Honda Insight: Fahren mit elektrischem Rückenwind

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Auf die deutschen Autofahrer rollt eine neue Hybridwelle zu: Während die heimischen Hersteller gerade erst auf diesen Zug aufspringen, bringen die Pioniere aus Japan in diesen Tagen bereits die dritte Generation ihrer Sparmodelle an den Start.

Honda verkauft Hybridmodell zum Kampfpreis

Den Anfang macht dabei Ende April der neue Honda Insight. Er wird parallel zum Civic Hybrid angeboten und soll mit einem „Kampfpreis“ von um die 22 000 Euro endlich die Vorherrschaft des ebenfalls zur Erneuerung anstehenden Toyota Prius brechen. „Schließlich waren wir es, die mit der ersten Generation des Insight 1999 das Hybridauto nach Europa gebracht haben“, sagt Honda-Sprecher Fabian Ottman.

Ein vollkommen alltagstaugliches Familienauto

Während der erste Insight ein experimenteller Zweisitzer für umweltorientierte Überzeugungstäter war, ist sein Nachfolger ein vollkommen alltagstaugliches Familienauto. Nicht nur der Preis hat sein Abschreckungspotenzial verloren. Auch Fahrleistungen und Raumangebot können nun mit konventionellen Fahrzeugen mithalten. So bietet der noch immer extrem windschnittige Fließheck-Viertürer bei 4,40 Metern Länge und 2,45 Metern Radstand vorne angenehm viel und hinten noch immer halbwegs ausreichend Bein- und Kopffreiheit. Und weil die Batterie für den Elektromotor gegenüber dem Civic Hybrid kleiner geworden ist, macht auch der Kofferraum seinem Namen wieder alle Ehre: Zusammen mit dem Fach unter dem doppelten Boden fasst er 408 Liter. Außerdem kann man jetzt auch die Rückbank umklappen und unter der Glasklappe mit der markanten Abrisskante mehr als 1000 Liter verstauen.

Beim Anfahren läuft immer der Benzinmotor

In Fahrt bringt den Insight der 65 kW/88 PS starke 1,3-Liter-Benziner aus dem Jazz, dem ein Elektromotor mit 10 kW/14 PS zugeschaltet wird. Als hätte der Insight plötzlich Rückenwind, schiebt der Stromer beim Beschleunigen kräftig mit an. So kommen beide Motoren zusammen auf 72 kW/98 PS und 167 Nm, mit denen der Fünfsitzer in 12,5 Sekunden auf Tempo 100 schnurrt und maximal 182 Stundenkilometer (km/h) erreicht. Außerdem stoppt der Elektromotor den Benziner an der roten Ampel und startet ihn wieder, sobald man den Fuß von der Bremse nimmt. Die himmlische Ruhe des Stillstands währt aber nicht lange: Während sogenannte Voll-Hybriden auch elektrisch, leise und sauber starten können, fehlt der „milden“ Lösung von Honda dafür die Kraft. Nur auf langen Gefällstrecken mit viel Schwung fährt der Insight allein mit Strom. Beim Anfahren dagegen läuft immer der Benziner.

Spritverbrauch wie bei einem sparsamen Diesel

Dennoch kommt der Wagen auf einen imposanten Verbrauch von 4,4 Litern und einen CO2-Ausstoß von 101 g/km - damit liegt der Insight auf dem Niveau der sparsamsten Diesel. Damit auch die Praxis hält, was die Theorie verspricht, feiert im Insight ein neuartiges Informationssystem Premiere: der Eco Assist. Auf Knopfdruck fallen mit ihm nicht nur Motor, Getriebe, Start-Stopp-Automatik und Klimaanlage in einen Sparmodus.

Eine verdorrte Blume für Bleifußfahrer

Im futuristischen Armaturenbrett startet mit dem Eco Assist auch eine Art Computerspiel, das den Fahrer zum effizienten Fahrstil erziehen soll. Bei sparsamem Betrieb leuchtet das Cockpit grün und auf dem Monitor sprießen Blumen. Ist man zu forsch unterwegs, schimmern die Anzeigen blau und die Bonus-Blumen verschwinden wieder. Weil die Elektronik die Effizienz nicht nur auf einzelnen Fahrten, sondern über die ganze Lebensdauer überwacht, winkt Sparfahrern die Grafik eines Öko-Pokals - Spritsünder bekommen eine vertrocknete Blume angezeigt. Das klingt nach Spielerei, soll aber im Alltag durchschnittlich zehn Prozent bringen.

Grundausstattung mit ESP und sechs Airbags

Der elektronische Verbrauchstrainer ist allerdings das einzige pfiffige Extra des Insight. Zwar ist die Grundausstattung mit ESP, sechs Airbags, Klimaautomatik und vielen elektrischen Helfern komplett. Doch hätten einem so modernen Auto auch zumindest die Option auf moderne Assistenzsysteme wie einem Tempomat mit Abstandsregelung, einer automatische Notbremse, Rückfahrkamera oder einem Einparkautomat wie im Konkurrenten Prius gut zu Gesicht gestanden.

Dennoch stehen mit dem Honda Insight die Chancen für die Aufholjagd des Hybridantriebs besser denn je: Denn der Preis ist attraktiv. Und mit dem genügsamen Verbrauch, dem Eco Assist und seinem schnittigen Design wird Insight gegenüber dem Prius viel Boden gutmachen. Doch auch in der jüngsten Generation bleibt den Japan-Hybriden wohl nur eine Nischenrolle: Solange die deutschen Volumenmarken nicht auf den Zug aufspringen oder der Gesetzgeber eine spezielle Förderung auslobt, haben die Teilzeitstromer gegen den Diesel bei uns kaum eine Chance.

DATENBLATT: Honda Insight Motor und Antrieb: Hybridantrieb mit 1,3-Liter-Benziner und Elektromotor Hubraum: 1339 ccm Max. Leistung Benziner: 65 kW/88 PS bei 5800 U/min Max. Drehmoment Benziner: 121 Nm bei 4500 U/min Max. Leistung E-Motor: 10 kW/14 PS bei 1500 U/min Max. Drehmoment Benziner: 92 Nm bei 0-500 U/min Systemleistung: 72 kW/98 PS bei 5800 U/min System-Drehmoment: 167 Nm bei 1000 U/min Antrieb: Frontantrieb Getriebe: Stufenloses Automatikgetriebe

Maße und Gewichte Länge: 4395 mm Breite: 1695 mm Höhe: 1425 mm Radstand: 2445 mm Leergewicht: 1204 kg Zuladung: 446 kg Kofferraumvolumen: 408-1017 Liter

Fahrdaten Höchstgeschwindigkeit: 182 km/h Beschleunigung 0-100 km/h: 12,5 s Durchschnittsverbrauch: 4,4 Liter/100 km Reichweite: 900 km CO2-Emission: 101 g/km Kraftstoff: Super Schadstoffklasse: EU5

Kosten Basispreis der Modellreihe: ca. 19 500 Euro Typklassen: k.A. Kfz-Steuer pro Jahr: k.A. (alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke)

Wichtige Serienausstattung Sicherheit: ESP, Front-, Seiten- und Vorhang-Airbags Komfort: Klimaautomatik, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung

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