In den Play-offs weiter nicht zu schlagen

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 Der VfB Friedrichshafen (hier: Andreas Takvam) war in Hamburg ab dem dritten Satz nicht mehr zu bremsen. Mit einem 3:1-Sieg geg
Der VfB Friedrichshafen (hier: Andreas Takvam) war in Hamburg ab dem dritten Satz nicht mehr zu bremsen. Mit einem 3:1-Sieg gegen Lüneburg setzten die Häfler ihre Siegesserie fort. (Foto: Michael Behns)
Holger Remus

VfB-Trainer Vital Heynen hat allen Grund zum Optimismus. Zwei Drittel des Wegs ins Finale um die Meisterschaft haben seine Volleyballer bereits zurückgelegt. „Wir müssen das nächste Spiel gewinnen“, sagt er. „Aber es sieht gut aus.“ Mit einer starken Leistung hat seine Mannschaft das zweite Spiel der „Best-of-Five“-Serie mit 3:1 (25:23, 22:25, 25:17, 26:16) in der Hamburger CU Arena gewonnen. In der Gesamtschau liegen sie damit 2:0 vorne. Mit einem weiteren Sieg am Mittwoch (20 Uhr/sporttotal.tv) in der heimischen ZF-Arena wäre der Finaleinzug perfekt.

Doch die Lüneburger haben durchaus noch Hoffnung, ein weiteres Duell zu erzwingen.

„Wir haben sehr, sehr gut gespielt, meist auf Augenhöhe – wie schon zwei Sätze lang in Friedrichshafen“, lautete das Resümee von SVG-Coach Stefan Hübner, der seiner Mannschaft keinen Vorwurf machen wollte: „Sie haben das Beste, haben alles gegeben. Friedrichshafen hat eben eine hohe individuelle Qualität über ein ganzes Spiel hinweg, so ein Niveau können wir noch nicht so lange halten. Und sie haben Geduld und Ruhe, wenn es mal phasenweise nicht so läuft. Das ist der Unterschied. Trotzdem haben wir heute schon länger auf Augenhöhe mitgespielt als beim ersten Mal, und das versuchen wir jetzt am Mittwoch noch länger hinzukriegen.“

Tatsächlich sprechen einige statistische Werte für die SVG, dauerte der Schlagabtausch 24 Minuten länger als im ersten Match (nun 102 Minuten) und gewann das Hübner-Team dieses Mal einen Satz in der Crunchtime, wo sie am Bodensee zweimal eine Führung noch aus der Hand gegeben hatte. Das drohte sich nun vor 1200 Zuschauern in der CU Arena von Hamburg fortzusetzen: Im starken ersten Satz führten die LüneHünen nach missglücktem Start (2:5, 5:8) mit 21:17, als es in die entscheidende Phase ging.

VfB-Trainer Vital Heynen nahm seine zweite Auszeit, sein Team kam danach wieder bis auf einen Punkt heran, die SVG wehrte sich, war dem Satzgewinn beim 23:22 nahe wie nie zuvor, doch die Häfler schlugen noch zu: Schnellangriff Philipp Collin, Ass von David Sossenheimer, der schickte gleich noch einen guten Aufschlag hinterher, den Lüneburg nicht sauber annehmen konnten – 23:25.

Der dritte Satz geriet zur Lehrstunde des VfB

Die Norddeutschen blieben unbeeindruckt, starteten mit einem 4:0 in Durchgang zwei, Heynen nahm hier schon seine erste Auszeit, sein Team stellte danach auf 4:7. Beim 10:10 glich die SVG wieder aus, der Satz wurde mehr und mehr zu einem Privatduell zwischen den Diagonalen Ryan Sclater (7 Punkte) und Bartlomiej Boladz (6). Und obwohl auch David Sossenheimer und Athanasios Protopsaltis häufig mit Raffinesse punkteten, blieben die Lüneburger vorne – 25:22 stand es am Ende. Satzausgleich.

Was nach der Pause folgte, war dann allerdings eine Lehrstunde, die phasenweise für gespenstische Stille in der Halle sorgte. Bis zur ersten technischen Auszeit zog Friedrichshafen auf 8:1 davon und machte gnadenlos so weiter.

Abschnitt vier gab dann sogar noch einmal Hoffnung für die Lüneburger. Sie legten ein 8:5 vor und hielten die Führung bis zum 10:9. Daraus machte aber der VfB ein 10:12 und ließ sich dann die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Mittelblocker Philipp Collin, der MVP wurde, war mit Schnellangriffen immer öfter erfolgreich und blockte wie eine Wand (4) zusammen mit dem allgegenwärtigen Sossenheimer (5 Blocks, 16 Punkte gesamt, Annahmequote 57 Prozent). Und Boladz punktete fast nach Belieben (insgesamt 27). So wuchs der Abstand beständig an.

„Als die aufgedreht haben, haben sich bei uns die Fehler in allen Elementen gehäuft“, sagte SVG-Mittelblocker Michel Schlien, wollte sich aber noch nicht geschlagen geben. „Das müssen wir nächstes Mal besser machen. Dann glaube ich daran, dass wir uns nächstes Wochenende hier wiedersehen.“

Doch die Gesamtstatistik spricht eindeutig für die Friedrichshafener. Als einzige Mannschaft mussten die weder im Viertel- noch im Halbfinale ein Spiel abgeben. Geht es nach Vital Heynen soll das auch so bleiben: „Ich hoffe, dass wir das am Mittwoch entscheiden können“, sagt er und blickt noch ein Stückchen weiter nach vorn: „Das würde uns die perfekte Vorbereitung auf das Finale geben.“

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