Ist ein Bahnanschluss an Merklingen möglich?

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Wird Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (rechts, beim Spatenstich im Mai 2012 für die ICE-Neubaustrecke Wendli (Foto: dpa)
Ilja Siegemund
Redakteur

Als die ICE-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm vor mehr als zehn Jahren noch nicht mehr als ein kühner Plan auf dem Papier war, standen einige Wünsche und Versprechungen im Raum. Auch der Wunsch nach einem Bahnhof in Merklingen kursierte in Studien und in Köpfen. Ein solcher könne doch, so die Idee, an das Gleisnetz der Neubaustrecke angeschlossen werden.

Mit den Jahren nahm das Mammutprojekt Wendlingen-Ulm konkretere Formen an. Der Bahnhof-Anschluss für die Alb jedoch: geriet – in den Reden von Politiker – in Vergessenheit.

Nun sind die Bagger vorgefahren. Die Arbeiten für das etwa 3,2Milliarden Euro teure Projekt schreiten voran. Und dies ruft bei einigen den Bahnhofstraum wieder wach. So auch bei Heinz Surek aus Laichingen. Vor wenigen Tagen hat das Kreistagsmitglied des Alb-Donau-Kreises einen Brief an Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann geschrieben. Darin bittet er diesen, die Idee des Merklinger Bahnhofes zu prüfen.

Strukturschwache Gegend stärken

„Die Laichinger Alb ist die einzige Raumschaft im Kreis, die von jeglichem Schienenverkehr, dem ,Rückgrat des Öffentlichen Personennahverkehrs‘, abgeschnitten ist“, schreibt der Sozialdemokrat. Oft würde die Laichinger Alb mit ihren etwa 30000 Einwohnern von den Sprechern aller Fraktionen im Kreistag als „Stiefkind des ÖPNV“ bezeichnet. Der nächste Bahnhof befindet sich im 15Kilometer entfernten Blaubeuren. „Ein Haltepunkt bei Merklingen wäre eine große Chance, den strukturschwachen Raum auf der Albhochfläche zu stärken“, betont Surek. Anhand von drei Punkten bittet er den Verkehrsminister, prüfen zu lassen, ob ein solches Vorhaben eine Chance auf Realisierung hat.

Folgende Punkte soll Verkehrsminister Winfried Hermann auf Bitte von Heinz Surek prüfen:

1. Ist im Planfeststellungsbeschluss vom November 2008 für den Abschnitt 2.3 die Möglichkeit eines Haltepunkts vorgesehen?

2. Werden auf der Neubaustrecke auch Interregio-Züge unterwegs sein, die vielleicht zwischen Ulm und Wendlingen zwei Mal halten könnten, etwa bei Merklingen und Kirchheim?

3. Ist es in diesem Fall vermessen, einen Haltepunkt „Laichinger Alb“ bei Merklingen, wo die erforderliche Infrastruktur ja schon vorhanden ist, zu fordern?

Neu dürfte Minister Hermann dieser Wunsch nicht sein. Am 19. Juli besuchte er die Baustelle für den geplanten Steinbühltunnel bei Hohenstadt. Bei dieser Gelegenheit wies die SZ den Verkehrsminister auf den Bahnhof hin. Seine Antwort: „Ich werde mich auf jeden Fall bei der Bahn kundig machen.“

Diese Aussage habe bei den Menschen in der Region große Hoffnung geweckt, betont Heinz Surek. „Leider herrscht bei den Kommunal-, Kreis-, und Landespolitikern, mit denen ich Gespräche geführt habe, eine große Konfusion in dieser Frage“, schreibt er weiter.

Das kann Merklingens Bürgermeister Sven Kneipp bestätigen. Zwar habe er „das Gerücht“ eines Bahnhofs schon vernommen. Im Planfeststellungsabschnitt 2.3, der zwischen Widderstall und Dornstadt verläuft, sei eine Bahnhofanbindung an die Strecke Wendlingen-Ulm aber nicht enthalten. Wünschen würde er sich einen Bahnhof in Merklingen auf jeden Fall. „Das wäre natürlich toll für unsere Region“, betont Sven Kneipp.

Allerdings ist der Weg bis dahin steinig. Denn Politiker und die Bahn verweisen auf den jeweils anderen.

Wenn die Laichinger Alb einen Bahnhof erhalten soll, „dann müsste sich das Land Baden-Württemberg einen solchen Bahnhof wünschen“, sagte Michael Schmidt, stellvertretender Leiter der Kommunikation für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm, bei einem Infoabend Ende Juni in Merklingen. Dieses Hin und Her ist für Gerhard Maier aus Laichingen nicht neu. Schon seit Jahren beschäftigt sich das Mitglied der Laichinger Allgemeinen Bürgerliste (LAB) mit dem Thema. Vor einigen Jahren habe er sich mit Stadtrat Bernhard Schweizer bei der Bahn über die Trassenführung informiert, erzählt Maier. „Damals haben wir die schriftliche Bestätigung erhalten, dass ein einfacher Bahnhof nachträglich gebaut werden kann.“

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