Kaum eine Frau will Bodenseeweinprinzessin werden

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"Das Amt hat wahnsinnig viel Freude gemacht", sagt Bodenseweinprinzessin Stephanie Megerle (links) – hier zusammen mit Martin St
"Das Amt hat wahnsinnig viel Freude gemacht", sagt Bodenseweinprinzessin Stephanie Megerle (links) – hier zusammen mit Martin Steinhauser, Vorsitzender des Vereines „Bodensee Wein e.V.“, Eva-Maria Dörflinger, Leiterin des Event-Bereichs im Dornier-Museum, und der Badischen Weinprinzessin Katharina Kammerer bei der Eröffnung der Bodensseweinmesse im Dornier-Museum. (Foto: big)
Brigitte Geiselhart

Leute, die sich engagieren und Verantwortung übernehmen wollen, sind immer gesucht – gerade auch junge Leute. Doch die Suche nach Nachwuchs gestaltet sich oft schwierig, wissen besonders Vereine. Auch für die diesjährige Wahl der Bodenseeweinprinzessin, die in wenigen Wochen ansteht, stehen die potenziellen Kandidatinnen nicht gerade Schlange.

„Eine Kandidatin ist sicher, eine zweite überlegt sich ihre Entscheidung derzeit noch“, vermeldet Fabian Dimmeler, Vorsitzender des Bereichs Bodensee im Badischen Weinbauverband. „Keine Angst vor der Bewerbung“, so sein Appell an interessierte junge Damen. „Der zeitliche Aufwand für die Prüfungsvorbereitung ist nicht größer als für eine Klassenarbeit.“ Eigentlich sei das jedoch keine neue Situation, in der Regel gäbe es immer ein bis drei Kandidatinnen, sagt Dimmeler.

Stephanie Megerle ist Bodenseeweinprinzessin

Welcher Wein passt zum Bodensee-Felchen? Was zeichnet einen Weißburgunder aus oder wieso bestechen die Bodenseeweine mit einer filigranen Fruchtigkeit? Auf all diese Fragen kennt eine junge Hagnauerin die Antworten. Stephanie Megerle ist die neue Weinprinzessin vom Bodensee.

Zu den Voraussetzungen für das Amt einer Bodenseeweinprinzessin gehört zuallererst das Interesse am Produkt. Auch ein lockeres, charmantes Auftreten und eine gewisse Selbstsicherheit sind von Vorteil. „Man sollte sich schon trauen, den Mund aufzumachen“, sagt Dimmeler. „Allerdings handelt es sich hierbei um keinen Model-Wettbewerb. Niemand braucht sich unnötig aufzubrezeln. Eine natürliche Erscheinung und Freude am Amt sind gefragt.“ Das nötige Fachwissen werde bereits im Vorfeld in Kooperation mit der amtierenden Prinzessin vermittelt. Über die unterschiedlichen Rebsorten, die klimatischen Bedingungen am Bodensee und die Struktur der Böden sollte die Weinprinzessin Bescheid wissen. Was ist eigentlich ein Weißherbst? Bei welchem Wein ist der Restzuckergehalt höher, bei welchem niedriger? Auch solche und ähnliche Fragen, die von Kundenseite oft gestellt werden, sollte sie natürlich beantworten können, sagt auch Tobias Keck. Er ist Geschäftsführer des Winzervereins Hagnau und zweiter Vorsitzender des Vereins Bodenseewein e.V., der die Wahl zur Bodenseeweinprinzessin in Kooperation mit dem Badischen Weinbauverband ausrichtet.

Die Wahl

Die Fachfragen werden von der amtierenden Badischen Weinkönigin Miriam Kaltenbach vor einem etwa 15-köpfigen Prüfungsgremium gestellt, zu dem Vertreter der Weinbranche, Bürgermeister und Medienvertreter gehören. Vorsitzender der Jury ist Fabian Dimmeler, der als Leiter der vorangegangenen Ausbildung aber nicht stimmberechtigt ist. Miriam Kaltenbach übernimmt auch die Krönung der neuen Bodenseeweinprinzessin, die am Montag, 3. September ab 18 Uhr im Neuen Schloss Meersburg über die Bühne geht.

Das Amt

Die Eröffnung von Weinfesten gehört zu den Hauptaufgaben der Bodenseeweinprinzessin, optional auch diverse Auftritte bei Messen. Ein Leasingauto wird während der einjährigen Amtszeit gestellt, auch Aufwandsentschädigungen werden bezahlt. Was aber viel wichtiger ist: „Dieses Amt ist sicherlich eine gute Karriereförderung. Der Mut, sich zu engagieren, sich hinzustellen und vor vielen Menschen zu reden, wird von Arbeitgebern belohnt“, weiß Fabian Dimmeler aus Erfahrung.

Die Erfahrung

Von prima Erfahrungen berichtet auch die aktuelle Bodenseeweinprinzessin Stephanie Megerle. „Es hat wahnsinnig viel Freude gemacht. Natürlich ist man anfangs ein wenig aufgeregt, wenn man vor vielen Leuten sprechen muss. Aber das wird von Mal zu Mal besser, man wird auch selbstsicherer. Ich würde es jedem empfehlen, der Interesse am Weinbau hat und gern mit Leuten ins Gespräch kommt“, sagt sie. Beruflich ist Megerle, die in einer Winzerfamilie groß geworden ist, bereits angekommen. Nach einem Tourismusstudium an der DHBW arbeitet sie jetzt bei der Winzergenossenschaft Hagnau.

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