Im Kampf gegen die Zeit und den eigenen Körper

Lesedauer: 5 Min
24 Stunden auf dem Rad unterwegs: Daniel Bürgin vom Lindauer Rennstall Tomotion landete beim Rennen in Schötz auf Platz fünf.
24 Stunden auf dem Rad unterwegs: Daniel Bürgin vom Lindauer Rennstall Tomotion landete beim Rennen in Schötz auf Platz fünf. (Foto: Tomotion)
Lindauer Zeitung

24 Stunden können extrem lang sein – vor allem wenn man nonstop mit dem Mountainbike unterwegs ist. Nur wenige Stopps gönnte sich Daniel Bürgin vom Lindauer Mountainbike-Team Tomotion Racing beim 24-Stunden-Rennen in Schötz in der Schweiz. Als Einzelstarter legte er 450 Kilometer und 6300 Höhenmeter auf dem Rad zurück. Bürgin hatte sich für das Rennen vorgenommen, auf Pausen zu verzichten und lediglich kurze Boxenstopps zur Aufnahme von fester Nahrung, für den Wechsel des Lichtakkus, zum Kleidungswechsel und Ähnliches einzulegen. So brachte er auf stolze 90 Runden, zehn Umläufe mehr als im Vorjahr, und landete am Ende auf einem guten fünften Platz.

Körper verweigert Leistung

Besonders hart war die Nacht, berichtet Bürgin im Nachhinein. Die schlechten Rundenzeiten von bis zu 18 Minuten in den frühen Morgenstunden erklärt er so: „Das ist ein Phänomen, das ich nur von Ultrarennen kenne. Der Körper resigniert schlagartig und verweigert die Leistungsbereitschaft, um sie dann irgendwann später wieder wohlwollend zur Verfügung zu stellen. Dies geschieht mehrfach bei solchen Rennen und ist völlig unvorhersehbar. Man muss solche Momente im wahrsten Sinne des Wortes einfach aussitzen.“ Und tatsächlich: mit dem Morgengrauen verbesserten sich seine Zeiten wieder, gegen Ende sogar auf 13 bis 14 Minuten pro Fünf-Kilometer-Runde.

Schneller unterwegs waren seine Teamkollegen Manuel Pfister und Sascha Ernst, die sich allerdings abwechseln konnten. Als Zweierteam bewältigten die beiden Lindauer insgesamt 108 Runden mit 540 Kilometern. Das reichte wie für Bürgin im Einzel auch in der Teamwertung zu Platz fünf. Ernst und Pfister wechselten sich zu Beginn alle zwei bis drei Runden ab und erreichten dadurch im Schnitt etwas schnellere Rundenzeiten als die Einzelfahrer. Während der Nacht verlängerten sie ihre jeweiligen Etappen auf vier Runden, um einander längere Ruhepausen zu ermöglichen. „Was war das für ein Ritt!“, fasst Sascha Ernst das Erlebnis zusammen. „Freud und Leid liegen so eng beieinander, das habe ich die letzten zwei Tage wieder erlebt. Aber irgendwie lernt man nicht daraus. Sich jedes Mal so zu quälen und den Körper bis an den Rand der absoluten Erschöpfung zu bringen.“

Kombination aus Rad und Gewehr

Ganz andere Herausforderungen hatten die Tomotion-Fahrer Jan Finster und Gabi Scheu zu bewältigen. Beim Bikeathlon im schwäbischen Rohrbronn waren neben 26 Kilometern auf dem Rad auch zwei Stopps am Schießstand zu bewältigen, bei denen mit einem Luftgewehr jeweils drei Schuss auf eine Pistolenscheibe abgegeben werden. Jeder Fehlschuss wurde mit einer Strafminute geahndet. Nachdem es kurz vor dem Start heftig geregnet hatte, tat sich Finster in der ersten Rennhälfte schwer mit der hohen Luftfeuchtigkeit. Am Schießstand machte sein Gewehr Probleme und musste ausgewechselt werden, wodurch er wertvolle Zeit verlor. „Ordentlich angefressen ging ich auf die nächste Runde und haute noch mal alles raus was ging“, erinnert er sich. „Das zweite Schießen – mit anderem Gewehr –lief dann optimal“. So landete er am Ende exakt zeitgleich mit dem Vierten und Fünften auf Rang sechs der Masters2-Alterskategorie.

Gabi Scheu setzte vier Schüsse daneben und sammelte dadurch vier Strafminuten. Umso mehr freute sie sich, dass sie am Ende als drittplatzierte Dame doch auf dem Podium stand.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen