„Home Schooling“ in der Corona-Krise

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 In Zeiten von Corona werden seit Jahren nicht mehr gespielte Brettspiele wieder herausgekramt.
In Zeiten von Corona werden seit Jahren nicht mehr gespielte Brettspiele wieder herausgekramt. (Foto: Michelle Fallert)
Michelle Fallert

Am Montagmorgen, 16. März, ist der „letzte Schultag“ gewesen, bevor die Schule geschlossen hat. Euphorie und Freude waren zunächst riesig, fünf Wochen keine Schule – das muss ein Traum sein. Dieses Gefühl hielt jedoch nur solange an, bis man realisiert hat, dass man ab sofort seine Freunde für die nächste Zeit nicht sehen darf. Woche für Woche kommen neue Arbeitsaufträge von den Lehrern. Auf einmal muss man ganz viele Seiten ausdrucken, hat Papierstapel auf seinem Schreibtisch liegen und weiß gar nicht, wo man anfangen soll.

Man hat die Freiheit sich selbst einzuteilen, wann man welchen Arbeitsauftrag zuerst bearbeitet, was sich als gar nicht so einfach herausstellt. Organisationstalent und Selbstdisziplin sind gefragt! Plötzlich muss man sich mehr mit Technik befassen, regelmäßig in sein E-Mail- Fach schauen und seine erarbeiteten Lösungen zur Kontrolle an die Lehrer zurückschicken. Doch zum Glück können sich die Schüler jederzeit an die Lehrer wenden, wenn Fragen auftreten sollten – selbstverständlich per E-Mail.

Auch die Sportstätten haben geschlossen, man kann seinen Hobbys nicht mehr nachgehen, die sonst regelmäßig betrieben werden konnten.

Man sollte aber auch mal das Positive an der ganzen Sache sehen. Nur weil zur Zeit kein Unterricht mehr in der Schule stattfinden kann, während dem man Aufgaben gemeinsam mit seinen Mitschülern bearbeitet hat, heißt es nicht, dass man jetzt alles alleine erledigen muss. Heutzutage gibt es so viele Möglichkeiten, wie Skype oder FaceTime, über die man zusammen mit seinen Freunden die Arbeitsaufträge lösen und sich helfen kann. Ganz nebenbei kann man auch ungestört über andere Dinge reden, was während der Schule zu einer sofortigen Ermahnung geführt hätte.

Auch Sport kann jederzeit gemacht werden. Vielleicht nicht gerade das liebste Hobby, zu dem man eine spezielle Ausstattung benötigt, aber dann probiert man eben mal etwas Neues aus. Es gibt etliche Workouts für zu Hause, die den ganzen Körper beanspruchen, Gymnastik oder Yogatipps im Internet, die man sich kostenlos anschauen kann. Eine andere Möglichkeit ist, nach draußen in die Natur zu gehen und sich dort zu Fuß oder auf dem Rad zu bewegen. Endlich hat man mal Zeit, den neuen und längeren Weg zu laufen, ohne ständig auf die Uhr schauen zu müssen, weil schon der nächste Termin ansteht oder weil man noch lernen muss.

Auf einmal hat man die Möglichkeit, sich gemütlich und ohne jeglichen Stress auf das Sofa zu setzen und ein Buch zu lesen, welches schon seit Monaten verstaubt im Regal steht. Endlich kann man ein neues Rezept ausprobieren, das man sonst nie machen konnte, weil einem schlichtweg die Zeit dazu gefehlt hat. Auch das Zimmer und der Kleiderschrank wurden schon lange nicht mehr aufgeräumt, was nun erledigt werden kann. Die Familie, die vielleicht in letzter Zeit etwas zu kurz gekommen ist, da jeder meistens mit seinem eigenen Stress zu tun hat, bekommt mehr Aufmerksamkeit. Seit Jahren nicht mehr gespielte Brettspiele werden herausgekramt und gemeinsame Filmabende vor dem Fernseher werden abgehalten.

Es ist sicherlich keine einfache Zeit für uns Menschen, doch wir können alle etwas daraus lernen, sollten das Beste daraus machen und lernen uns selbst dabei noch besser kennen. Auf einmal beginnt man zu realisieren, was eigentlich alles selbstverständlich ist in unserem Leben.

Umso schöner wird es, wenn wir unsere Freunde und Familienmitglieder dann endlich wieder in die Arme schließen können und vielleicht freut man sich sogar wieder ein ganz kleines bisschen auf den normalen Schulalltag.

Michelle Fallert ist Schülerin auf dem Otto-Hahn-Gymnasium in Tuttlingen und berichtet aus Schülersicht über die Corona-Krise.

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