Informatiker werden trotz Krise gebraucht

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Deutsche Presse-Agentur

Informatiker waren in den vergangenen Jahren in allen Branchen Mangelware. Zu wenige junge Leute begannen ein entsprechendes Studium, die Absolventenzahlen sind niedrig.

„Das hat sich nicht wesentlich geändert“, sagt Maurice Shahd vom Branchenverband BITKOM in Berlin. Das ist nur einer der Gründe, weswegen Informatiker auch in der derzeitig schwierigen konjunkturellen Lage keine Kündigungswelle fürchten müssen.

„Sie sind immer noch gesucht - auch wenn die Firmen etwas vorsichtiger sind in ihrer Einstellungspolitik“, sagt auch Sörge Drosten, Leiter des Bereichs Informationstechnologie und Telekommunikation bei den Kienbaum Consultants in Köln. Die Unternehmen seien in einer Abwartesituation, sagt er. Das erste Quartal dieses Jahres ist nach den Worten des Unternehmensberaters entscheidend für den weiteren Verlauf. „Im Frühjahr werden wir mehr wissen.“

Dass es richtig schlecht aussehen wird für die Experten der Informationstechnologie - damit rechnet niemand. „Informatiker besitzen nach wie vor eine Schlüsselqualifikation der digitalen Wirtschaft, aber die 'Party' ist vorbei“, sagt Marco Zingler vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) in Düsseldorf. „Im Vergleich zu vielen anderen Berufen in der Dienstleistungsbranche haben IT-Spezialisten weiterhin gute Job-Aussichten.“

„Es wird ordentlich bezahlt - aber die verrückten Gehälter aus der New Economy gibt es nicht mehr“, sagt Shahd. Es gebe heute einzelne ausgemachte Spezialisten, die ein sehr exaktes und gefragtes Wissen haben, sagt Drosten. „Die können auch noch immer viel Geld verdienen.“ Das liege vor allem daran, dass der Markt auf einigen Sektoren leergefegt ist.

Jungen Berufseinsteigern stehen nach Auskunft der Experten die Unternehmenstüren weiterhin offen. „Man sollte sich von solchen immer wiederkehrenden Schweinezyklen nicht beeinflussen lassen - Informatiker sind gesucht, werden gesucht, werden immer gesucht werden“, betont Drosten. Allerdings: Mit dem Studium allein kommen sie nicht mehr weit. Wichtiger denn je sei, Wissen auch über den Tellerrand hinweg zu erwerben.

Dazu brauchen Absolventen internationale Erfahrung, Englisch und betriebswirtschaftliches Verständnis. Auch nach guten Noten und der Studiendauer wird bei der Einstellung geschaut. Am wichtigsten aber sei, die Erfahrung aus der Praxis: „Je mehr man als Absolvent Erfahrungen gesammelt hat, umso schneller ist man einsetzbar und hat Kontakte zu Firmen“, sagt Drosten.

Vielen Berufseinsteigern bleibe derzeit nicht viel anderes übrig, als Initiativbewerbungen zu schreiben. „Zahlreiche ausgeschriebene Positionen sind für Leute mit ein paar Jahren Berufserfahrung.“ Dennoch klagen Informatiker auf hohem Niveau: „Es gibt noch immer einen hohen Sockel offener Stellen“, sagt Shahd. Und die Informationstechnologie ist inzwischen aus kaum einem Bereich des täglichen Lebens wegzudenken, auch wenn derzeit einige Projekt auf Eis liegen.

Auch wenn die Experten in den kommenden drei bis sechs Monaten mit einer eher geringen Zahl von Einstellungen rechnen: Allzu bange muss keinem Spezialisten sein. Auch Berufseinsteiger sollten einen Fuß in die Türen der Unternehmen bekommen, „vielleicht brauchen sie mal einen Anlauf mehr“, sagt Sörge Drosten von Kienbaum Consultants. Wichtig sei für den Nachwuchs derzeit, den Kontakt zu Unternehmen aufzubauen. „Praktika, Messebesuche, Telefonate mit Fach- und Personalabteilungen - dann weiß man ziemlich genau, wo man steht.“

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