Hoffenheim Herbstmeister: Remis gegen Schalke

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Deutsche Presse-Agentur

Der Mäzen geriet ins Schwärmen, die Spieler feierten beim gemeinsamen Tänzchen auf dem Rasen, nur der Trainer blieb ganz cool:

Hoffenheims Himmelsstürmer haben auch ohne Hurra-Fußball den Herbstmeistertitel perfekt gemacht und überwintern dank Kunstschütze Selim Teber vor dem FC Bayern München an der Bundesliga- Spitze. Der Aufsteiger kam zum Abschluss einer unglaublichen Hinrunde gegen den FC Schalke 04 nach harter Arbeit zu einem 1:1 (0:1) und verteidigte damit seinen knappen Vorsprung von vier Toren auf den punktgleichen Rekordchampion aus München. Der eingewechselte Teber (72. Minute) egalisierte für den besten Liga-Neuling seit elf Jahren in einer hektischen Partie im mit 26 300 Zuschauern ausverkauften Carl-Benz-Stadion von Mannheim den Schalker Führungstreffer von Gerald Asamoah (40.).

1899 Hoffenheim konnte aus der Gelb-Roten-Karte gegen Jermaine Jones (Foulspiel/55.) lange kein Kapital schlagen, doch Teber zirkelte einen Freistoß zu seinem ersten Bundesligatreffer für 1899 ins Schalker Tor. Zehn Minuten vor Schluss sah in Orlando Engelaar ein zweiter Schalker die Ampelkarte beim letzten Bundesliga-Spiel im Mannheimer Stadion. In der Rückrunde wollen die Hoffenheimer in der neuen, eigenen Arena in Sinsheim ihr richtiges Meisterstück machen. „Ich bin mehr als glücklich und stolz. Es ist sensationell, was hier passiert ist in diesem Jahr“, sagte 1899-Geldgeber Dietmar Hopp. „Man stelle sich vor, Herbstmeister vor dem FC Bayern.“

Der Trainer reagierte zurückhaltender auf den Coup. „Natürlich freuen wir uns über Platz eins, aber wir hätten uns noch mehr gefreut, wenn wir zwei Punkte mehr hätten“, sagte Hoffenheim-Coach Ralf Rangnick - und gestand, dass in der letzten Partie ein wenig die Leichtigkeit gefehlt habe. Torschütze Teber war's egal. „Wir haben hart gearbeitet und können das auch genießen, dass wir da oben stehen“, sagte er.

Ausgerechnet gegen Rangnicks früheren Arbeitgeber traten die Hoffenheimer über weite Phasen ungewohnt vorsichtig auf - und doch können sie als erster Aufsteiger seit dem 1. FC Kaiserslautern in der Saison 1997/98 auf dem Spitzenrang Weihnachten feiern. Schalke liegt nach einer dürftigen Hinrunde auf dem siebten Rang und - psychologisch schlecht - sogar hinter Erzrivale Borussia Dortmund. „Wir haben gezeigt, dass wir das letzte Spiel gut bestehen wollen“, sagte Asamoah.

Asamoah (3.) und Halil Altintop (9.) hatten gute Chancen zur frühen Schalke-Führung. Gegen Altintop reagierte 1899-Schlussmann Daniel Haas, der angesichts der Verpflichtung von Timo Hildebrand auf absehbare Zeit wohl sein letztes Spiel für Hoffenheim gemacht haben dürfte, hervorragend.

Hoffenheim brauchte eine Standardsituation, um erstmals Torgefahr zu demonstrieren. Der diesmal von Beginn an eingesetzte Sejad Salihovic (19.) fand bei einem feinen Freistoß in Schalke-Schlussmann Manuel Neuer seinen Meister. Anschließend wurde Fußball eher intensiv gearbeitet, denn leichtfüßig gespielt. Schalkes Jones hatte Glück, dass es Schiedsrichter Peter Gagelmann nach einer rotwürdigen Ringereinlage gegen Salihovic (21.) noch bei einer Ermahnung beließ.

Vedad Ibisevic wurde von Schalkes Abwehr-Talent Benedikt Höwedes gut abgeschirmt, nur einmal blitzte das Können des Top-Torjägers der Hinrunde (18 Tore) auf. Sein Zuspiel ermöglichte Demba Ba eine gute Chance (38.). Doch dann schlug Schalke zu: Altintop spielte Asamoah frei, und der schob problemlos zu seinem zweiten Saisontor ein.

Die zweite Halbzeit begann für 1899 denkbar schlecht. Chinedu Obasi (48.) musste mit einer Oberschenkelverletzung ausgewechselt werden. Dann regierte Hektik auf dem Platz und Hoffenheim ließ sich von Schalkes giftigem Auftreten anstecken. Asamoah und Teber gerieten aneinander. Jones konnte nach seinem Platzverweis nur mit Mühe beruhigt werden.

Keine richtige Chance konnte sich Hoffenheim erarbeiten, wieder musste eine Standardsituation herhalten. Statt Salihovic trat diesmal aber Teber an - und ließ Neuer keine Abwehrmöglichkeit. Dann war Hoffenheim gegen neun Schalker klar überlegen, doch Neuer hielt bei Ibisevics Drehschuss (86.) den Punkt für Schalke fest.

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