„Im Kopf fängt es an“: Entspannter putzen

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Deutsche Presse-Agentur

Notwendiges Übel, lästige Pflicht oder auch einfach nur Stress: Zum Thema Putzen fällt den meisten Menschen nicht wirklich etwas Positives ein. Und kaum jemand würde auf die Idee kommen, Schrubber und Lappen mit Wellness in Verbindung zu bringen.

Doch es geht auch anders, behauptet die Schweizer Ethnologin Katharina Zaugg. Es komme nur auf die richtige Einstellung an. „Im Kopf fängt es an.“ Die Raumpflege-Expertin putzt mit Leidenschaft und hat diese zu ihrem Beruf gemacht. Neben einer Raumpflege-Firma betreibt sie in Basel eine Putzschule, in der sie auch ihre Mitmenschen für das Feudeln und Staubwischen begeistern will.

Klappen soll das unter anderem mit Übungen wie dem „Lappen des Lächelns“, mit der die Raumpflegerin aus Berufung ihren Schülern eine entspannte Haltung beim Putzen beibringen will. Dafür stemmt sie beispielsweise wie ein Sumo-Ringer beide Beine fest in den Boden, macht den Rücken gerade und beginnt dann zu wringen - mit einem Lächeln statt eines verkniffenen Ausdrucks im Gesicht. Für noch mehr gute Laune beim Saubermachen jodele sie auch gern mal beim Staubsaugen, sagt Zaugg.

Aber auch wer die ganze Angelegenheit rund um Wischeimer und Staubwedel etwas nüchterner sieht, kann es sich durchaus leichter machen. Angekämpft werden muss dabei vor allem gegen die Blockade im Kopf. „Die meisten Leute schätzen den Zeitbedarf viel zu hoch ein und fangen deshalb erst gar nicht an“, beobachtet Yvonne Willicks, Landesverbandsvorsitzende des Deutschen Hausfrauenbundes in Hamburg. Ein Badezimmer aber sei schon in 10 bis 15 Minuten saubergemacht.

Die Hauswirtschaftsmeisterin rät, so geplant vorzugehen wie nur möglich. Zunächst sollten Standards festgelegt werden: Wie sauber möchte ich es bei mir zu Hause haben und wie viel Zeit muss ich dafür realistisch aufwenden? „Wichtig ist es, sich immer einer Aufgabe zu widmen und diese wirklich fertig zu machen.“ Wer beim Bodenwischen zwischendurch mit dem Lampenputzen beginnt, komme nie zum Schluss.

Nach einer Marktschätzung des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel (IKW) in Frankfurt/Main wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 693 Millionen Euro für Haushaltsreiniger und 131 Millionen für sogenannte Wohnraumpflegemittel ausgegeben. Etliche Spezialtinkturen - vom Fettlöser für die Küche bis zum Reiniger für den Steinboden - verlocken zum Kauf immer neuer Produkte. Zaugg rät allerdings, nur ein paar wenige Putzmittel zu kaufen. Ansonsten drohe schnell ein unübersichtliches, wenig motivierendes Chaos.

Geht es um die Auswahl von Lappen, Schwämmen oder Eimern, sei auch der Tastsinn wichtig: „Was gut in der Hand liegt und sich angenehm anfühlt, wird mit mehr Freude benutzt“, sagt Zaugg. Zum Glück gebe es mittlerweile eine große Auswahl an gutem Handwerkszeug zum Putzen, sagt Yvonne Willicks. Die meisten Leute scheuten sich jedoch, Geld dafür auszugeben. Doch wer statt zum billigen Plastikfeudel zu einem ergonomisch geformten Wischer greift, merke schnell: Putzen kann auch wesentlich kräfteschonender und flotter gehen.

Trotz aller Motivationshilfen: Manche Menschen können sich nur sehr schwer zum Putzen überwinden. Wenn das Feudeln und Staubwischen als große Belastung empfunden wird, kann Hilfe vom Profi die Lösung sein. Jemanden für die Raumpflege zu engagieren, könne viel Stress verhindern - und sei durchaus bezahlbar, sagt die Hauswirtschaftsmeisterin Yvonne Willicks aus Hamburg. In einer Familie könne ja auch gemeinsam darüber nachgedacht werden, ob auf etwas anderes verzichtet werden kann. Und sollen zum Beispiel nur ein paar Mal im Jahr die Fenster geputzt werden, reiche es oft schon, ein Sparschwein fürs Kleingeld aufzustellen.

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