Kampfhunde sind nicht automatisch aggressiv

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Deutsche Presse-Agentur

Das schlechte Image eilt ihnen voraus. Pitbull und Co. sind vor allem aggressive Kampfmaschinen auf vier Beinen, die nur darauf warten, sich unkontrolliert im nächstbesten Menschen festzubeißen.

So lautet in den meisten Fällen zumindest das pauschale Urteil über die sogenannten Kampfhunde. Doch diesen Ruf haben sie zu Unrecht. „Die Hunde sind auf keinen Fall generell gefährlich, sondern verhalten sich bei der richtigen Erziehung gegenüber dem Menschen freundlich“, erklärt die Referentin und Hunde-Expertin Katrin Umlauf vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. „Sie haben auf keinen Fall ein höheres Aggressionspotenzial als andere Rassen.“

Die Bezeichnung „Kampfhund“ geht auf historische Begebenheiten zurück. „Vor allem im angelsächsischen Raum wurden die Hunde einst in die Pit, also die Kampfbahn, geschickt, um dort etwa gegen Artgenossen oder Ratten zu kämpfen“, sagt Udo Kopernik, Sprecher des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH) in Dortmund.

Stattdessen wurde die Bezeichnung „Kampfhunde“ in den vergangenen Jahren vor allem von den Medien und der Politik geprägt. „In die künstlich geschaffene Gruppe wurden von der Politik und von den Medien alle Rassen reingestopft, von denen bekannt ist, dass sie einst entweder in Kämpfen missbraucht oder eben wie die großen molosserartigen Hunde in der Antike in Schlachten eingesetzt wurden“, erklärt die Fachtierärztin für Verhaltenskunde und Tierschutz, Barbara Schöning aus Hamburg.

Wenn heutzutage von Kampfhunden gesprochen wird, handelt es sich vor allem um vier Terrierrassen. „Der American Staffordshire Terrier, der Staffordshire Bullterrier, der Bullterrier und der Pitbull werden im Volksmund meist als Kampfhunde zusammengefasst“, erklärt Umlauf. Bei letzterem handele es sich allerdings nicht um eine eigene Rasse. „Der Pitbull ist nur eine Kreuzung, für die es keine einheitlichen Zuchtstandards gibt.“

Die optischen Merkmale, die bei den sogenannten Kampfhunden auffallen, sind prägnant und wirken auf viele Betrachter schon angsteinflößend. „Dazu gehören ein kleiner Kopf, kleine Ohren und glatte Haut“, erläutert Kopernik. „Schließlich sollen sie dem Gegner so wenig Angriffsfläche wie möglich bieten.“ Außerdem haben sie viel Muskelmasse und ein Beißverhalten, wonach sie erst fest zubeißen und dann nicht loslassen. „Dabei ist ein Bullterrier trotz des schlechten Images ein verlässlicher Familienhund - vorausgesetzt man hat ihn von einem vertrauenswürdigen Züchter.“

Vor allem aufgrund des Rufes sprechen die Rassen jedoch eine bestimmte Klientel an und werden häufig nur angeschafft, um Eindruck zu schinden. Dabei sei aber entweder das nötige Fachwissen über die Tiere nicht vorhanden, sagt die Fachtierärztin Schöning. „Oder die Halter machen trotz besseren Wissens auf Show.“ Das könne dann gefährliche Folgen haben.

Entscheidend für die Hunde sind nämlich - auch schon in den ersten prägenden Wochen durch den Züchter - die Aufzucht und die Sozialisation, wobei sie in manchen Fällen bereits von klein auf durch spezielles Training in eine bestimmte Richtung gedrängt und scharf gemacht werden. „In diesen Fällen werden die Tiere bewusst darauf dressiert, aggressiv zu sein und die Beißhemmung gegenüber dem Menschen zu vergessen“, berichtet Udo Kopernik.

Zu einer solchen Fehlerziehung gehört beispielsweise auch, dass die Halter mit den Tieren nicht in Welpengruppen gehen, die Hunde keinen Umgang mit anderen Menschen und Hunden haben und nur auf den Halter fixiert sind. „Solche Maßnahmen haben zur Folge, dass die Tiere nach unseren Vorstellungen von Alltagstauglichkeit falsch aufwachsen“, sagt Schöning. „Das Verhalten steht und fällt mit dem Menschen, der den Hund für bestimmte Zwecke haben will.“

Deutscher Tierschutzbund: www.tierschutzbund.de

Verband für das Deutsche Hundewesen: www.vdh.de

Bundesverband Praktizierender Tierärzte: www.tieraerzteverband.de

Der American Staffordshire Terrier, der Staffordshire Bullterrier, der Bullterrier, der Pitbull sowie deren Mischlinge stehen seit einigen Jahren auch auf den sogenannten Rasselisten. Diese gibt es mit Ausnahme von Niedersachsen und Thüringen mittlerweile in allen Bundesländern. Diese Listen sollen angeben, welche Tiere ein Sicherheitsrisiko sind.

Die Konsequenzen, die sich durch Nennung auf einer Rasseliste ergeben, können vom Zucht- und Importverbot über den Nachweis der Sachkunde und Maulkorbpflicht bis zum Wesenstest reichen. Allerdings sind diese Rasselisten, auf denen teils auch Rassen wie Rottweiler oder Dobermänner auftauchen, nicht einheitlich. Die Regelungen sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich.

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