Rechtsstatue
Ein 43-Jähriger wurde vor dem Amtsgericht Tettnang wegen Drogenhandel zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt. (Foto: Peter Steffen/dpa)
Kerstin Schwier

Mit einem deutlich milderen Urteil als zunächst angenommen endete am Mittwochabend ein Prozess vor dem Tettnanger Amtsgericht. Der 43-jährige Angeklagte aus dem Bodenseekreis wurde zu einem Jahr Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, wegen Besitzes von Betäubungsmitteln, Weitergabe von Drogen an Minderjährige und versuchter Anstiftung zum Drogenhandel verurteilt. Zudem muss er 120 Sozialstunden ableisten.

Die ursprünglich gegen ihn erhobenen Vorwürfe des gewerbsmäßigen Handels mit Drogen, der räuberischen Erpressung und der Körperverletzung mussten fallen gelassen werden. Grund dafür waren die zum Teil erheblichen Zweifel des Gerichtes an der Glaubwürdigkeit der Zeugen.

„Es ist nicht so, dass wir ihre Aussagen glauben können,“ wandte sich Richter Peter Pahnke in seiner Urteilsbegründung direkt an den Angeklagten und führte weiter aus: „Das Problem für das Gericht ist, wir können sie nur verurteilen, wenn wir sicher sind. Die Zeugen, die hier aufgelaufen sind, sind auch nicht das Gelbe vom Ei.“ Damit bezog sich Richter Pahnke auf die zwei Zeugen, die am ersten Verhandlungstag kurz vor Weihnachten (die SZ berichtete) zum Teil erhebliche Erinnerungslücken aufwiesen oder aber widersprüchliche Angaben gemacht hatten.

Den einen jungen Mann soll der Beschuldigte im Januar 2018 auf der Toilette einer Ravensburger Gaststätte geschlagen, erpresst und mit dem Tod bedroht haben. So hatte der Geschädigte es damals bei der Polizei zu Protokoll gegeben. Vor Gericht konnte er sich lediglich an eine Ohrfeige erinnern. Seit einem Verkehrsunfall leide er unter Gedächtnisverlust und sei auch schon früher wegen Wahrnehmungsstörungen in therapeutischer Behandlung gewesen. Für das Gericht war er damit als Zeuge nicht tragbar. Dem anderen, mittlerweile 17- jährigen Zeugen soll der Angeklagte im Herbst 2017 mehrfach Drogen verkauft haben. Weiter habe er ihn zum Drogenverkauf animiert und ihn sowie seine Familie mit dem Tod bedroht, hatte der junge Mann am ersten Verhandlungstag erklärt. Damit verwickelte er sich erneut in widersprüchliche Angaben. Nach drei zuvor getätigten, jeweils unterschiedlichen Tatschilderungen liefere er nun die vierte Version, stellte Verteidigerin Nicole Pfuhl die Glaubwürdigkeit des Zeugen in Frage. Auch Richter Pahnke attestierte dem jungen Mann ein „inkonstantes Aussageverhalten, Belastungseifer und regelrechte Wut auf den Angeklagten“. Selbst wenn einige Teile der Aussage richtig seien, „haben wir Manschetten, wenn wir einem Zeugen in einigen Punkten glauben und in anderen nicht,“ begründete Peter Pahnke die Zurückweisung des Zeugen.

Lediglich der dritte Zeuge, der am Mittwochnachmittag vor Gericht aussagte, erwies sich als glaubhaft und führte schließlich dazu, dass der Angeklagte überhaupt verurteilt werden konnte. Der junge Mann hatte den Angeklagten im Herbst 2017 über dessen Sohn, mit dem er die zehnte Klasse einer Hauptschule besuchte, kennengelernt. Gemeinsam mit Vater und Sohn wurde mehrfach Marihuana konsumiert. Als der Angeklagte dem Zeugen zwei Gramm Marihuana zum Weiterverkauf mitgab, verbrauchte der junge Mann den Stoff selbst. Daraufhin sei der Angeklagte zu der Schule des Zeugen gekommen und habe ihm Schläge angedroht. „Da ist die Sache ein bisschen eskaliert,“ schilderte der Zeuge die anschließende Prügelei eines Freundes von ihm mit dem Sohn des Angeklagten. Dieser empörte sich zunächst lautstark, den Zeugen überhaupt nicht zu kennen, worauf ihn der Richter zur Ruhe gemahnte. „Ich kann sofort zwei Kumpel anrufen, die bestätigen, dass wir uns kennen,“ entgegnete daraufhin der junge Mann im Zeugenstand.

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