Im Landwirtschaftsjahr 2021: Getreide und Rindfleisch so teuer wie lange nicht mehr

Nach dem nassen Sommer 2021 ist die Getreideernte auch auf der Ostalb mager ausgefallen. Das hat die Preise nach oben getrieben.
Nach dem nassen Sommer 2021 ist die Getreideernte auch auf der Ostalb mager ausgefallen. Das hat die Preise nach oben getrieben. (Foto: dpa/ Franz-Peter Tschauner)
IPF- UND JAGST-ZEITUNG

Wegen der Corona-Pandemie wird es im Januar 2022 wie schon im letzten Jahr den Kalten Markt in Ellwangen nicht in der traditionellen Form geben. Der Leiter des Geschäftsbereichs Landwirtschaft beim Landratsamt Ostalbkreis, Helmut Hessenauer, hat aber dennoch wie gewohnt einen Rückblick auf das Landwirtschaftsjahr geworfen:

Dass das Jahr 2021 für die Landwirtschaft spannend werden würde, war zum Jahresanfang klar. Schließlich stand 2020 ganz im Zeichen von Corona. Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft waren je nach Sektor recht unterschiedlich. Hinzu kam das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in der zweiten Jahreshälfte 2020 in Brandenburg mit weitreichenden Folgen auch für die hiesigen Schweinehalter. Die Hoffnung war dann Anfang 2021 groß, dass 2021ein Konsolidierungsjahr werden könnte. Schließlich standen Impfstoffe zur Verfügung und auch die landwirtschaftlichen Märkte schienen sich zu beruhigen.

2021 war kein Trockenjahr

Das Positive zuerst: 2021war endlich kein Trockenjahr mehr, nachdem die letzten drei Jahre immer wieder von längeren Trockenperioden geprägt waren und Landwirte um ihre Erträge fürchten mussten. Es gab zumindest während der Vegetationszeit fast schon zu viel Niederschläge. Für den hier vorherrschenden Futterbau war dies nur gut. Endlich konnten die Grundfuttervorräte wieder aufgefüllt werden. Allein die Getreideernte enttäuschte, auch weil die Erwartungen hoch waren.

Auch die Erzeugerpreise zeigten mit Ausnahme der Schweinepreise eine erfreuliche Tendenz. In vielen Teilen der Welt fiel die Getreideernte unterdurchschnittlich aus. Die Getreidepreise sind daher derzeit so hoch wie lange nicht mehr. Auch der Milchmarkt ist stabil. Eine leicht rückläufige Erzeugung trifft auf eine europaweite gute Nachfrage, was die Erzeugerpreise stützt. Die Rindfleischpreise sind im Laufe des Jahres deutlich gestiegen und sind so hoch wie lange nicht mehr. Dies ist umso erstaunlicher, weil aufgrund von Corona eher weniger Rindfleisch vor allem in der Gastronomie verzehrt wird. Im Gegensatz zu anderen Fleischarten kaufen die privaten Haushalte mehr Rindfleisch als vor Corona.

Teures Rindfleisch, billiges Schweinefleisch

Den Kontrapunkt dazu setzt der Schweinemarkt. Hier hat der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland zu erheblichen Marktverwerfungen geführt, weil China, ein wichtiger Schweinefleischimporteur, aus Deutschland keine Ware mehr abnimmt. Zwar sah es in der ersten Jahreshälfte so aus, als hätten sich die Warenströme angepasst. Ab dem Sommer fielen die Preise für Schlachtschweine und für Ferkel wieder auf einen historischen Tiefststand. Dies hat auch mit Corona zu tun, denn zeitweise mussten Schlachtungen heruntergefahren werden, weil zu wenig Personal zur Verfügung stand. Schlachtreife Tiere können dann nicht mehr abgenommen werden. Eine auch nur kostendeckende Erzeugung ist seit Monaten nicht mehr möglich, die wirtschaftliche Lage ist auf vielen Betrieben angespannt.

Nachfrage nach Bio-Produkten zieht an

Jenseits dieser Entwicklung auf den überregionalen Märkten ist eine andere Entwicklung zu beobachten. Vielleicht durch Corona angestoßen bieten immer mehr Landwirte ihre Produkte direkt auf ihren Höfen in Verkaufsautomaten an. Hier kann sieben Tage die Woche 24 Stunden lang eingekauft werden. Auch die Nachfrage nach Bioprodukten ist gestiegen. Corona bedingte Nachfragerückgänge sind hier nicht zu beobachten. Im Gegenteil: Biobetriebe berichten von einer in Coronazeiten anziehenden Nachfrage vor allem in der Direktvermarktung. Selbst bei den Bioschweinen, die über den Lebensmitteleinzelhandel vermarktet werden, sind die Preise stabil. Das Segment erscheint ausbaufähig, auch wenn es immer noch recht klein ist.

Preise für Betriebsmittel steigen

Alle Sektoren haben in der Landwirtschaft mit stark steigenden Betriebsmittelpreisen zu kämpfen. Dies betrifft vor allem die Düngemittel, Energie, aber auch das Zukaufsfutter. Für die Tierhaltungsbetriebe auf der Ostalb bedeuten hohe Getreidepreise immer auch höhere Futterkosten. Eine Erfahrung musste die Landwirtschaft mit anderen Wirtschaftsbereichen teilen, nämlich, dass wichtige Vorprodukte und Betriebsmittel gar nicht verfügbar sind. Sind es im produzierenden Gewerbe die Halbleiter, ist es in der Landwirtschaft der für die Produktivität so wichtige Stickstoffdünger. Um diese Dünger herzustellen, braucht es viel Energie. Die stark gestiegenen Gaspreise veranlassten die Düngerhersteller zur Einschränkung der Produktion.

Die Folge war eine regelrechte Preisexplosion seit Mitte des Jahres. Teilweise kann aber auch gar kein Stickstoffdünger für die anstehende Düngesaison im nächsten Frühjahr geordert werden. Umso wichtiger ist die effiziente Verwertung des anfallenden Wirtschaftsdüngers aus der Tierhaltung, über den unsere Futterbau- und Veredlungsbetriebe verfügen. Er wird auch überbetrieblich ausgebracht und hilft daher auch Betrieben mit wenig oder keiner Tierhaltung. Experten schließen aber nicht aus, dass der fehlende Stickstoffdünger zu Ertragsminderungen in der Ernte 2022 führen kann.

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