Interview: „Es gibt kein Grab und keine Leiche“

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Deutsche Presse-Agentur

Der Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Ephraim Zuroff, hat die Berichte über den angeblichen Tod des NS-Kriegsverbrechers Heim angezweifelt. Die Berichte bewiesen nur, dass Heim in Ägypten gelebt habe, sagte Zuroff in einem dpa-Gespräch.

Frage: Herr Zuroff, sind jetzt alle Zweifel ausgeräumt, dass Heim tot ist?

Zuroff: „Nein, nein, nein. Es gibt kein Grab, es gibt keine Leiche, es gibt keine DNA.“

Frage: Warum tauchen die Berichte gerade jetzt auf; mehr als 16 Jahre nach dem angeblichen Tod Heims?

Zuroff: „Das ist sehr seltsam. Es macht absolut keinen Sinn, was hier gerade passiert. Angesichts der Tatsache, dass es Menschen gibt, die ein Interesse daran haben, uns davon zu überzeugen, dass Heim nicht mehr lebt, müssen wir auf solche Meldungen mit einem gewissen Maß an Skepsis und Vorsicht reagieren.“

Frage: Wer könnte hinter der Veröffentlichung stehen?

Zuroff: „Ich habe den Verdacht, dass Rüdiger (der Sohn Heims) die Informationen herausgegeben und die ganze Sache orchestriert hat.“

Frage: Gibt es finanzielle Interessen, wie beispielsweise das ausstehende Erbe?

Zuroff: „Das ist eine interessante Theorie.“

Frage: Wie hoch ist das Erbe?

Zuroff: „Rund zwei Millionen Euro.“

Frage: Was werden Sie jetzt tun?

Zuroff: „In den kommenden Wochen werden wir versuchen zu prüfen, was wir nachprüfen können. Wir haben keinerlei Dokumente.“

Frage: Was sollten die deutschen Behörden tun?

Zuroff: „Falls die Geschichte wahr sein sollte, besteht keinerlei Zweifel, dass eine Menge Leute die Polizei und die Medien über Jahre hinweg angelogen haben. Ich rede hier in erster Linie von seiner Familie. So, wenn die Berichte wahr sind, dann sollte die deutsche Polizei in Erwägung ziehen, seine Familie strafrechtlich für Fluchthilfe zu verfolgen (...) Noch vor fünf Monaten hat Rüdiger in einem Interview gesagt, dass er keinen Kontakt zu seinem Vater hatte. Entweder hat er damals gelogen oder er lügt jetzt.“

Frage: Was fühlen Sie, wenn sie trotz aller Bemühungen den meistgesuchten Nazi-Verbrecher nicht festnehmen konnten?

Zuroff: „Wenn das wahr ist, dann bin ich unbeschreiblich frustriert und enttäuscht, dass wir es nicht geschafft haben, ihn vor Gericht zu bringen. Anderseits gibt es ein gewisses Maß an Entschlossenheit. Sie haben keine Vorstellung davon, was ich durchmache. Wir haben Unmengen an Energie in diesen Fall investiert.“

Telefongespräch: Ofira Koopmans, Hans Dahne, dpa

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