Holperstellen pflastern den Weg

Lesedauer: 6 Min
Verbesserungsbedarf gibt es auch beim Radwegenetz in Villingen-Schwenningen.
Verbesserungsbedarf gibt es auch beim Radwegenetz in Villingen-Schwenningen. (Foto: Symbol: Bockwoldt)
sbo und Eva-Maria Huber

Villingen-Schwenningen (sbo) - Hier ein großes Schlagloch, dort ein zu hoher Bordstein und zwischendurch gar kein Radweg. Welche Tücken oder Schwächen hat das Radwegenetz in VS? Nicht wenige. Dies widerspiegelt sich in der RADar-Karte.

Es braucht nur ein paar Klicks, und die Doppelstadt nebst kleinen Stadtbezirken lassen tief blicken. An die 400 Radzeichen verteilen sich auf die Gesamtstadt, jedes Symbol steht für eine Bewertung, meist sind es Unfallschwerpunkte, die das Oberzentrum in eine blaue, rot umrandete Punktelandschaft verwandeln. Fast drei Wochen lang, vom 14. September bis zum 4. Oktober, hieß es für die Bewohner von VS „Strampeln was das Zeug hält“. Die Doppelstadt ist eine von 1482 Kommunen bundesweit, die sich an der Aktion Stadtradeln beteiligen. Allein in VS traten fast 1300 Bürger in die Pedale, waren 88 Teams gemeldet. Die Kilometerleistung ist stattlich: Gut 273 000 Kilometer sind innerhalb von drei Wochen zusammen gekommen und wurden ins Kilometerbuch aufgenommen.

Mit Elan und Freude schwangen sich viele aufs Rad und schrieben in einem Blog nieder, was ihnen so durch den Kopf ging. Zum Beispiel Stadtführer Rudolf Reim: „Es soll Spaß machen in Villingen-Schwenningen, den beiden Stadtbezirken und in den Ortschaften mit dem Rad unterwegs zu sein. Und das auf sicheren und guten Wegen. Gut für die Gesundheit. Gut für ein gutes Klima. Gut für unsere Zukunft. Gut für VS.“ Die Begeisterung ist groß, liest man sich durch die diversen Einträge: „Radeln erhöht das Lebensgefühl“, schwelgen die einen; andere zitieren Prominenz wie Albert Einstein: „Das Leben ist wie Fahrrad fahren, um die Balance zu halten, musst du in Bewegung bleiben.“

Doch die Begeisterung hat ihre Grenzen. Der ebenfalls online geschaltete Gefahrenmelder RADar hält fest: Quer durch das gesamte Stadtgebiet tauchen Tücken und Schwächen auf, die der radelnden Bevölkerung das Vorankommen nicht nur schwer machen. An einigen Punkten in der Stadt werden Schlaglöcher, Risse und Unebenheiten gemeldet, an anderen zu hohe Bordsteine, die für manche Doppelstädter schmerzhafte Folgen und aufgeschlagene Knie zur Folge hatten. Wo könnte das Radwegenetz verbessert werden? In den nächsten Wochen und Monaten hat der Mobilitätsbeauftragte der Stadt gut zu tun, um ein Gesamtbild der Schwachstellen zu zeichnen.

Ein Blick in den Neckarstadtteil VS-Schwenningen: Autofahrer, so die leidige Erfahrung, „achten beim Einfahren vom Parkplatz Gustav-Strohm nicht auf von rechts kommende Radfahrer“. Ähnlich kritisch empfinden manche die Situation am Römerweg: Die Tempo-30-Regelung, so der Vorwurf, werde von Autofahrern oft ignoriert. Richtig gefährlich werde die Tour dort noch durch „gefährliche Überholmanöver durch Autofahrer“. Deshalb werden Tempokontrollen gefordert.

Für viele Radfahrer heißt es auch Daumen runter bei Rottweiler Straße und Schluchseestraße: Viele Schlaglöcher, teils tiefe Risse sowie Unebenheiten machen diese zur Problemzone. Eine andere Gefahrenquelle ist die Schützenstraße. Wie an manch anderen Stellen auch, ende der Radweg abrupt in der Hauptverkehrsstraße. Wo soll es weiter gehen, fragt sich ein VSler. Auf dem Gehweg? Auf der stark befahrenen Schützenstraße neben parkenden Autos oder wo? Ein typischer Fall von Fehlplanung sei die Erzbergerstraße, so eine weitere Kritik: Der gemeinsame Fuß-/Radweg führe an den Bushaltestellen und dem Ausgang des Bahnhofs vorbei, ohne dass der Radweg für Fußgänger sichtbar markiert sei. So rechnen die Fußgänger nicht mit Radlern. Es sei völlig unklar, so ein anderer, wo die Radler aus Richtung Gewerbeschule kommend vor dem Bahnhof und den Bushaltestellen fahren sollen. „Mal wieder nix überlegt, bei der Planung ... fahrradfreundlich geht anders ...“, heißt es.

In Vilingen fährt es sich teilweise kein Jota besser Rad, auch hier gibt es eine Flut an Kritik und Anregungen. Mit in der Bewertung der „Unfallschwerpunkt“ Warenburgstraße: Kein durchgängiger Radweg vorhanden, dazu unklare Verkehrsführung bei jeder Kreuzung. Generell sind Schlaglöcher, Unebenheiten und Risse auch in der Zähringerstadt immer wieder ein leidiges Thema. Ein erhöhtes Sturzrisiko bestehe deshalb nicht nur in den Erbsenlachen, sondern auch in der Rietheimer Straße und im Steinkreuzweg. Problematisch werden in Wöschhalde und Wilhelm-Binder-Straße Übergänge mit zu großen Höhenunterschieden gesehen. Genau so nervig seien zugeparkte Radwege wie in der Berliner Straße. Auch in Villingen herrscht an manchen Stellen Ratlosigkeit in Bezug auf die Verkehrsführung, so an der Schwenninger und an der Bahnhofsstraße.

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen