Kia Soul: Kompakter mit Charakter

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Bislang hat Kia vor allem auf Autos gesetzt, die den Verstand der Kunden ansprechen. Doch jetzt zeigen die Koreaner erstmals auch Herz und Seele und bringen als neues Lifestyle-Modell den Soul ins Rennen.

Stolzer Einstiegspreis

Der Kleinwagen, der es gleichermaßen mit Trendsettern wie dem Mini oder dem Fiat 500 aufnehmen soll, kommt im Februar in den Handel und wird bereits in der Basisversion stolze 14 980 Euro kosten. Allerdings gibt es dafür eine üppige Grundausstattung, überdurchschnittlich starke Motoren und ein Design mit großem Neuigkeitswert.

Eine gelungene Kombi aus Kleinwagen, Van und SUV

Denn unter Federführung des neuen Designchefs Peter Schreyer haben die Koreaner mit allen gängigen Konventionen im Feld der Kleinwagen gebrochen. Der Soul ist deshalb weder ein rundgelutschter Charmebolzen noch ein windschnittiger Westentaschen-Flitzer. Gerade Linien und rechte Winkel stempeln den rollenden Würfel zum Charakterkopf mit Ecken und Kanten, der ein wenig in allen Segmenten wildert. Die Länge von 4,11 Metern macht ihn zu einem handlichen Stadtflitzer. Die Höhe von 1,61 Metern rückt ihn aber in die Nähe kompakter Großraumlimousinen. Die wuchtigen Stoßfänger, die robusten Schutzleisten, die stark betonten Radkästen und die etwas erhöhte Bodenfreiheit lassen ihn zudem als leichten Geländewagen durchgehen. Das ist eine ebenso gelungene wie seltene Kombination.

Innen gingen den Designern die Ideen oder das Geld aus

Aber so pfiffig die Karosserie auch gestaltet wurde, innen geht es überraschend konventionell zu. Zwar haben die Koreaner mit rot eingefärbten Ablagefächern ein paar witzige Akzente gesetzt und die Sitzpolster bunt mit dem Soul-Schriftzug bestickt. Außerdem gibt es gegen Aufpreis farbenfrohe Konsolen fürs Cockpit oder LED-Ringe um die Türlautsprecher, die im Takt der Musik pulsieren. Aber zumindest die Basisversion wirkt überraschend trist und trostlos. Schwarze, viel zu harte und viel zu glatte Kunststoffe erinnern an Zeiten, in denen sich Kia eben doch nur über den Preis definiert hat.

Viel Platz, aber wenig Variabilität

Während man diese Scharte mit ein paar Kreuzen auf dem Bestellzettel auswetzen kann, gibt es mehr Variabilität und Stauraum auch nicht für Geld und gute Worte. In der ersten Reihe und auf dem Rücksitz genießt man zwar neben der riesigen Kopf- auch genügend Kniefreiheit. Auch an den Schultern zwickt es nicht, die hohe Sitzposition erleichtert das Einstiegen und hilft bei der Übersicht. Doch der Kofferraum fasst selbst zusammen mit dem abgeteilten 100-Liter-Fach im Souterrain für einen so pfiffigen Würfel nur magere 340 Liter. Und statt einer verschiebbaren Rückbank wie selbst im zwei Nummern kleineren Fiat Panda gibt es nur normale Sitze zum Umklappen. Immerhin kann man so das Ladevolumen schon bis zur Fensterunterkante auf 818 Liter steigern. Lob verdient dagegen die Sicherheitsausstattung, die immer sechs Airbags und ESP umfasst.

Nur potente Motoren für die Spaßgesellschaft

Weil der Soul kein Auto für Sparer sein will, geben sich die Koreaner unter der Haube spendabel und montieren nur Vierzylinder, die für Kleinwagen eigentlich schon eine Nummer zu groß sind. So gibt es zum Einstiegspreis bereits einen 1,6-Liter-Benziner mit respektablen 93 kW/126 PS und 156 Nm. Die meisten Kunden allerdings erwartet Kia für den gleich großen Diesel, der auf 94 kW/128 PS und 260 Nm kommt. Weil er an die besseren Ausstattungsniveaus gekoppelt ist und ohnehin etwa 1800 Euro mehr kostet, gibt es ihn erst ab 19 225 Euro. Für einen Kleinwagen ist das ein stolzer Preis.

Der Diesel bleibt hinter den Erwartungen zurück

Erschwerend kommt hinzu, dass die Fahrleistungen in der Praxis lange nicht so dynamisch sind, wie es die Theorie erwarten lässt. Vor allem in Verbindung mit der für den Stadtverkehr so angenehmen Automatik bleibt viel von der Lebensfreude auf der Strecke: Man braucht bis Tempo 100 fast zwölf Sekunden - jeder 90 PS-Golf fährt einem auf der Autobahn davon. Wo deutlich kleinere Motoren noch einmal Kraftreserven mobilisieren, ist für den Soul bereits bei 176 km/h Schluss. Dafür allerdings ist der Wagen relativ sparsam: Als Schalter braucht der Diesel 5,2 und mit Automatik 5,9 Liter.

Handlich in der Stadt, gelassen über Land

Entworfen für die Großstadt, gibt sich der Soul in engen Häuserschluchten handlich und wendig. Und wo beim Rangieren der Schulterblick nicht reicht, erscheint gegen Aufpreis das Bild der Rückfahrkamera im Innenspiegel. Aber auch über Land rollt der Kia ruhig und gelassen, wenngleich die Motoren etwas leiser sein dürften.

Zwar bleiben ein paar Mängel im Detail, der Preis ist stattlich und die Motoren sind nicht so stark wie man es erwartet. Doch unterm Strich ist der Soul ein gelungenes Auto, das nicht nur das Image von Kia polieren, sondern auch ein wenig Leben in die Stadt bringen wird.

Kia Soul 1.6 CRDi Motor und Antrieb: Vierzylinder-Common-Rail-Diesel Hubraum: 1582 ccm Max. Leistung: 94 kW/128 PS bei 4000 U/min Max. Drehmoment: 260 Nm bei 1900-2750 U/min Antrieb: Frontantrieb Getriebe: 4-Stufen-Automatik

Maße und Gewichte: Länge: 4105 mm Breite: 1785 mm Höhe: 1610 mm Radstand: 2550 mm Leergewicht: 1360 kg Zuladung: 440 kg Kofferraumvolumen: 222-818 Liter

Fahrdaten: Höchstgeschwindigkeit: 176 km/h Beschleunigung 0-100 km/h: 11,9 s Durchschnittsverbrauch: 5,9 Liter/100 km Reichweite: 810 km CO2-Emission: 155 g/km Kraftstoff: Diesel Schadstoffklasse: EU4

Kosten: Basispreis der Modellreihe: 14 980 Euro Grundpreis des 1.6 CRDi Vision Autom.: 20 375 Euro Typklassen: k.A. Kfz-Steuer pro Jahr: 247 Euro/Jahr alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

Wichtige Serienausstattung: Sicherheit: ESP, Front-, Seiten- und Vorhang-Airbags Komfort: Klimaanlage, elektrische Fensterheber, CD-Radio mit USB- Anschluss

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