Jugendliche kennen Strafbarkeit von „Happy Slapping“

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Deutsche Presse-Agentur

Jugendliche, die eine angezettelte Prügelei per Handy filmen und dann ins Internet stellen, sind sich einer Studie zufolge über die Schwere ihrer Tat im Klaren: „Sie wissen wohl, was sie machen“, sagt die Trierer Soziologin Judith Hilgers.

Dies habe eine Befragung von 30 Jugendlichen in der Region Trier ergeben, die sich in irgendeiner Form bereits am sogenannten Happy Slapping beteiligt haben. „Das war das überraschendste Ergebnis der zweijährigen Studie“, sagte Hilgers, die das Projekt der Arbeitsgemeinschaft sozialwissenschaftliche Forschung und Weiterbildung (asw) an der Universität Trier geleitet hat.

Bisher sei man davon ausgegangen, dass den Jugendlichen das strafrechtliche Ausmaß ihrer Tat nicht bewusst sei. Ergebnisse der nach Angaben von Hilgers bundesweit ersten Studie ihrer Art sollten am Nachmittag in Trier an der Katholische Akademie Trier bei einer Studientagung vorgestellt werden. Beim „Happy Slapping“ (englisch: „fröhliches Schlagen“) werden unbekannte Passanten oder Mitschüler vor laufender Kamera verprügelt. Die Aufnahmen werden anschließend im Internet veröffentlicht oder per Handy verbreitet.

Dass den Tätern bewusst sei, dass sie sich strafbar machten, zeige sich an ihren Vertuschungsmethoden. Meist hätten sie zwei Handys in der Tasche, sagte Hilgers. Wenn sie kontrolliert würden, zeigten sie das „saubere Alibi-Handy“, erklärte die Projektleiterin. Zudem werde das Bildmaterial meistens noch so bearbeitet, dass Gesichter nicht zu sehen seien. Auch ein geschicktes Abspeichern des Clips auf dem Handy könne verhindern, dass Lehrer oder Eltern den Film finden würden.

Die Untersuchung habe auch gezeigt, dass die 15 bis 22 Jahre alten befragten Jugendlichen die gefilmten Prügeleien zudem als gezieltes Gewalttraining benutzten. „Die Clips werden nachträglich betrachtet und ausgewertet“, sagte die Wissenschaftlerin. Dann werde überlegt, wie man noch besser, gezielter oder härter zuschlagen könne.

Die „Schläger“ und „Filmer“ stammten keineswegs aus typischen „Problemfamilien“. Es seien auch Jugendliche aus Familien dabei, „bei denen man es auf den ersten Blick nicht vermuten würde“, berichtete Hilgers. Es gebe drei Motive für „Happy Slapping“: Die Jugendlichen wollten „außeralltägliche Action“ erleben, sich bei Gleichaltrigen Anerkennung verschaffen oder ihre „Gewalt-Kompetenzen“ checken.

Ob dieser Form der Jugendkriminalität weiter zunehmen werde, konnte Hilgers nicht sagen. „Es ist unter Jugendlichen einfach 'in', Sachen aufzuzeichnen. Auch alle möglichen Belanglosigkeiten“, sagte sie. Und bei den Jugendlichen, bei denen Gewalt immer schon eine Rolle gespielt habe, arte dies nun in dieser Form aus.

Ein Handyverbot löst ihrer Ansicht das Problem nicht. Stattdessen sollten Lehrer und Eltern für das Thema stärker sensibilisiert und „fit“ für Handy und Internet gemacht werden. Die Studie „Inszenierte Gewalt: 'Happy Slapping' als Phänomen jugendlicher Gewalt“ ist abgeschlossen und soll demnächst veröffentlicht werden. Sie bezieht auch eine Befragung in London von Vertretern von Polizei, Schule und Opfer-Beratungsstellen ein.

Information über das Forschungsprojekt: www.asw-trier.de

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