Karneval in Trinidad: Schlammschlachten und Paraden

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Deutsche Presse-Agentur

Es ist heiß, es ist laut - es ist Karneval: Auf Trinidad und Tobago in der Karibik dauert die „Greatest Show on Earth“ etwa fünf Wochen lang. Noch bis Aschermittwoch(25. Februar) verbringen die Einwohner ihre Zeit mit dem Nähen von Kostümen.

Sie stimmen die aus Ölfässern gebauten Steelpans, proben mit ihren Bands und ziehen von einer Party zur anderen. Während auf der kleineren Insel Tobago die Einwohner den Karneval nicht ganz so wichtig nehmen, brummt auf Trinidad das Leben.

Der Samstag vor dem Rosenmontag steht jeweils im Zeichen des Steelpan-Wettbewerbs „Panorama“. Bis zu 100 Musiker stehen auf einer Bühne und spielen auf den Stahltrommeln, die wie bei einem Orchester nach Tonhöhen angeordnet sind. Zuvor haben sie wochenlang auf einem „Pan Yard“, einer Art Trainingsgelände in ihrem Stadtteil, geübt.

Beim „International Soca and Groovy Soca Monarch“ treten am Freitag vor Rosenmontag Soca-Künstler gegeneinander an. Soca ist die moderne Form der sozialkritischen Calypso-Musik, für die es in der Karnevalszeit ebenfalls einen Wettbewerb gibt. Außerdem laufen jede Menge Open-Air-Partys, bei denen die Sänger gerne knapp bekleidete Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne holen - zum „Wining“, einem Tanz, bei dem Männer und Frauen eng umschlungen und in eindeutigen Posen die Hüften kreisen lassen. Touristen sollten - wenn sie die Einheimischen nicht zum Schmunzeln bringen wollen - das „Wining“ lieber lassen und stattdessen bei Partys und Umzügen tanzen.

Anders als beim Karneval in Brasilien, wo man einer Samba-Schule angehören muss, kann sich in Trinidad jeder bei einer Band anmelden. Wenige Tage vor dem Umzug bekommen die Teilnehmer ihr Kostüm, das oft nur aus einem knappen Bikini und Federschmuck oder bei Männern aus einem Lendenschurz und einer Weste besteht. Bei den beliebtesten Bands muss man mit ein paar hundert Euro Teilnahmekosten rechnen - Getränke und Essen sind dann während der Parade im Preis inbegriffen.

Bei den Umzügen wird zum „Road March“, dem Karnevalshit der Saison, nach Belieben gestampft, getanzt und gesprungen. Einer der Höhepunkte ist der „J'ouvert“ am Rosenmontag. Der Begriff kommt vom Französischen „jour ouvert“ für Tagesanfang: Passend dazu setzt sich um 4.00 Uhr der Zug in Bewegung. Bei dieser Straßenparty schmieren sich die Menschen mit Farbe, Schlamm, Schokoladensoße oder Rohöl ein. „J'ouvert“ ist ein Karneval auch für die Ärmeren, die kein Geld haben, um sich Paillettenkostüme schneidern zu lassen. Zum „J'ouvert“ sollten Besucher allerdings Kleidung anziehen, die sie wegschmeißen können. Denn die Feiernden ziehen gerne Zuschauer in die Menge und beschmieren sie mit Schlamm und Farbe. „Es ist eine ziemliche Sauerei, aber es macht Spaß“, erzählt die irische Urlauberin Ilona.

Nach der Parade ziehen müde, mit Schlamm verkrustete Gestalten durch die Straßen. Die Hotels richten Außenduschen ein, denn so mit Schokolade bekleckert und mit Öl verschmiert darf kein Gast auf sein Zimmer gehen. Doch Erholungsphasen gibt es beim Karneval auf Trinidad ohnehin kaum. Schon wenige Stunden nach „J'ouvert“ setzt sich der Rosenmontagszug in Bewegung. Der Höhepunkt aber ist der Umzug am Dienstag: Tausende Kostümierte tanzen dann bei der „Pretty Mas“ - so genannt, weil die Kostüme so prachtvoll sind - durch die Straßen.

Daneben gibt es auf Trinidad noch einen ganz anderen Karneval, wie die „Nacht der Blauen Teufel“ in Paramin. Das Bergdorf liegt etwa 30 Autominuten von Port of Spain entfernt. Nach Sonnenuntergang kommen am Karnevalsmontag blaue „Teufel“ aus ihren Häusern. Männer und Jungen haben sich entsprechend angemalt. Sie ziehen ins Dorf, spucken Feuer und schlagen auf Trommeln aus Keksdosen. Wer keine Farbe der Teufel abbekommen möchte, zahlt einen Dollar, dann ziehen sie lärmend weiter. „Manche Menschen verwandeln sich wirklich in kleine Teufel“, erzählt der Fremdenführer Andrew. „Sie machen ganz verrückte Dinge und beißen zum Beispiel toten Hühnern den Kopf ab. Manche Leute haben deshalb wirklich Angst vor ihnen.“

Risikolos ist ein Aufenthalt beim Karneval auf Trinidad ohnehin nicht. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes ist die Zahl der Gewaltverbrechen in Trinidad und Tobago gestiegen. In Port of Spain rät das Ministerium vom Besuch der Stadtteile Laventille und Morvant ab, auch im Stadtteil Belmont sei Vorsicht geboten. Belanglos erscheinende Streits sollten nicht unterschätzt werden, da Waffen leicht zu bekommen sind. Zu besonderer Vorsicht wird alleinreisenden Frauen geraten.

Am Aschermittwoch ist - wie in Europa - alles vorbei. Dann fliegen die müden Soca-Sänger, Calypso-Musiker und Bikinimädchen aus den Paraden auf die nur 20 Flugminuten entferne Nachbarinsel Tobago. Dort erholen sie sich an den Karibikstränden. Die Karnevals-Pause währt aber nicht lange: Schon im Sommer beginnen die Vorbereitungen für die nächste „Greatest Show on Earth“. Dann überlegen sich die Trinidader wieder, bei welcher Band sie mitlaufen, welches Kostüm sie tragen wollen und auf welche Partys sie im Karneval gehen werden.

Trinidad & Tobago Tourismus I: www.tdc.co.tt

Trinidad & Tobago Tourismus II: www.gotrinidadandtobago.com

Auswärtiges Amt: www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/TrinidadUndTobago/Sicherheitshinweise.html

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