Im dritten Anlauf klappt’s

Lesedauer: 5 Min
Zupft gekonnt die Gitarre: Michael Fitz.
Zupft gekonnt die Gitarre: Michael Fitz. (Foto: ruth maria schwamborn)
Ruth Maria Schwamborn

Oberteuringen - Nachdem der Termin zweimal verschoben werden musste, hat das Konzert mit Schauspieler und Musiker Michael Fitz am Freitagabend in der Mühle in Oberteuringen endlich stattfinden können. Der Künstler entschuldigte sich auch gleich zu Beginn beim Publikum und bedankte sich für dessen Engelsgeduld und meinte mit einem Blick in den vollen Saal: „Wie ich sehe sind ja trotzdem alle gekommen. “ Damit hatte Fitz die ersten Lacher und die Sympathien der Besucher bereits auf seiner Seite. Dieses sympathisch Bodenständige war auch der rote Faden des Abends.

Im Leben von Michael Fitz, den die meisten nur als Tatort-Kommissar kennen, dreht sich nicht mehr nur alles um seinen Beruf als Schauspieler. Die Musik nimmt seit Jahren einen ähnlich hohen Stellenwert ein, was seine 100 bis 150 Konzertauftritte im Jahr eindrücklich beweisen. Momentan tourt er mit seinem neuesten Programm „Des bin i“ durch ganz Deutschland. Seine selbstkomponierten Stücke regen zum Nachdenken an und thematisieren tiefgreifende Themen, wie sie jedermann betreffen könnten und somit beim Publikum einen hohen Wiedererkennungsfaktor erzeugen. Der Künstler singt und spricht über Wertschätzung, Vergänglichkeit, menschliche Schwächen und natürlich die Liebe. Er stellte sein eigenes Programm als selbsterklärend vor, denn seine Gedankenwelt unterscheide sich nicht von denen, welche zu seinen Liederabenden kommen. Genau mit dieser Spiegelung erreicht der Musiker seine Zuhörer.

So wird in seinem ersten Stück „Der Bsuach“ (Der Besuch) seine persönliche Willkommenskultur infrage gestellt, denn mit dem Besuch ist es seiner Meinung ja gar nicht so einfach. Ob angekündigt oder nicht, ob der Gerichtsvollzieher oder die Verwandtschaft – was in seinen Augen dasselbe ist –, sich drum kümmern lenkt ab vom Wesentlichen: von uns selbst und unserer Selbstoptimierung.

Die vielen herzhaften Lacher der Anwesenden zeugten von Bestätigung und Zustimmung. Auch bei den Themen Sicherheit und kalkulierbares Risiko („Auf Eis“) oder dem Sicherheitsbedürfnis, lieber abzuwarten, als sich in Beziehungsfragen in die Nesseln zu setzten („Hinterm Zaun“) traf Fitz den Nerv der Zuhörer. Bei Letzterem konnte man die außerordentliche Stimm- und Instrumentenbeherrschung des Musikers bestaunen. Das Stück beinhaltete Blueskomponenten welche Fitz an seiner Gitarre virtuos und beeindruckend umsetzte.

Autofahrer-Tourette-Syndrom

Insgesamt fünf Gitarren hatte er mitgebracht und setzt diese alle im Laufe des Abends variabel und gekonnt ein. Seine gesprochenen Übergänge gestaltete der Künstler äußerst unterhaltsam, humorvoll und immer gespickt mit Anekdoten aus seinem eigenen Leben. Man konnte dem Mann stundenlang zuhören, da störte auch der bayrische Dialekt des gebürtigen Münchners nicht – im Gegenteil. Das macht ihn authentisch und nahbar. So beschreibt Fitz an einer Stelle sein ausgeprägtes „Autofahrer-Tourette-Syndrom“, welches ihn immer wieder bei seinen langen Autofahrten überkommt und ihn zu Beschimpfungen und Beleidigungen der anderen Verkehrsteilnehmer hinreißen lässt. Als erfolgreiche Therapiemaßnahmen bewiesen sich die gesäuselten Lobeshymnen seiner Frau auf ihn, den weltbesten Autofahrer. In dem Lied „ Der Bruder“ setzte sich Michael Fitz mit seinem Rollenbild beim Zuschauer auseinander, denn oft entdeckt er im Publikum diesen fernsehaffinen, rechteckigen Blick. Diese Leute fragen sich: Aus welcher Serie kenn ich den? „Der Bruder runter g’rissen, Hardy Krüger junior“ lautet darauf eine selbstironische Textzeile. Wer an diesem Abend einen oberflächlichen, überzogenen TV-Schauspier erwartet hatte, wurde angesichts der komplexen und intensiven Lieder und den musikalischen und gesanglichen Fähigkeiten positiv überrascht – und so kam der Künstler nicht umhin, den begeisterten Zuhörern zwei Zugaben zu spielen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen