahrt über den See

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Nicht nur die romantische Fahrt über den Bodensee, mit Gebeten und Gesängen, sondern vor allem der Glaube an ein friedliches Europa, hat über 3000 Gläubige an Maria-Himmelfahrt zur gemeinsamen Pilgerreise gelockt. Es waren Wallfahrer aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Russland, England, Italien...und mitten unter ihnen sieben bezaubernde Kinder.

Von unserer Mitarbeiterin   Susi Donner

Wer schon öfter bei der traditionellen Fatima-Schiffsprozession dabei war, ist sicherlich schon einmal Familie Rack aus Wangen begegnet. Seit sie denken können, sind Benedikt (14), Bernadette (12), Franziska (10), Katharina (8), Johanna (5), Julius und Magnus (beide 2) auf dem Monstranz-Schiff dabei, wenn es am Maria-Himmelfahrt hinaus auf den See geht, um gemeinsam zur Gottesmutter zu beten. „Es macht uns viel Spaß“, erklärt Bernadette. „Es sind so viele Menschen dabei und alle singen und beten zusammen. Das ist schön.“ Beten – das sind die Kinder auch von zu Hause her gewohnt. „Morgens betet jeder für sich alleine. Mittags vor dem Essen und am Abend beten wir alle zusammen ein Gsetzle Rosenkranz“, erzählt Franziska. „Und am Sonntag gehen Papa und Mama mit uns in die Kirche. Das ist sehr schön“, meint Katharina. Die Eltern seien es auch, die den Kindern von Gott, von Jesus und Maria erzählen und ihnen die Geschichten der Heiligen erklären. Den Tag ihrer Namenspatrone feiern die Kinder ganz groß.

„Maria ist für uns sehr besonders“

Die Gottesmutter Maria sei ihnen sehr wichtig, verrät Bernadette. „Wir können Maria alles sagen, was uns bewegt und beschäftigt. Maria ist für uns sehr besonders.“ Besonders sind auch diese sieben Kinder. Sie sind Geschwister – wachsen in einer Großfamilie auf, wie sie heute keineswegs mehr üblich ist. Die Eltern, Doris und Hubert Rack, sind ebenfalls in sehr christlichen Familien groß geworden. „Wir haben den Glauben zu Hause immer sehr intensiv gelebt“, sagt Hedwig Sauter, die Oma der sieben Kinder. Sie erzählt auch, dass die sieben sehr liebe Kinder sind, die immer wissen, wie sie sich beschäftigen können und viele Interessen haben. Die großen Mädchen spielen beispielsweise Klavier, und Franziska ist seit kurzem eine Judoka. „Außerdem passen die Großen liebevoll auf die Zwillinge auf und übernehmen Aufgaben, wie Tisch decken und Spülmaschine ausräumen“, lobt sie. Die Kinder finden es toll, dass sie so viele sind. Auch wenn es sie stört, dass sie manchmal wie Außerirdische angeschaut werden, wenn die unausweichliche Frage an ihre Eltern gestellt wird: „Sind das alles Ihre?“ Ihr Papa Hubert sieht das ganz gelassen. Ihm ist es vor allem wichtig, seinen Kindern Werte und einen starken Glauben fürs Leben mitzugeben, denn er findet es falsch, zu denken, Kinder könnten später selbst entscheiden, woran sie glauben. „Wenn Kinder zu Hause nichts über den Glauben erfahren, wo dann? Wie und wofür sollen sie sich entscheiden, wenn sie den Glauben nicht kennen gelernt haben?“ fragt er.

Ehrengast ist immer an Bord

Bei der Fatima-Schiffsprozession ist die ganze Familie engagiert. Mama Doris Rack spielt in der Musikkapelle Goppertsweiler, die das Monstranz-Schiff begleitet, Hubert Rack fotografiert die Schiffsprozession und die Kinder erfreuen die Herzen der Pilger und Geistlichen allein durch ihre Anwesenheit. Der 14jährige Benedikt ist während der Prozession Ministrant von Thomas Maria Rimmel, dem Direktor der Gebetsstätte in Wigratzbad, der die Schiffsprozession seit vielen Jahren veranstaltet.

Während der Fahrt ins Planquadrat – dort, wo Deutschland, Österreich und die Schweiz mitten auf dem Bodensee zusammentreffen, beten und singen die Gläubigen auf den sechs Schiffen, die in Bregenz, Lindau und Rorschach gestartet sind. Der Ehrengast, Bischof Charles Caruana aus Gibraltar ist wegen Krankheit verhindert. Aber, wie eine Pilgerin bemerkt, „der eigentliche Ehrengast ist unsere Gottesmutter Maria – und die ist immer dabei.“ Statt seiner hält Diözesanbischof Elmar Fischer aus Feldkirch die Ansprache auf See und appelliert an ein im Glauben vereintes und starkes Europa.

Direktor Rimmel bedankt sich am Ende der Schiffsprozession bei allen, die zu ihrem Gelingen beigetragen haben: „Bei Benedikt (und damit meint er den Ministranten) bis hin zu den Kapitänen, die uns so sicher über den unruhigen See gefahren haben“, und gibt eine Vorausschau auf die Pilgerfahrt 2011, die mit besonderen Ehrengästen aufwarten werde und bei der erstmals ein Schiff ab Friedrichshafen starten soll.

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