„Ich liebe die Arbeit hier“

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Noch ist das große Kirchenzelt am Campinplatz Kressbronn-Gohren leer. Camping-Seelsorgerin Gertrud Geiger freut sich jetzt schon
Noch ist das große Kirchenzelt am Campinplatz Kressbronn-Gohren leer. Camping-Seelsorgerin Gertrud Geiger freut sich jetzt schon auf den Hochbetrieb in den Sommerferien. (Foto: Brigitte Geiselhart)
Brigitte Geiselhart

Zweifellos eine echte Top-Adresse für Camping-Urlauber – hier tummeln sich im Sommer bis zu 5000 Menschen. Die Nähe zum Bodensee, ein idyllisches Fleckchen in landschaftlich wunderschöner Lage – es gibt viele Gründe, in Gohren seine Ferien zu verbringen. Gertrud Geiger, Gemeindereferentin im Dekanat Allgäu-Oberschwaben, verbringt hier aber nicht ihren Urlaub. Mit ihrem evangelischen Kollegen Diakon Manfred Zoll wechselt sie sich in der Leitungsfunktion der „Kirche unterwegs“ ab und sorgt zusammen mit dem ehrenamtlichen Mitarbeiterteam dafür, dass während der Sommerferien auch rund um das „Kirchenzelt“ so richtig die Post abgeht.

Von Dienstag bis Freitag wird morgens ab 10 Uhr zum Kinderprogramm mit Singen, Bibeltheater, Spiel- und Bastelangeboten eingeladen. Ein spezieller „Jugendabend“, das „Nachtcafé“ für die Erwachsenen, das beliebte „Zeltkino“ mit Filmen für jedes Alter, am Freitagabend das Fest im Zelt mit Zauberern, Musikern und anderen Künstlern, der unkomplizierte Brunch am Samstagmorgen und nicht zuletzt der ökumenische Sonntagsgottesdienst mit anschließendem Kirchencafé – all das gehört zum wöchentlichen Angebot, das von vielen Urlaubern aller Generationen gerne nachgefragt wird.

„Ja, bei uns herrscht immer ein reges Treiben. Manchmal sind um die hundert Kinder da. Gerade beim Bringen oder Abholen der Kinder suchen aber auch viele Eltern das gezielte Gespräch“, berichtet Gertrud Geiger. „Und von den Jugend- und Erwachsenenangeboten lassen sich auch viel Gäste begeistern, die sich sonst eher nicht im kirchlichen Umfeld bewegen.“

Alter und Konfession spielen keine Rolle

Ein Programm anzubieten, das alle Sinne anspricht, aber auch Elemente in den Ablauf zu integrieren, die größere Dimensionen im Leben berühren, darum gehe es bei der Camping-Seelsorge. Alter und Konfession spielten dabei keine Rolle, wie Gertrud Geiger betont. Ständig unterwegs zu sein, vor dem Kinderprogramm singend und mit Rasseln und Gitarre spielend wie der „Rattenfänger von Hameln“ quer über den Zeltplatz zu laufen – auch das gehört zu den Aufgaben ihres Teams. „Ich bin gerne nah an den Menschen dran“, sagt sie. „Und gerade die Nähe und Nahbarkeit wird von vielen Urlaubsgästen sehr geschätzt“, so ihre Erfahrung.

So bunt wie der sommerliche Alltag auf dem Campingplatz verläuft, so bunt und abwechslungsreich war auch Gertrud Geigers bisheriges berufliches Leben, das sie zu bemerkenswerten Stationen und Herausforderungen führte. Schon in frühen Jahren war die heute 57-Jährige in der katholischen Landjugend ihres Heimatortes Rinzingen tätig, hat mit 16 Jahren im Kirchenchor gesungen und ein Jahr später die Orgel in Allmendingen gespielt. An der Münchner Abteilung der Uni Aichstätt hat sie Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit studiert, war später unter anderem Militärseelsorgerin im US-Bundesstaat Texas und hat fünf Jahre lang in Kuala Lumpur die deutschsprachige Gemeinde Malaysia geleitet. Seit 2010 ist die Gemeindereferentin im Dekanat Allgäu-Oberschwaben vor allem in der Seelsorge für Menschen mit Behinderung tätig.

Das Angebot, sich zusätzlich in der Camping-Seelsorge zu engagieren, nahm Gertrud Geiger vor vier Jahren gerne an. „Ich liebe die Arbeit hier. Hier ist Leben und Lebendigkeit. Es macht einfach total Spaß“, sagt sie, ohne lang überlegen zu müssen und spricht von einer „Gemeinde auf Zeit“, in der man von Jahr zu Jahr die Dauer- und Saisoncamper näher kennenlernen könne und auch auf viele „Stammkunden“ treffe. Auch die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Helfern gefällt ihr gut. „Sie können sich auf unterschiedliche Weise einbringen und bekommen einen Wohnwagen gestellt. Sie können sogar ihre Kinder mitbringen, was vor allem auch Alleinerziehenden entgegenkommt“, betont sie.

Bei aller Arbeit benötigt Gertrud Geiger auf dem Campingplatz in Gohren natürlich auch immer wieder Zeit, um ein wenig zur Ruhe zu kommen. „Jeden Morgen gönne ich mir noch vor 7 Uhr ein erfrischendes Bad im Bodensee“, sagt sie mit strahlendem Lächeln und lässt keinen Zweifel daran, dass sie auch solche Momente ganz besonders genießt.

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