Im Raum Bodensee-Oberschwaben leiden Senioren immer häufiger an Depressionen

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 Die Zahl der Seniorinnen und Senioren mit Depressionen steigt auch in Landkreis Ravensburg.
Die Zahl der Seniorinnen und Senioren mit Depressionen steigt auch in Landkreis Ravensburg. (Foto: Symbol: Marcel Kusch/dpa)
Schwäbische Zeitung

Depressive Störungen sind die häufigsten psychischen Störungen im Alter. Das geht aus einer Auswertung der AOK Bodensee-Oberschwaben hervor, nach der die Zahl der an Altersdepression erkrankten Versicherten im Zeitraum 2015 bis 2019 stetig um durchschnittlich 1,7 Prozent gestiegen ist.

Im vergangenen Jahr mussten im Landkreis Ravensburg 2996 Seniorinnen und Senioren wegen einer Depression ärztlich behandelt werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Krankenkasse. Das seien 21,5 Prozent der AOK-Versicherten in der analysierten Altersgruppe, was dem Landesschnitt entspreche. Seniorinnen seien mehr als doppelt so häufig von Depressionen betroffen wie Senioren, analysiert die AOK. In ganz Baden-Württemberg zählte die Krankenkasse im Jahr 2019 bei den über 70-Jährigen 145 949 behandelte Fälle. Davon waren 105 897 Frauen und 40 052 Männer.

„Eine Depression ist eine psychische Störung, welche mit einer überdauernden gedrückten Stimmung, starker Erschöpfung und Antriebslosigkeit sowie Interesselosigkeit einhergeht“, erklärt Roland Beierl, Geschäftsführer der AOK Bodensee-Oberschwaben. Weitere typische Beschwerden seien Konzentrationsstörungen, Selbstzweifel und eine starke Grübelneigung bis hin zu lebensmüden Gedanken. Dadurch falle es Betroffenen schwer, den Alltag allein zu bewältigen.

Zusätzlich klagen ältere Betroffene häufiger auch über körperliche Begleitsymptome wie Schlafstörungen, Ohrgeräusche, Verdauungsprobleme und Schmerzen, ergänzt Roland Beierl. „Weil diese Begleitsymptome depressive Symptome oft überdecken, besteht die Gefahr, dass eine Depression im Alter nicht erkannt wird. Deshalb sollten mögliche körperliche Ursachen durch den Hausarzt abgeklärt werden“, so der Geschäftsführer.

Besonders gefährdet, an einer Depression zu erkranken, sind Frauen sowie Menschen ohne vertrauensvolle persönliche Beziehungen und Bewohner von Pflegeheimen. Doch die Erkrankung könne auch im Alter gut behandelt werden. „Ab einem gewissen Schweregrad der Depression stellt eine antidepressive Medikation, am besten in Verbindung mit einer Psychotherapie, die wirksamste Behandlung dar“, erklärt Beierl.

Auch die Betroffenen selbst können etwas dafür tun, um einer depressiven Symptomatik entgegenzuwirken. So sei es – besonders in Zeiten der Corona-Pandemie – wichtig, eine geregelte Tagesstruktur beizubehalten und in Bewegung zu bleiben. „Das Wichtigste bei einer vorliegenden depressiven Symptomatik ist, nicht alleine in der aussichtslos erscheinenden Situation zu bleiben, sondern sich trotz oft vorhandener Scham- und Schuldgefühle einer anderen Person anzuvertrauen“, rät Beierl und ergänzt: „Im Falle eines Verdachts auf eine depressive Störung sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.“

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