Kündigung wegen Diebstahl: Chef muss Verdacht belegen

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Deutsche Presse-Agentur

Für eine fristlose Kündigung reicht der Verdacht auf eine Straftat - ihn muss der Chef aber belegen können. „Es reicht also nicht, wenn ein Arbeitgeber nur Vermutungen darüber aufstellt, dass ein Angestellter etwas unterschlagen haben soll“.

Das sagte der Rechtsanwalt Stefan Lunk aus Hamburg. Vielmehr müsse ein notwendiger „dringender“ Verdacht sich nachweislich auf objektive Tatsachen stützen. „Es müssen also zum Beispiel Zeugenaussagen von Kollegen vorliegen, die den Betroffenen belasten“, sagte das Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein in Berlin.

Auch müsse der Chef zuerst den Betroffenen anhören, bevor er eine fristlose Kündigung ausspricht - andernfalls sei sie unwirksam, erläuterte Lunk. In einer solchen Anhörung versuchen Betroffene aber besser nicht, sich mit fadenscheinigen Ausreden herauszureden, wenn sie etwas Unrechtes getan oder gegen Regeln im Arbeitsvertrag verstoßen haben. Wer dann die Tat abstreitet, mache die Sache unter Umständen nur schlimmer, weil er seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzt. „Letztlich geht es dabei ja nicht um den Wert eines unterschlagenen Kugelschreibers, sondern um den Verlust des Vertrauens zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Und wer unwahre Angaben macht, verschlimmert den Vertrauensverlust natürlich.“

Am Dienstag (24. Februar) hatte das Berliner Landesarbeitsgericht die fristlose Kündigung einer Kassiererin für rechtmäßig erklärt, die zwei Pfandbons im Wert von 1,30 Euro unterschlagen hatte. Die Richter begründeten ihr Urteil mit dem nicht wieder herstellbaren Vertrauensverlust beim Arbeitgeber (Az.: 7 Sa 2017/08). Dieser sei in diesem Fall umso gravierender, weil die Kassiererin zunächst falsche Angaben gemacht und eine Kollegin zu Unrecht belastet hatte.

Nicht jeder aus dem Betrieb entwendete Stift sei allerdings gleich ein Kündigungsgrund, sagte Lunk. Wenn jemand aus dem Werkstor geht und versehentlich noch einen Kugelschreiber im Blaumann stecken hat, sei ihm nicht unbedingt ein vorsätzlicher Diebstahl nachzuweisen. „Das kommt also immer auf den Einzelfall an.“ Auch gebe es Ausnahmen, wenn es im Betrieb zum Beispiel gang und gäbe ist, Firmenkugelschreiber mit nach Hause zu nehmen oder in Maßen an Bekannte zu verschenken.

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