Kein Weihwasser und kein Abendmahl

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 Die Besucher der Riedlinger Kirche werden auf die Einschränkungen hingewiesen.
Die Besucher der Riedlinger Kirche werden auf die Einschränkungen hingewiesen. (Foto: Berthold Rueß)
Schwäbische Zeitung
beß

Riedlingen (beß/sz) - Die katholische Diözese Rottenburg-Stuttgart reagiert mit einer Reihe von Maßnahmen auf die Ausbreitung des Coronavirus. Dabei ändern sich die Vorgaben aus Rottenburg von Tag zu Tag. Die Vorgaben sind verbindlich für alle katholischen Kirchengemeinden im Dekanat Biberach. „Wir haben diese Woche laufend Aktualisierungen bekommen“, sagt Dekanatsreferent Philipp Friedel. „Es gibt kein Weihwasser, keine Mundkommunion, keinen Handschlag als Friedensgruß“, sagt Friedel. Zu diesen Maßnahmen kamen in jüngster Zeit noch neue hinzu: „Die Türen sollen während des Gottesdienstes offen bleiben, so dass nicht jeder, der rein- oder rausgeht, die Klinke in die Hand nehmen muss.“ Eine weitere Vorsichtsmaßnahme sei, dass der Klingelbeutel nicht mehr herum gereicht, sondern im Mittelgang aufgestellt werden soll.

Zudem hat die Diözese beschlossen, dass bis Ende April keine Firmungen stattfinden sollen. „Bei uns im Dekanat betrifft das die Firmungen in Bad Schussenried und in Schwendi“, sagt Friedel. Doch nicht nur bei Firmungen kommen viele Menschen zusammen. Ein weiterer kritischer Punkt sind die Erstkommunionen. „Die Diözese entscheidet darüber am Dienstag, 17. März, was mit den Erstkommuniongottesdiensten geschehen soll.“ Wie sieht es bei anderen kirchlichen Festen wie Taufe, Eheschließungen oder Beerdigungen aus? Beerdigungen unter freiem Himmel könnten noch jederzeit stattfinden, teilt die Diözese mit. Trauerfeiern und Requien in geschlossenen Räumen mit mehr als 50 Personen sollten jedoch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Hochzeitsgottesdienste mit weniger als 50 Personen könnten stattfinden. Für größere Hochzeiten würden die Vorgaben der örtlichen Behörden gelten. Tauffeiern im Familienkreis seien möglich, größere Tauffeiern sollten nach Möglichkeit verschoben werden. „Jetzt ist Fastenzeit. Das ist grundsätzlich eigentlich keine Zeit für Taufen“, meint Friedel. Keine generelle Anweisung gibt es von der Diözese für Gottesdienste. „Hier entscheidet der Pfarrer vor Ort“, sagt Friedel. „Aber es wird natürlich appelliert, verantwortungsvoll zu handeln.“

Gesundheit geht vor

„Die Gesundheit geht absolut vor“, sagt auch der Riedlinger Pfarrer Walter Stegmann, der dankbar für die Vorgaben ist: „Wir brauchen Klarheit.“ Die Kirchengemeinde habe bereits einige Veranstaltungen abgesagt. In der Kirche sind die Weihwasserschalen trocken gelegt. Auf den Handschlag zum Friedensgruß wird verzichtet: „Wir lächeln uns nur freundlich an.“ Kirchenkonzerte waren schon deshalb „auf Eis gelegt“, weil die Innensanierung der Kirche ansteht. Wie es mit den Gottesdiensten weitergeht, soll eine interne Besprechung ergeben. Hochzeiten stehen derzeit nicht an: „Das geht erst im Mai los.“ In Oberschwaben, weiß Stegmann, kommen zu einer Hochzeit schon mal 800 Besucher. Bereits am 19. April ist Weißer Sonntag, der Tag der Erstkommunion. In Riedlingen werden dafür 31 Kinder vorbereitet. Auch die Feier des Palmsonntags müsse im Kirchengemeinderat noch geklärt werden. Der Sonntagabendgottesdienst in der Riedlinger Sana-Klinik fällt bis auf weiteres aus, berichtet Pfarrer Uwe Grau: „Es kommen fast nur Besucher von auswärts.“ Damit steigt das Infektionsrisiko für die Patienten.

Abendmahl fällt aus

Auch die evangelische Kirchengemeinde prüft auf Empfehlung der Kirchenleitung, ob Veranstaltungen noch stattfinden können. Die Inklusionsreihe wurde jetzt erst einmal verschoben. Die Gottesdienste finden statt, aber unter Auflagen. Aus hygienischen Gründen werden keine Gesangbücher mehr verwendet. Im Gemeindehaus, wo im ersten Quartal üblicherweise die Gottesdienste stattfinden, können die Liedtexte mit dem Beamer an die Wand projiziert werden. Der nächste Abendmahlgottesdienst am 22. März findet vermutlich nicht statt – wegen des gemeinsamen Trinkens aus einem Kelch. Am Karfreitag und Gründonnerstag ist das Abendmahl aber ein wesentlicher Bestandteil. „Wir warten auf die Anweisungen vom evangelischen Kirchenrat“, sagt dazu Anne Mielitz. Es sei schon ein starker Einschnitt. Inwieweit sich das auf den Kirchenbesuch auswirkt, könne sie derzeit nicht sagen: „Das wird spannend am nächsten Sonntag.“

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