Die Kirchenführung beginnt bereits an den Stufen, die zu ihr hinauf führen.
Die Kirchenführung beginnt bereits an den Stufen, die zu ihr hinauf führen. (Foto: Sz- eis)

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Untermarchtal - Den Auftakt der Klostererlebnistage in Untermarchtal hat Schwester Marzella Krieg zum Anlass genommen, Interessierte mit auf den Berg Gottes zu führen und sie mit auf eine spirituelle Führung durch die Vinzenzkirche zu nehmen. Gleich zwei Gruppen nahmen am Freitag das Angebot war, einen Einblick ins Klosterleben der Vinzentinerinnen zu erhalten.

„Die Vinzenzkirche ist das Herz der Klosteranlage, um das alles hier pulsiert“, sagt Schwester Marzella zu Beginn der spirituellen Führung. Schon der Aufstieg die Stufen hinauf zur Kirche sei ein wichtiger Teil der Tour durch die Kirche. „Hier unten stehen wir auf den nüchternen Verbunds- oder Knochensteinen und schon die erste Stufe hinauf zur Kirche ist aus einem anderen Stein“, zeigt sie den Teilnehmern auf. Mit dem ersten Schritt begebe sich der Kirchenbesucher sozusagen bereits auf einen anderen Boden. Hier könne er sich direkt bewusst machen, wohin er auf dem Weg ist.

Vor 33 Jahren in den Orden eingetreten

1970 ist der Grundstein für die Vinzenzkirche gelegt worden, zwei Jahre später, 1972, wurde sie fertiggestellt. Die alte Mutterhauskirche sei ganz anders gewesen, eine Begegnung mit Gott auf Augenhöhe war dort unmöglich, berichtet Schwester Marzella, die genau dieser Ansatz vor ziemlich genau 33 Jahren zum Eintritt in den Orden der Barmherzigen Schwestern des heiligen Vinzenz von Paul bewogen hatte. Aus dem Kirchenschiff der einstigen Mutterhauskirche wurde das neue Bettenhaus und auf dem Hügel wurde eine ganz neue Kirche errichtet.

Oben an der Kirche angekommen, soll die konkave Fassade den Besucher zum Eintreten ermuntern, berichtet die Ordensfrau. An der Tür wird er schon von einem Relief-Auge erwartet. „Aber Gott schaut eben nicht nur auf uns, wenn wir die Kirche betreten, sondern sein Blick wacht auch über uns, wenn wir sie wieder verlassen“, erklärt Schwester Marzella.

Kirche vielfältig erleben

Während die Außenfassade der Kirche völlig unbehandelt und jedes einzelne Betonelement zu erkennen ist – was dafür steht, wie vielfältig Kirche für jeden einzelnen erlebbar ist –, ist die Decke im Eingangsbereich bunt gestaltet. „Das sind die gleichen Farben wie beim Wandgemälde von Ferdinand Georg im Inneren und für mich sehen sie je nach Luftfeuchtigkeit stets anders aus“, sagt die Vinzentinerin.

Nachdem sie die Gäste durch die Kirchentür geführt hat, stehen diese keineswegs wie üblich direkt im Kirchenraum. Vor ihnen liegt viel mehr ein Anstieg, der noch erklommen werden muss. An dessen Ende findet sich auf der rechten Seite die Skulptur des geschlossenen Grabes. „Verlässt man aber die Kirche nach dem Gebet wieder, gibt die Skulptur den Blick nach draußen frei und eröffnet einen neuen Horizont“, so Schwester Marzella. Auch von draußen könne man durch das kleine Fenster hinein in die Kirche sehen. „Der Blick fällt dann genau auf den Tabernakel, wo Gott anwesend ist“, fügt sie hinzu.

Bevor Schwester Marzella den Interessierten am Ende der Führung die Möglichkeit gab, sich selbst im Kirchenraum umzusehen und dessen ganzen Größe auf sich wirken zu lassen, wies sie auf das große Bild aus dem Johannes-Evangelium hin. „Wenn sich der Betrachteter mit dem Rücken vor das Lamm stellt, kann er bis auf wenige tote Winkel den kompletten Kirchenraum überblicken“, erklärt sie.

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