Jugendliche sehen Chancen im Handwerk – auch im Ostalbkreis

 Der Anteil der Abiturientinnen und Abiturienten, die eine Ausbildung im Handwerk beginnen, steigt.
Der Anteil der Abiturientinnen und Abiturienten, die eine Ausbildung im Handwerk beginnen, steigt. (Foto: Handwerkskammer Ulm)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

2728 junge Menschen haben sich von der Ostalb bis zum Bodensee im zurückliegenden Jahr für eine Ausbildung im regionalen Handwerk entschieden. Sie erlernen nun ihren Handwerksberuf in einem von 3625 ausbildenden Handwerksbetrieben im Gebiet der Handwerks-kammer Ulm. Auch 414 Abiturientinnen und Abiturienten haben diesen Karriereweg nach ihrem Schulabschluss eingeschlagen. Somit haben 15,2 Prozent der Azubis im ersten Lehrjahr Abitur. Die Zahl der insgesamt abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Kammergebiet ist im zweiten Jahr der Corona-Pandemie weiter zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahr haben knapp 290 Auszubildende weniger eine duale Ausbildung im Handwerk begonnen.

Die Pandemie hat nunmehr im zweiten Jahr in Folge das Kennenlernen zwischen Jugendlichen und Handwerksbetrieben massiv erschwert. Für viele Schülerinnen und Schüler war die Berufsorientierung, die sonst über die Schulen stattgefunden hat, ausgefallen. Viele junge Menschen waren deshalb unsicher und fragten sich, wie eine Ausbildung mitten in der Pandemie überhaupt abläuft. Direkte Kontakte zum Ausbildungsmeister sind durch Corona abgeschnitten, Praktika in Betrieben mit Bildungspartnerschaften verschoben, Treffen mit Ausbildungsbotschaftern in den Schulklassen oder Berufsmessen haben lediglich virtuell stattgefunden: Diese Umstände machen es Handwerksmeisterinnen und -meistern schwer, junge Menschen für ihre Betriebe zu begeistern. Im vergangenen Jahr sind 121 Geflüchtete in eine handwerkliche Lehre gestartet. 2019 waren es noch 259. Neben dem nachlassenden Flüchtlingszustrom haben coronabedingt komplizierte Ein- und Ausreisebedingungen den Start für Migranten in einem Handwerksberuf erschwert. „Die Flüchtlinge fehlen uns in den Betrieben als Fachkräfte. Das können auch Kunden spüren durch längere Wartezeiten und andere Preise“, erklärt Mehlich.

Beliebt sind bei vielen jungen Menschen nach wie vor die Elektro- und Metallgewerke sowie Bau- und Holzgewerke. Dazu gehören etwa die Handwerksberufe Kraftfahrzeugmechatroniker, Elektroniker und Zimmerer. Junge Menschen entscheiden sich aber auch gerne für eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Schreiner, Stuckateur, Friseur und Maurer. Von der Ostalb bis zum Bodensee gibt es aktuell noch rund 800 freie Lehrstellen. Jugendliche, die sich für eine Ausbildung im Handwerk interessieren, können sich online auf der Ausbildungsbörse der Handwerkskammer Ulm über die freien Lehrstellen und über Praktika in ihrer Nähe informieren (www.hwk-ulm.de).

Im Ostalbkreis haben sich 517 junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk entschieden. Dies entspricht einem Minus von rund 15 Prozent. „Wie wichtig Berufsorientierung an Schulen ist, zeigen die aktuellen Ausbildungszahlen. Nur wenn junge Menschen Handwerksberufe erfahren und spüren können, können sie entscheiden, ob die duale handwerkliche Ausbildung für sie das Richtige ist. Die Karrierechancen sind gut und gefüllte Auftragsbücher zeigen, dass das Handwerk ein krisensicherer Arbeitgeber mit vielen Möglichkeiten ist“, sagt Edgar Horn, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ostalb.

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