„Jetzt erst recht!“ - Narren trotzen der Krise

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Deutsche Presse-Agentur

Was ein richtiger Jeck ist, den haut eine Finanzkrise nicht um. Ob Köln oder Mainz: Deutschlands Karnevalshochburgen trotzen der allgegenwärtigen Wirtschaftsmisere, wie eine dpa-Umfrage ergab.

In der „fünften Jahreszeit“ wird gefeiert statt gespart, komme, was wolle. „Wirtschaftskrisen haben in der Vergangenheit immer dazu geführt, dass die Narren besonders aktiv sind“, meint der Präsident der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), Roland Wehrle, Herr über 160 000 Narren in Baden-Württemberg. Kürzere Umzüge oder leere Ballsäle werden nur in einigen wenigen Bundesländern befürchtet, die meisten davon im Osten. Dort klagen Faschingsvereine aber ohnehin schon länger über fehlenden Nachwuchs.

„Und geht's der Wirtschaft noch so schlecht, mir feire Fastnacht - jetzt erst recht!“: In Karlsruhe tauchen die klammen Kassen allerorts sogar im Motto des Fastnachtsumzugs auf. Im Südwesten wirke die Krise keineswegs als Spaßbremse, sagt VSAN-Geschäftsführer Uwe Schreiber. Grund seien vor allem die geringen Kosten für die traditionellen Straßenumzüge. „Wir sind weniger betroffen, weil wir unsere Fastnacht anders finanzieren, als es zum Beispiel der Karneval in Köln, Düsseldorf oder Mainz tut“, erklärt Schreiber. Dort würden größere Umzüge vor allem von Sponsoren getragen. „Da werden Summen investiert, von denen wir nur träumen.“

In den rheinischen Karnevalshochburgen herrscht Hochstimmung. Denn wie ein Sprecher des Comitees Düsseldorfer Carneval sagt, stoßen die Veranstaltungen in der NRW-Landeshauptstadt wie gehabt auf großes Besucherinteresse. „Zwar müssen einige kleinere Veranstaltungen mangels Nachfrage ausfallen oder mit anderen Festen zusammengelegt werden, dies ist aber ganz normal und hat nichts mit der Finanzkrise zu tun.“ Ein Rückzug der Sponsoren sei ebenfalls nicht zu bemerken.

In Köln, Bonn und Aachen lassen sich die Jecken von der Krise ebenso wenig die Laune verderben. „Eine Rundfrage unter den Vereinen hat ergeben, dass wir keine Veränderungen im Vergleich zum letzten Jahr haben“, sagt Sigrid Krebs als Sprecherin des Kölner Festkomitees. Es seien bisher keine Veranstaltungen abgesagt worden. „Es kann höchstens sein, dass bei der einen oder anderen Sitzung der kleineren Vereine mal an den hinteren Tischen ein paar Stühle leerbleiben.“ Wie gewohnt werde ausgelassen gefeiert.

Auch Mainz singt und lacht nicht anders als sonst. Die Krise sei bei den großen Vereinen kein Thema, sagt Karl-Heinz Werner vom Mainzer Carneval-Verein. Und Kollege Friedhelm Krost vom Mainzer Carneval Club Die Eulenspiegel berichtet: „Wir sind schon seit einem halben Jahr ausverkauft - da gab es noch gar keine Krise.“ Auch die Anmeldungen für den Trierer Rosenmontagsumzug laufen normal. Leiter Stefan Feltes räumt aber ein: „Ich kann mir vorstellen, dass in diesem Jahr ein paar Tonnen Bonbons weniger durch die Luft fliegen.“

Kaum Anzeichen getrübter Karnevalsstimmung auch im Nachbarland Hessen: In Frankfurt zähle der große Umzug durch die Innenstadt am Fastnachtssonntag diesmal 240 Wagen, 20 mehr als 2008, sagt Peter Ruhr, Sprecher des Frankfurter Dachverbandes. Gleiches gilt für Wiesbaden: Der Zug ist länger als sonst, nicht kürzer. Schließlich wird in diesem Jahr 150 Jahre Wiesbadener Fastnacht gefeiert.

Im nahezu karnevalsfreien Norden, wo sich die meisten Narren traditionell in Braunschweig tummeln, nimmt man die Misere ebenfalls nicht wahr. „Im Gegenteil, der Kartenvorverkauf für die großen Prunksitzungen läuft besser als in den Vorjahren“, sagt Hans-Peter Richter vom Komitee Braunschweiger Karneval. Auch von den Sponsoren sei bislang keiner abgesprungen. Krasse Auswirkungen der Krise spüren die Narren hingegen in Thüringen und Berlin. „Wir bekommen die Säle nicht mehr richtig voll. Das Publikum ist spärlich geworden“, sagt der Vorsitzende des Festkomitees Berliner Karneval, Edmund Braun. „Wenn Sie im Moment auf die Suche nach Sponsoren gehen, bekommen Sie zu hören: Wären Sie doch letztes Jahr gekommen“, erklärt Thorsten Egenolf, Präsident der Charlottenburger KG Blau-Gelb.

Führt die Wirtschaftskrise während der „tollen Zeit“ auch nicht überall zum Ball-Sterben, so wird sie gewiss zum Topthema der politischen Reden. Auch die Bankenmanager dürften dabei ihr Fett weg bekommen. „Die haben sich verspekuliert und wir müssen das ausbaden - in der Bütt muss man das aufs Korn nehmen“, sagt Karl-Heinz Krüger, Präsident des Karnevalverbandes Mecklenburg-Vorpommern.

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