Hoffenheim begeistert die Liga mit Traum-Fußball

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Deutsche Presse-Agentur

Der Höhenflug des bärenstarken Aufsteigers 1899 Hoffenheim an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga begeistert die verblüffte Konkurrenz, doch beim millionenschweren Dorfclub sind die Verantwortlichen weiter um Bodenhaftung bemüht.

„Warum sollen wir jetzt unsere Ziele korrigieren oder anfangen, in höheren Tabellen-Dimensionen zu denken. Wir wollen nicht wissen, was nächstes Jahr im Mai ist, sondern uns als Mannschaft weiterentwickeln und jedes Spiel gewinnen, möglichst schon am Mittwoch in Bochum“, sagte Trainer Ralf Rangnick nach dem glanzvollen 3:0 (3:0) gegen den bisherigen Tabellenführer Hamburger SV.

Mit seinem offensiven Hurra-Stil verzückt der Bundesliga-Novize die Fans und hat sich innerhalb kürzester Zeit die Anerkennung der Branchen-Größen erworben. „Respekt ist angesagt, den haben sie sich erspielt“, sagte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. HSV-Coach Martin Jol, der nach der Packung vor 26 300 Zuschauern im ausverkauften Carl-Benz-Stadion von Mannheim sichtlich bedient war, lobte: „Hoffenheim ist eine sehr gute Mannschaft mit einem sehr guten Trainer.“ Und Hamburgs Torwart Frank Rost prophezeite: „Die werden eine gute Rolle spielen in der Liga.“

Nach neun Spieltagen sonnt sich der Aufsteiger mit 19 Punkten an der Spitze. Selbst Rangnick mutet diese Momentaufnahme abenteuerlich an. Deshalb trat er - auch angesichts der wöchentlichen Lobeshymnen auf seine Spieler - nach der Gala-Vorstellung im Top-Spiel mächtig auf die Euphorie-Bremse. „Natürlich glaube ich nicht, dass wir mit dieser Mannschaft absteigen. Über die Qualität der Jungs muss man sich nicht unterhalten, aber sie sollen nicht alles glauben, was in der Zeitung steht“, sagte der Vater des Erfolges.

Die perfekte erste Halbzeit, in der Chinedu Obasi (7./36.) und Vedad Ibisevic (13.) das 3:0 herausschossen, zauberte aber selbst dem als Perfektionisten bekannten Hoffenheimer Fußball-Lehrer ein Lächeln ins Gesicht. „Ich bin super gelaunt, denn die erste Hälfte war sehr gut. Besser geht es kaum. Es ist schon außergewöhnlich, was sich hier in den letzten zweieinhalb Jahren entwickelt hat“, sagte Rangnick. Auf dem Platz greift ein Rädchen ins andere, keiner ist sich zu schade, für den anderen zu laufen und zu kämpfen. „Die Jungs sind täglich bereit, Gas zu geben“, lobte Rangnick die musterhafte Einstellung seiner Jung-Profis. „Wir sind ein hungriges Team“, meinte Obasi.

Davon war der HSV meilenweit entfernt. „Wir waren nicht existent, vorne nicht und im Mittelfeld nicht. Und hinten hatten wir massive Probleme. Wenn wir die Fehler nicht abstellen, werden wir noch mehr solche Spiele haben“, kritisierte Jol seine Mannschaft, die auf der ganzen Linie enttäuschte und im Hoffenheimer Angriffswirbel unterging. Vor allem die Sprachlosigkeit auf dem Platz war Hamburgs Coach ein Dorn im Auge. „Wir haben keine Führungsspieler, das ist ein Defizit. Keiner macht den Mund auf“, sagte Jol.

Einzig Torhüter Rost, der mit etlichen Paraden eine höhere Niederlage verhinderte, stemmte sich gegen das Unheil und fand nach der Partie gewohnt offene Worte: „Heute waren Mentalität und Charakter gefragt. Man muss auch mal mit dreckigem Fußball ein 0:0 über die Runden bringen. Stattdessen haben wir uns die Dinger fast selbst reingelegt. Gegen den VfB Stuttgart müssen wir uns am Mittwoch anders präsentieren.“

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