Jahr eins nach Kahn: Keine klare Nummer 1 in Sicht

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Deutsche Presse-Agentur

Im Jahr eins nach Oliver Kahn hat sich noch kein Torwart als klare Nummer 1 positioniert. Während der einstige Welttorhüter als ZDF-Experte seine zweite Karriere begonnen hat, haben einige seiner früheren Kollegen eine schwierige Bundesliga-Hinrunde hinter sich.

In der Torwart-Hochburg Deutschland steht vor allem Kahns Nachfolger beim FC Bayern München, Michael Rensing, unter Beschuss, aber selbst „Überflieger“ René Adler (Leverkusen) musste erste Rückschläge verkraften. Timo Hildebrand kehrt mit der Hypothek des Scheiterns aus Spanien zurück. Indes stieg ausgerechnet ein Nobody, Bielefelds Dennis Eilhoff, zum Gewinner auf: Im Fachmagazin „kicker“ wurde Arminias Keeper als Ranglisten-Dritter hinter Adler und Jaroslav Drobny (Hertha BSC) zum Aufsteiger der Hinrunde gekürt.

Adler und Manuel Neuer (FC Schalke 04) zum Auftakt verletzt, für Robert Enke (Hannover 96) die erste Halbserie schon nach dem 7. Spieltag beendet - gerade für die Nationalmannschafts-Kandidaten lief es zuletzt alles andere als rund. Nach seinem Debüt unter Joachim Löw im Oktober wuchsen Adler zunächst Flügel, doch im Gedächtnis bleiben auch Patzer wie die gegen England und Arminia Bielefeld. Werders Tim Wiese heimste sich Lob für seine Deutschland-Premiere ein, aber bei den enttäuschenden Bremern hütet er die Schießbude der Liga.

Zurück in Löws Blickfeld kommt in der Rückrunde ein bekanntes Gesicht: Ex-Nationaltorwart Hildebrand. Der frühere Stuttgarter soll bei 1899 Hoffenheim im Kampf um die Meisterschaft die Schwachstelle zwischen den Pfosten beheben. In Valencia saß der 29-Jährige zuletzt aber nur auf der Tribüne. „Es gilt, Timo so schnell wie möglich in die Form zu bringen, in der er im Sommer 2007 nach Spanien gewechselt ist“, sagte Trainer Ralf Rangnick. Nach Ramazan Özcan und Daniel Haas wäre Hildebrand schon der dritte Keeper, der beim Spitzenreiter zum Einsatz kommt. Auch Borussia Mönchengladbach (Christofer Heimeroth, Uwe Gospodarek, Frederic Löhe) und Hannover 96 (Enke, Florian Fromlowitz, Morten Jensen) haben jeweils schon ein Trio eingesetzt.

Harscher Kritik erwehren musste sich Münchens Rensing. Einen Clinch mit Franz Beckenbauer schleppt der frühere U-21-Auswahlkeeper mit in die Winterpause. Der Bayern-Präsident schob ihm zuletzt die Schuld am 2:2-Ausgleich in Stuttgart zu („amateurhaft“). Rensing („Schwachsinn“) konterte und ließ die Kritik an sich abprallen: „Ich bin die Nummer 1 und habe diesen Status durch Leistung bestätigt.“

Eilhoff hat den Sprung vom Ersatzmann zum Leistungsträger dagegen eindrucksvoll geschafft. Der 26-Jährige, der zu Saisonbeginn nur wegen der Knieblessur von Bielefelds Stammtorwart Rowen Fernandez zur Nummer 1 aufrückte, hat die gegnerischen Torjäger gleich reihenweise zur Verzweiflung gebracht und dem Abstiegskandidaten mehrere Punkte festgehalten. Und beim VfB Stuttgart steht der aus der Nationalelf zurückgetretene Jens Lehmann hoch im Kurs. Mit aller Macht wollen die Verantwortlichen den 39-Jährigen halten. „Jens ist für mich der beste deutsche Torwart“, sagt Teamchef Markus Babbel schmeichelnd.

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