IWF sieht schärfsten Wirtschaftseinbruch seit 1945

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Deutsche Presse-Agentur

Die Weltwirtschaft erlebt 2009 nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds das schwärzeste Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg. Die verschärfte Finanzkrise lässt das globale Wachstum in diesem Jahr auf lediglich 0,5 Prozent abstürzen.

Die Industrienationen rutschen in die tiefste Rezession der Nachkriegszeit, wie es im jüngsten Weltwirtschaftsausblick des IWF heißt, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die erwarteten Verluste durch Kredite und entsprechende Vermögenswerte, die im Zusammenhang mit dem Kollaps des US-Immobilienmarktes stehen, beziffert der IWF unterdessen mittlerweile auf 2,2 Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro), 800 Milliarden mehr als noch im Oktober.

„Die Weltkonjunktur kommt 2009 praktisch zum Stillstand“, sagte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard. Für das kommende Jahr könne es indes bereits zu einer „schrittweisen Erholung“ und einem globalen Wachstum von 3 Prozent kommen. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die Lage an den Finanzmärkten beruhige, die Konjunkturprogramme Wirkung zeigten und sich der US-Immobilienmarkt stabilisiere, sagte Blanchard. Treffe das alles ein, sei bereits Ende dieses Jahres mit ersten Anzeichen einer Konjunkturerholung zu rechnen. Mit Blick auf die Preisentwicklung sehe der IWF inzwischen das Risiko einer deflationären Entwicklung, sagte der Chefökonom des Fonds. Bei einer Deflation kommt es zu einer Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und schrumpfender Wirtschaftsleistung.

In den Industrienationen und in der Eurozone sieht der IWF die Wirtschaftsleistung 2009 um zwei Prozent schrumpfen, in Deutschland sogar um 2,5 Prozent. Für das kommende Jahr erwartet der Fonds in den Euro-Ländern wie auch in Deutschland nur ein hauchdünnes Plus von knapp über Null, während die USA bereits vergleichsweise stark um 1,6 Prozent zulegen sollen. Grund sei unter anderem, dass die Maßnahmen von US-Regierung und Notenbank aggressiver seien als in Europa.

Praktisch rund um den Globus korrigierte der Weltwährungsfonds seine Prognosen im Vergleich zum Weltwirtschaftsausblick vom November drastisch nach unten. Das Wachstum in den Schwellen- und Entwicklungsländern fällt demzufolge in diesem Jahr auf 3,3 Prozent, der Welthandel schrumpft um 2,8 Prozent. Für China erwarten die IWF-Experten nur noch ein Wachstum von 6,7 Prozent, Indien kommt demnach auf 5 Prozent. 2010 soll sich das Bild in aufstrebenden Wirtschaftsnationen aber wieder etwas aufhellen und das Wachstum in den Schwellen- und Entwicklungsländern auf 5 Prozent steigen.

Angesichts der hartnäckigen Finanzkrise rechnet der Fonds unterdessen mit weiteren Verlusten der Banken und noch höherem Kapitalbedarf. Europäischen und amerikanischen Geldhäusern fehlen der jüngsten IWF-Schätzung zufolge mit Blick auf zu erwartenden Abschreibungen 500 Milliarden Dollar an Kapital. Die voraussichtlichen Verluste von 2,2 Billionen Dollar stünden zu mehr als der Hälfte mit US-Hypotheken und hypothekenbesicherten US-Wertpapieren in Verbindung, hieß es weiter.

Die IWF-Experten mahnten Regierung, die Beseitigung notleidender Vermögenswerte und fauler Kredite aus den Bilanzen der Banken nicht zu vernachlässigen. Eine nachhaltige Erholung der Realwirtschaft werde ausbleiben, solange nicht eine normale Funktion des Finanzsektors wieder hergestellt ist und Kredite wieder fließen, heißt es in der IWF-Analyse. Der Fonds riet dazu, insolvente Banken abzuwickeln und möglicherweise staatliche „Bad Banks“ (Schlechte Banken) für den Aufkauf solcher Vermögenswerte zu schaffen.

Der Weltwährungsfonds legte Regierungen darüber hinaus nahe, beim Entwurf ihrer Konjunkturpakete den Akzent nicht zu stark auf Steuererleichterungen zu setzen. Die Multiplikator-Effekte anderer Maßnahmen wie Investitionen seien größer, sagte Blanchard. Überdies müssten Programme zur Ankurbelung der Konjunktur ohne Verzögerung auf den Weg gebracht werden, mahnte der IWF.

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