Hoffenheim heiß auf Bayern - Sieg bei Babbel-Debüt

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Deutsche Presse-Agentur

Rekordmeister oder Aufsteiger - wer wird Herbstmeister? Für den wiedererstarkten FC Bayern München soll der Gewinn dieses Titels ohne Wert zur Machtdemonstration werden, im Sensationsteam von 1899 Hoffenheim ist vor dem Bundesliga-Hit davon keine Rede.

„Bayern kann ruhig Herbstmeister werden - wenn wir Meister werden“, sagte der Hoffenheimer Francesco Copado vor dem Gastspiel an der Isar kokett. „Wenn die anderen uns da oben sehen, bekommen sie wieder einen anderen Reflex“, hofft Bayern- Manager Uli Hoeneß mit der Rückkehr auf den Spitzenplatz des deutschen Fußballs den etwas verlorenen Respekt zurückzugewinnen.

Dass die Münchner unter der Ägide von Trainer Jürgen Klinsmann nach holprigem Start in Tritt gekommen sind, musste der Titel- Mitfavorit Bayer 04 Leverkusen beim 0:2 am 15. Spieltag bitter erfahren. „Man hat den Unterschied gesehen. Wir haben schon nach 25 Minuten das Kräftemessen verloren, weil wir nicht den Mut hatten“, urteilte Bayer-Trainer Bruno Labbadia. Hoeneß formulierte es härter: „Sie können uns nicht das Wasser reichen.“

Aussichtsreichster Verfolger des Spitzenduos ist Hertha BSC. Die Berliner setzten mit einem 2:1-Sieg über den 1. FC Köln ihren Erfolgslauf fort und schoben sich auf den dritten Tabellenplatz. Der Hamburger SV konnte den Anschluss an die Spitzengruppe mit einem 1:1 beim VfL Bochum am Sonntag hingegen nicht halten. Drei Tage nach der 0:1-Niederlage im UEFA-Cup gegen Ajax Amsterdam präsentierte sich der HSV zwar verbessert, die Bochumer Führung durch Stanislav Sestak konnte Ivica Olic aber nur ausgleichen.

Borussia Dortmund verpasste es, den HSV von den UEFA-Cup-Plätzen zu verdrängen. Gegen den VfL Wolfsburg kam der BVB am Sonntag nicht über ein 0:0 hinaus. Erfolgreich verlief indes das Bundesliga-Debüt von Markus Babbel als Teamchef des VfB Stuttgart, der Schalke 04 mit 2:0 bezwang. Jan Simak und Mario Gomez besiegelten mit ihren Treffern im dritten Sonntagsspiel den Stuttgarter Befreiungsschlag und verlängerten den Abwärtstrend von Schalke 04.

Die Bayern-Spieler haben inzwischen den Stil und die Philosophie von Trainer Jürgen Klinsmanns akzeptiert. „Die Jungs haben Spaß. Es hat ein bisschen gedauert, aber langsam merkt die Mannschaft, dass alles fruchtet“, sagte Klinsmann. Platz zwei hinter Hoffenheim und der Achtelfinal-Einzug in der Champions League sind Belege der jüngsten Erfolgsserie mit neun Liga-Partien ohne Niederlage.

„Wir haben großen Respekt vor den Bayern, aber wir fahren dorthin, um zu gewinnen“, meinte 1899-Kapitän Selim Teber nach dem 3:0 gegen Arminia Bielefeld. Mit dem elften Sieg im 15. Spiel liegt Hoffenheim nicht nur mit drei Punkten Vorsprung auf die Bayern weiter an der Spitze, sondern hat auch das ursprüngliche Ziel erreicht: Mit 34 Zählern ist der Klassenerhalt sicher. „Die Hoffenheimer sind die derzeit beste Mannschaft in Deutschland“, lobte Arminia-Coach Michael Frontzeck, dessen Elf zum 24. Mal auswärts nicht siegen konnte.

Mit einer Tor-Gala hat sich Werder Bremen für das triste Champions-League-Aus rehabilitiert. „Die Vorzeichen sind jetzt besser, ich bin da zuversichtlich“, kommentierte Werder-Manager Klaus Allofs das Fußballfest gegen Eintracht Frankfurt (5:0) dennoch mit Zurückhaltung. „Wir brauchen erstmal ein paar Spiele, in denen wir konstanter sind, damit es im Umfeld ruhiger wird“, meinte auch Trainer Thomas Schaaf. Zumal die Bremer von der Beinahe- Arbeitsverweigerung der Hessen profitierten. „Das war echt desolat“, schimpfte Eintracht-Torwart Markus Pröll.

Das gleiche Etikett konnten sich die Profis von Borussia Mönchengladbach nach dem Keller-Duell gegen Energie Cottbus (1:3) anheften. „Das ist alarmierend. Wir stehen nicht zufällig dort, wo wir stehen“, stellte Borussia-Coach Hans Meyer fassungslos nach dem Sturz auf Platz 17 fest. „Das war ein Schlag gegen alle Hoffnungen.“ Erstmals in dieser Saison konnten dagegen die Lausitzer einen Abstiegsrang verlassen. „Mit diesem Sieg haben wir ein Zeichen gesetzt“, hofft Energie-Kapitän Timo Rost. Die „Rote Laterne“ gab Cottbus an den Karlsruher SC ab, der nach katastrophaler Leistung mit 2:3 bei Hannover 96 verlor und seit neun Spielen ohne Sieg ist. Von einer Diskussion über Trainer Edmund Becker will KSC-Manager Rolf Dohmen aber nichts wissen: „Wir sind nicht wie ein Fähnchen im Wind.“

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